Adrian Vandenberg: Die alte Liebe zur Musik bleibt
Im Gespräch Am Dienstag, dem 18. Februar hatte Bluesmagazine.nl die Gelegenheit , vor der Release-Party der neuen CD Moonkings im Musikzentrum ATAK in Enschede (NL) ein Interview mit dem Gitarristen Adrian Vandenberg (Ex-Whitesnake) zu führen. Die Fragen stellte Andre Wittebroek

Artikel vom 12.03.2014


Andre Wittebroek
Andre: Du warst lange Zeit aus der Musikzsene verschwunden und jetzt auf einmal bist du nach all den Jahren wieder da. Was hast du in dieser Zeit so alles gemacht und warum steht jetzt wieder die Musik im Vordergrund?
Adrian: 1998 habe ich mit Whitesnake meine letzte CD gemacht und mich aus der Musikwelt zurückgezogen – nach dreizehn Jahren (und vierzehn Million verkauften Whitesnake-Alben, Anmerkung der Bluesmagazine-Redaktion). Davor war die Vandenberg-Periode und nach meiner ersten Band Teaser wollte ich mehr Ruhe und Zeit für mich selber haben. Es waren tolle Jahre, aber auch sehr anstrengend - wenig zu Hause, fast immer auf Tour, viel in Studios, Presse und so weiter. Ich hatte für eine Weile genug davon und wollte meine eigenen Sachen machen. Ich habe noch eine große andere Leidenschaft und das ist die Malerei. Ich bin auch Maler und war auf der Kunstakademie. Ich hatte die Musik und die Malerei immer kombiniert, aber die Malerei war stets an zweiter Stelle. Jetzt kam die Malerei an die erste Stelle, dass es vierzehn Jahre dauerte war nicht geplant. Darüber hinaus habe ich viel Zeit mit meiner Familie sowie Freunden verbracht und viel Gipsy-Musik gehört. Aber das Wichtigste war die Geburt meine Tochter Mickey. Ich wollte sie aufwachsen sehen, also kein Vater sein, der (fast) niemals zu Hause ist. Wenn man auf Tour ist, ist das so. Jetzt ist sie vierzehn Jahre alt und begreift schon was ich tue. Und eine alte Liebe, hier die Musik, bleibt in einem.
Andre: Was war der definitive Anlass, wieder anzufangen? Wann war der Moment als du dachtest: 'Ich bin wieder soweit, ich mache Musik mit einer Band?'
Adrian: Der Grund ist eigentlich der Fußballverein FC Twente aus Enschede. 2011 wurden sie holländischer Meister und als Einwohner von Enschede fragte man mich, ein Meisterschaftslied für die große Siegerehrung zu schreiben. Um den Song "A Number One" live spielen zu können, brauchte ich eine Band. Ich erinnerte mich an einen Sänger, der im Vorprogramm von Whitesnake gesungen hatte und großen Eindruck hinterließ. Es war Jan Hovink. Nachdem ich ihn aufgestöberte hatte, klappte es auf Anhieb mit ihm. Er sang den Song ohne Mühe. Weil wir die Komposition live spielen wollten, brauchten wir noch einen Schlagzeuger und Bassisten. Ein Freund von mir nannte den Namen Mart 'Martman' Nijen Es. Den Namen kannte ich irgendwo her. Es stellte sich heraus, dass ich vor zehn Jahren in der Jury eines Musikwettbewerbs saß und von einem dreizehnjährigen Jungen beeindruckt war, der den Contest schließlich auch gewann. Das war Mart! Er hatte einen Freund, mit dem er schon Jahre zusammenspielte, den Bassisten Sem 'The Sam' Christoffel. Er war auch in solch einem Wettbewerb und ich war dort ebenfalls in der Jury. Er spielte so locker ein Jaco Pastorius-ähnliches Stück, mit dem auch er gewann. Das ist doch unvorstellbar, Zufall oder Wahnsinn? Wir übten ein paar Tagen und spielten das Lied bei der Siegerehrung vor sechzigtausend Leuten. Es war ein großer Erfolg. Das war der Anfang zusammen weiterzumachen und etwas Neues zu beginnen. Ich sehe auch ein, dass ich die Musik sehr vermisst habe!
Andre: Es sind sehr junge Musiker, die du in deiner Band hast! War das bewusst oder zufällig? Ich denke, dass auch viel mehr bekannte Musiker mit dir eine Gruppe gründen möchten.
Adrian: Es war bewusst gemacht. Ich wollte einen neuen Start mit frischen, jungen und ehrgeizigen Musikern.
Black Country Communion begann zum Beispiel mit nur bekannten Musikern. Sehr, sehr gut aber nichts Neues. Das Album, das ich machen wollte, sollte eine Platte für mich persönlich sein. Verwurzelt im harten Blues Rock mit schönen Melodien und herrlichen Grooves.
Andre: Wie schreibst du deine Songs und habt ihr genug für eine komplette Show? Ein Album wird doch nicht ausreichen?
