Wir wussten, dass die TTB nur mit hundert Prozent unserer Energie funktionieren würde!
Rocktimes Interview Zwei Jahre haben sich Susan Tedeschi und Derek Trucks Zeit genommen, um an dem Nachfolger des Grammy-dekorierten Debüts "Revelator" zu feilen. Nun ist es endlich so weit:
Die Tedeschi Trucks Band legte mit "Made Up Mind" den lang ersehnten Nachfolger vor... und hat sich selbst übertroffen.

RockTimes hatte die Möglichkeit, den beiden Namensgebern/Frontleuten (per Mail) auf den Zahn zu fühlen.

Interview vom 07.09.2013


Steve Braun
RockTimes: Hi, Susan! Hey, Derek! Erstmal vielen Dank, dass Ihr Euch die Zeit für RockTimes nehmt und Gratulation zu Eurem tollen neuen Album Made Up Mind, das wir kürzlich für unser Magazin besprechen durften. Es war sicherlich schwierig, nach dem Grammy-dekorierten Revelator ein neues Album zu machen? Eure Ansprüche waren doch bestimmt ebenso hoch wie die Erwartungshaltung des Umfeldes, oder?
Derek: Wir haben eine Menge Leute in der Band, die selbst Bandleader oder Produzenten sein könnten. Wenn wir alle mit einem Song glücklich sind, ist das gut genug.
RockTimes: Der Titel lautet "Made Up Mind" und suggeriert, dass eine 'Entscheidung' zu treffen war. Stimmt das? Und wenn ja: welche?
Derek: Ich mag es zu beobachten, wie der Titel und das Artwork von verschiedenen Seiten völlig unterschiedlich interpretiert werden. Ich sag einfach mal, dass der Titel von verschiedenen Menschen ganz individuell gedeutet werden kann. Ich will da niemanden mit meinen Ergründungen verwirren.
RockTimes: Ich meine aus der Musik herausgehört zu haben, dass Ihr Euch stilistisch etwas stärker dem Soul und R&B zugewandt habt. Täuscht dieser Eindruck und falls Nein: Was hat Euch zu dieser leichten Kurskorrektur bewogen?
Derek: Wir sind tatsächlich von allen Spielarten des Soul und R&B inspiriert worden, haben aber nicht zu viel über eine 'Etikettierung' des Genres nachgedacht. Wenn es gut klingt, ist es in Ordnung. Die Definition überlassen wir gerne unseren Zuhörern.
RockTimes: Warum war Oteil Burbridge diesmal nicht mit von der Partie?
Derek: Oteil hat die Band leider im letzten Jahr verlassen, um sich stärker seiner Familie zu widmen. Wir fühlten uns aber unglaublich geehrt, bei "Made Up Mind" von Leuten wie Pino Palladino, Bakithi Kumalo, George Reiff und Dave Monsey am Bass unterstützt zu werden.
RockTimes: Du hast diesmal nur bei einigen Songs Gitarre gespielt, Susan. Warum? Wolltest Du Dich stärker auf Deine Gesangsparts konzentrieren?
Susan: Mein Schwerpunkt lag diesmal tatsächlich auf den Aufnahmen des Gesangs. Als die Gitarren-Basics von Derek, Doyle und Eric Krasno aufgezeichnet waren, hat das alles perfekt geklungen. Da musste nichts mehr hinzugefügt werden. Im Hintergrund habe ich zu "It's So Heavy" eine Akustische und ein bisschen Lead und Wah-Wah bei "Whiskey Legs" gespielt. Es hat Spaß gemacht, nur so wenig Gitarre zu spielen. Beim nächsten Mal finde ich hoffentlich einen Weg, dahingehend etwas mehr einzubringen.
RockTimes: Wie sind denn die neuen Songs entstanden? On the road? Im heimischen Studio? Oder gar aus einzelnen Fragmenten mit den anderen Musikern der Tedeschi Trucks Band gemeinsam im Studio?
Derek: Das Meiste haben wir in unserem eigenen Studio geschrieben - wir beide und Freunde wie Doyle Bramhall II, Gary Louris, John Leventhal und Eric Krasno. Einige Songs sind brandneu gewesen, andere schwirrten schon eine ganze Zeitlang in unseren Köpfen herum.
RockTimes: Wie groß ist die Herausforderung, mit einer elf- bzw. diesmal zehnköpfigen Band im Studio zu arbeiten?
Derek: Es ist definitiv eine Herausforderung, mit so einer großen Band aufzunehmen. Aber wir spielen jetzt schon ein paar Jahre zusammen, deshalb ist das, wie der Beitrag der ganzen Bläser und Sänger, für uns ganz natürlich. Das ist eben ein Teil unseres Sounds - auf der Bühne wie im Studio.
RockTimes: Nach welchen Kriterien habt Ihr die Musiker für die Tedschi Trucks Band ausgesucht und zusammengestellt?
Derek: Wir wussten am Anfang eigentlich gar nicht, wonach wir suchen, als wir die Band zusammenstellten. Aber als wir zu spielen begannen, kam ein Puzzleteil zum anderen. Wir hatten nicht unbedingt vor, mit zwei Drummern zu arbeiten, aber als JJ und Falcon zum ersten Mal zusammenspielten, war alles klar. Die Bläser haben wir erst ein bisschen später integriert. Nach einer Tour wollten wir das ganze Ding damit auf ein neues Level heben.
RockTimes: Gibt es manchmal zwischen Euch unterschiedliche Auffassungen, wenn es um die Arrangements bestimmter Songs geht? Und wenn ja: Wie geht Ihr damit um?
