Nachruf / Zum Tod von Lou Reed
R.I.P. Take No Prisoners


Nachruf vom 29.10.2013


Markus Kerren
Take No Prisoners Zum Tod von Lou Reed
Lou ReedOkay, wer ein bisschen aufgepasst hatte, dem waren die imaginären Warnlichter vor den Augen bereits vor knapp anderthalb Jahren aufgegangen. Und dennoch traf es die RockTimes-Redaktion wie ein ganz fieser, weil unvorbereiteter Schlag unter die Gürtellinie:
Der amerikanische Musiker und Sänger Lou Reed ist am gestrigen Sonntag, den 27. Oktober 2013 im Alter von 71 Jahren verstorben.
Mit seiner ersten professionellen Band The Velvet Underground erschuf Reed zwischen 1966 und 1970 bereits vier Meilensteine (am bekanntesten wohl das Debüt
The Velvet Underground & Nico), auf denen er und seine Mitstreiter sämtlichen bis dahin konventionellen Songformen den Rücken kehrten. Falls jemand auf der Suche nach den wirklichen Ursprüngen des Punk Rock ist, dann liegt er hier richtig. Auch textlich nahm der waschechte 'New York City Man' kein Blatt vor den Mund.
Hatte Lou Reed für die bis dahin gängigen Herz(-schmerz)- und ansonsten üblichen 'Alles ist gut'- Lyrics maximal ein verächtliches Lächeln und zwei ausgestreckte Mittelfinger übrig, ging es in seinen Texten um das reale, das wahre Leben auf der Straße. Harte Drogen, Sado/Masochismus, vollkommen durchgeknallte Protagonisten und jede Menge transsexuelle Gestalten übervölkerten seine Songs, was ca. 1967 noch mindestens 98 % aller Musikinteressierten vollkommen überforderte.
Nachdem er The Velvet Underground im August 1970 (verbittert) verlassen hatte, leckte er erstmal für ca. ein Jahr seine Wunden. Im Anschluss entstanden dann aber während seiner Solokarriere (Dekaden-übergreifend) absolute Meisterwerke wie etwa "Transformer" (1972), "Berlin" (1973),
The Blue Mask (1982) oder "New York" (1989), bevor er auf seinem letzten Album eine (wieder einmal von der Öffentlichkeit sehr kritisch bewertete) Kollaboration mit Metallica einging.
Anfang der Siebziger war Lou Reed das Schreckgespenst aller Eltern und selbsternannten Rechtschaffenen. Ein scheinbar homosexueller, ziellos herumirrender Drogensüchtiger, der vor nichts und niemand Halt zu machen schien, was sich ihm in den Weg stellte (so war die Wahrnehmung von außen). Immerhin war er aber einer, der wenigstens kein aufgesetztes Image (das sowieso nur zu etwa 75 % der Wahrheit entsprach) vor sich hertrug, sondern vielmehr nach dem Motto und Songtitel einer Nummer ("Walk And Talk It") seines ersten Soloalbums lebte, nämlich »Red' nur über das, was du auch kennst...«!
Es gibt auch Stimmen, die behaupten, dass Lou Reed nicht immer der netteste Mensch unter der Sonne war. Ebenso ist es wohl ein Fakt, dass lange nicht jeder seine Musik, seine direkte, knochige, manchmal trockene und oft sehr sarkastische, aber immer ehrliche Art mochte. Genauso hatte er allerdings massenhaft Bewunderer sowie massiven Einfluss auf andere großartige Musiker, unter anderem David Bowie (um nur mal einen einzigen zu nennen).
Die RockTimes-Redaktion trauert um einen großartigen, innovativen Musiker, Lyriker und Künstler, der glücklicherweise niemals Angst davor hatte, neue Wege zu gehen und der grausamen Realität in seinem und im Leben sehr vieler Menschen furchtlos sowie offen in die Augen zu blicken und diese dann auch reflektieren zu können.
Rest in peace, Lou, they don't make 'em like you anymore! May "The Last Shot" took you to your ultimate "Walk On The Wild Side"!
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