Adrian: Auf der CD sind dreizehn Nummern und wir werden auch einige Vandenberg- und Whitesnake-Songs spielen, weil die Menschen auch so etwas von mir erwarten. Wenn ich einen Song schreibe, frage ich mich immer: 'Wie wird er live klingen?' Alle Einflüsse aus dem Leben bestimmen den Song und ich versuche, mit Texten und Sound mein eigenes Ding daraus zu machen.
Ich sehe es so: Oben kommt alles in einen Trichter hinein und unten ist es zusammengeflossen. So auch bei uns Musikern. Zum Beispiel Joe Bonamassa - man hört viele verschiedene Einflüsse in seinem Spiel, aber er macht sein eigenen Stil daraus.
Andre: Was kannst du über die Aufnahmen sagen? Welche Instrumente wurden benutzt, wie ist der Sound der neuen CD "MoonKings"?
Adrian: Als erstes möchte ich mich bei Ed van Zijl von Provogue Records/Mascot Label Group bedanken, weil er volles Vertrauen zu mir hatte und wir die CD bei seiner Plattenfirma veröffentlichen konnten. Er gab uns völlige Freiheit, um zu tun, was wir wollten. Das war so geil, wir konnten unser Ding machen. Es war total anders als bei Whitesnake. Da standen immer so viele Leute herum und mischten sich in alles ein.
Im September haben wir die CD in den Wisseloord Studios aufgenommen und es war für mich so, als käme ich wieder nach Hause. Mein erstes Album mit der Band Teaser hatte ich dort aufgenommen. Der Kreis hat sich hier geschlossen. Die Aufnahmen sollten pur, ehrlich und analog sein. Mit Whitesnake war alles so weit, breitflächig und manchmal überproduziert, aber auch sehr normal in der damaligen Zeit. Wir wollten einen Livesound, so als wenn man einen Meter vor der Bühne steht. Alte Bands wie Free, Cream oder Led Zeppelin spielten auch pur und ehrlich - sie spielten für die Musik, sie wollten ein Album machen. In den Wisseloord Studios hat der Eigentümer eine große Sammlung von Gitarren und Verstärkern aus den Jahren 1959 bis 1961 und die durften wir benutzen. Jeder Gitarrist liebt diese Vintage-Modelle wegen des fantastischen Sounds. Ich selber spiele am liebsten die Gibson Les Paul.
Die Aufnahmen liefen sehr gut und ich war von den Qualitäten der jungen Bandmitglieder angenehm überrascht. Robin Piso von DeWolff spielte Hammond Orgel … und wie! Sehr rockig und pur.
Andre: Was hält David Coverdale von Whitesnake von deinem neuen Projekt? Er singt auch den letzten Song, "Sailing Ships", auf der CD.
Adrian: David und ich sind noch immer sehr gute Freunde. Für mich ist es eine große Ehre, dass er eine Nummer singen wollte. Ich habe ihn nicht gefragt. David wollte unbedingt einen Song singen und fragte mich, ob er dabei sein dürfe. Der Song, den ich gewählt habe ist "Sailing Ships", ein Whitesnake-Track. Aber ich wollte ihn anders spielen als auf der Whitesnake-CD - intimer, ruhiger. Als David den Song sang, war er sehr müde. Er hatte gerade eine Tour von mehr als einem Jahr hinter sich und hatte Probleme mit seinem Knie. Er sollte operiert werden. Seine Stimme klang müde, aber trotzdem emotional und das brauchte das Lied. Perfekt! Wir waren beide sehr zufrieden mit dem Resultat. Er hat alle Aufnahmen der CD gehört und meinte, wir sind eine 'Kick Ass-Band'.
Andre: Und wie denkst du über Vandenberg’s MoonKings? Ist es für dich ein Hobby-Band oder sehr seriös und vielleicht eine Top-Band für die Zukunft?
Adrian: Wir versuchen absolut, eine Top-Band zu werden. Die Gruppe hat die Qualitäten dafür und die Plattenfirma gibt uns alle Unterstützung. Am 21. Februar fängt die Tour in den Niederlanden, in meinem Wohnort Enschede, an und dann geht es nach England, Deutschland, die Schweiz, Österreich, Frankreich und Spanien. Europa ist für mich das Wichtigste. Mit Whitesnake waren wir vor allem in Nord- beziehungsweise Südamerika und Japan unterwegs. In den dreizehn Jahren bei Whitesnake spielten wir nur eimal in Frankreich, aber das machen wir jetzt öfter. Ob Amerika danach interessant wird, warten wir ab. Was mich sehr - und das meine ich wirklich - sehr überrascht hat, waren die positive Reaktionen von meinen Fans weltweit. Unglaublich, dass ich nach so langer Abwesenheit nicht in Vergessenheit geraten bin! Tut sehr gut!
Andre: Hast du noch eine Botschaft an die Leser von Bluesmagazine und RockTimes?
Adrian: Ich hoffe, ihr mögt die CD und bitte kommt zu unseren Konzerten! Wir haben dann bestimmt einen schönen Abend zusammen.
Andre: Adrian, ich danke dir für dieses sehr angenehme Gespräch und wir sehen uns bestimmt beim ersten Konzert in Enschede.
Adrian: Ich fand es auch sehr schön. Dann bis zum 21. Februar.
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