Derek: Meistens sind wir bezüglich der Songs auf derselben Seite. Wir haben allerdings manchmal eine Menge Diskussionen darüber - manche länger und lauter als andere...
RockTimes: Eine Frage an jeden von euch beiden: Was ist Dein persönlicher Lieblingssong auf "Made Up Mind" und warum?
Susan: Das ändert sich eigentlich von Woche zu Woche. Im Augenblick ist "Do I Look Worried?" mein Favorit. Im letzten Monat war es "It's So Heavy". Ich muss zugeben, dieses Album hat derart viele gute Songs, dass eine Entscheidung für mich sehr schwierig ist. Ich denke immer, dass die Intimität und visuelle Geschichte von "Calling Out To You" zwischen Stimme und Gitarre etwas ganz Besonderes ist. Es zeigt Dereks und meine verletzliche und offene Seite. Wenn Du mich das nächste Mal fragst, ist es wahrscheinlich "Idle Wind".
Derek: Ich habe im Moment keinen Favoriten. Aber wenn Du mich in fünf Jahren nochmal fragen solltest, habe ich vielleicht eine bessere Idee als momentan.
RockTimes: Ich schwanke noch zwischen "Misunderstood" und "The Storm" ;-) Was anderes:
Hat sich für Euch persönlich nach dem Grammy-Gewinn mit "Revelator" etwas verändert?
Derek: Es war eine große Ehre für uns und wir waren besonders glücklich, einen Grammy für Susan gewonnen zu haben, die schon viele Male zuvor nomiert gewesen war. Aber das hat definitiv weder unseren musikalischen Ansatz noch uns ganz persönlich verändert. Awards zu gewinnen ist immer ganz nett, aber man muss arbeiten, um seinen eigenen Erwartungen gerecht zu werden. Wenn dann andere Leute diese Arbeit anerkennen, dann ist das lediglich ein 'Bonus' für uns.
RockTimes: Wie sieht es mit Euren Soloprojekten aus? Wann gibt es wieder ein Blues-Album von Dir, Susan? Wann wieder frische Töne von der Derek Trucks Band, Derek?
Derek: Wir sind total auf diese Band fokussiert, sodass unsere Planungen nur auf Touren und Alben mit der TTB konzentriert sind. Man weiß nie, was die Zukunft bringen wird. Aber als wir diese Band gestartet haben, wussten wir, dass es nur mit hundert Prozent unserer Energie funktionieren würde - und das haben wir getan.
RockTimes: Eine Frage, die wohl alle deutschen Jam Rock-Freunde tief bewegt: Wann gibt es endlich wieder ein neues Album der Allman Brothers Band? Eine anschließende Scherzfrage: Wie wollt Ihr zu diesem Zweck Deinen Onkel Butch ins Studio bewegen - mit 'Waffengewalt'??
Derek: Sag niemals nie! Aber weil Gregg, Warren, Oteil, Jaimoe und ich so viel touren, dürfte es eine Herausforderung darstellen, hierfür Zeit zu finden, um ein Album zu realisieren...
RockTimes: Ihr habt ja Kinder. Ist es sehr schwierig, die Musik und die Bedürfnisse von kleinen Kindern miteinander zu vereinbaren?
Derek: Natürlich ist es schwierig, aber das war ein Hauptgrund, eine gemeinsame Band zu starten und ihr auch den wichtigsten Platz einzuräumen. Unsere Kinder kommen - so oft es geht - mit auf Tour. Wir sind natürlich glücklich, von unseren Familien derart großartig unterstützt zu werden, wenn wir alleine 'on the road' sind.
RockTimes: Interessieren sich Eure Kids bereits für Musik? Wie führt Ihr sie da heran?
Derek: Selbst wenn ich meinem Sohn zum Geburtstag eine Gitarre geschenkt habe, wollen wir nichts erzwingen. Es sind Kinder und ihre Interessen ändern sich von einem Tag auf den anderen. Wir werden sie immer unterstützen - völlig egal, was sie gerade tun wollen.
RockTimes: Mit welchem Eurer Vorbilder würdet Ihr gerne mal in der Zukunft ein Album machen? Gibt es vielleicht sogar schon Pläne dafür?
Derek: Wir sind total glücklich, dass wir bereits mit einigen unserer Idole wie Herbie Hancock, Johnny Winter, Dave Brubeck, Los Lobos oder Dr. John im Studio sein durften. Stevie Wonder würde allerdings ganz oben auf dieser Liste stehen.
RockTimes: Habt Ihr noch irgendeine Message für die RockTimes-Leser?
Derek: Wir können es kaum erwarten, im Frühjahr 2014 wieder mal nach Deutschland auf Tour zu kommen. Notiert Euch das in Euren Terminkalender!
RockTimes: Meine obligatorische Scherzfrage zum Schluss: Was wolltet Ihr schon immer einmal von einem Interviewer gefragt werden, wurdet es aber bislang nie??
Derek: Niemand hat mich jemals zu meinen Voraussagen zur kommenden NFL-Saison befragt, es wird aber ein ganz großes Jahr für die Jacksonville Jaguars. Erinnert euch an meine Worte! Da dieses Interview für Deutschland bestimmt ist, halt ich meine Gedanken zu Borussia Dortmund zurück...
RockTimes: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Euch für die Zukunft erneut einen Riesenerfolg für all Eure anstehenden Projekte!

Ausdrücklich danken wir Kai Manke von Networking Media sowie Sony Music Deutschland, die dieses E-Mail-Interview ermöglicht haben.
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