Strange Moon / Book
Strange Moon Spielzeit: 48:42
Medium: CD
Label: Moon Sound Records, 2011
Stil: Psyched. Folk

Review vom 24.07.2011


Norbert Neugebauer
"Book" ist offenbar das Erstlingswerk der Hamburger Band Strange Moon, die von Frank Bittner 2005 gegründet wurde. Er bezeichnet den Stil als 'Alternative Folk', was mittlerweile ja ein vielstrapazierter Begriff ist. Die Aufmachung der Anfang des Jahres erschienenen CD ist eindeutig gewollt 'retro', wenngleich die drei Herren lt. Info »mit akustischen und elektronischen Stilmitteln experimentieren«. Die zehn Songs hat Bittner komponiert, bis auf den letzten stammen die Texte aus der Zusammenarbeit mit William Schwarz. Auf aktuellen (?) Bandfotos ist noch eine Dame zu sehen, ob es sich dabei um die auf dem Album mitwirkende Manou Coldewey handelt, oder die auf dem Label-Portrait genannte Diana Tramsen entzieht sich der Kenntnis.
Der Opener erinnert schon mal an lang vergangenen 'progressiven' Psychedelic Folk made in GB. Verspieltes Arrangement, schöne Gesangsmelodien. So geht's dann auch weiter, allerdings schwappen nun auch Flower Power-Elemente von jenseits des Atlantiks herüber. Getürktes Sitargezirpe, Querflöten, helle Mädchenchorgesänge, akustische Zupfklampfen, Handtrommeln, E-Bow-Einsätze, jaulendes Wah Wah - die Spätsechziger/Frühsiebziger sind allgegenwärtig. Allmähliches wird es rockiger, "A New Love" groovt mit einem richtigen Schlagzeug, (ansonsten gibt oft das Cajon den Rhythmus vor), die Vocals kommen als feiner Chor mit Ohrwurmrefrain. Räucherstäbchen-Popmusik irgendwo zwischen Beatles, Incredible String Band oder
Mellow Candle, den frühen Byrds und It's A Beautiful Day, sehr gut gemacht.
Bei "Red Fingernails" taucht eine Jahrmarktsorgel auf, das schmusige "Room To The Tracks" ist (elektronisch) streicherunterfüttert, säuft aber nicht ab. "Kiss'em All" wird von einer Ukulele angeklimpert und klingt nach Vaudeville. Die vergnügliche Sommer-Stimmung hält auch noch "Hall Of Fame". Dagegen hat "Mara" deutlich melancholischere, bluesige Züge, allerdings ist auch dieser Song über die unwürdige Angebetete nicht ganz ernst gemeint. "But You Don't" lässt das "Book" leicht moll-ig ausklingen (und erinnert irgendwie an Take That).
Ein Album, das gekonnt tief in die Pop- und Folkhistorie eintaucht und allerhand Edelsteine heraufholt. Wer sich gern an jene Zeiten erinnert, als die Mädels mit Schlabberkleidern, hüpfenden Brüsten und schmachtendem Blick über Blumenwiesen schwebten und die Typen mit Fellwesten, Westerngitarren und Bongos am Lagerfeuer hockten, alle den großen seltsamen Mond anglotzten und wegkifften, was aus fernen marokkanischen oder afghanischen Ländern hereinkam, der hat an diesem Album sicher seinen Spaß. Schöne, einfallsreiche Musik mit einem Augenzwinkern, bei der nur der deutlich germanische Gesangsakzent etwas allzubekannt 'krautrockig' klingt.
Line-up:
Frank Bittner (lead vocals, acoustic guitar, perc.)
Tim Prigge (keyboards, drums, cajon, perc., vocals)
Arno Schegene (lead guitars, guitars, bass, e-bow, ukulele)

Guests
Manou Coldewey (flute, vocals)
Frank Gaertner (guitars)
Wolfgang Budde (guitars)
Norman Schleicher (drums)
Tracklist
01:White Smoke
02:Mary Goes Around
03:My Little Acolyte
04:A New Love
05:Red Fingernails
06:Room To The Tracks
07:Kiss'em All
08:Hall Of Fame
09:Mara
10:But You Don't Know
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