Ian Parker / Small Talk mit einem Gentleman
Ian Parker
Ian und IlkaVor dem Konzert der Ian Parker Band im Ducsaal hatten wir die Gelegenheit, mit Ian ein Gespräch zu führen. Mr. Parker, trotz seines jungen Alters von erst 27 Jahren, bewies wieder einmal, dass der den Engländern anhaftende Ruf, allesamt Gentlemen zu sein, in seinem Fall auch zutreffend ist.
Er führte uns sofort backstage, bot uns Getränke an und meinte: "Fragt was ihr wollt"
RockTimes: Du bist seit Anfang Dezember in Deutschland auf Tour. Erzähl uns etwas von Deinen Eindrücken.
Ian Parker: Jedesmal, wenn ich in Deutschland auftrete, bin ich begeistert von dem fantastischen Publikum. Es ist sehr herzlich. Und auch der Konzertveranstalter "Tournado" macht einen sehr guten Job. Überhaupt bin ich sehr gerne auf dem Kontinent - in England ist das Gras immer grün, man könnte sagen, es ist langweilig dort. Ich habe auch das Gefühl, das die Kultur mir hier mehr zusagt, Musik wird von den Menschen besser und dankbarer aufgenommen.
RockTimes: Ist die Tour gut besucht?
Ian Parker: Eigentlich ja, wobei es jetzt im Dezember aber auch schon mal vorkommt, dass die Leute des Wetters wegen zu Hause bleiben.
RockTimes: Ulli, Ian und IlkaDu bist ein noch sehr junger Musiker und hast Dich einer musikalischen Stilrichtung verschrieben, bei der es abzusehen ist, dass damit nicht das große Geld zu verdienen ist.
Ian Parker: Absolut. Als ich anfing, hatte ich eh' nicht das Ziel, berühmt zu werden. Da war ich Teenager und wollte einfach nur Gitarre spielen. Logisch, es ist schon ein Geschäft und man will das Beste daraus machen. Wenn ich das nicht so sehen würde, wäre ich ein Träumer. Aber ich bin 27 und wenn ich Tourneen im Ausland mache, dann muss man das auch wirtschaftlich sehen.
RockTimes: Klar, eine Band wie die Stones - heutzutage gegründet - hätte nie mehr den Erfolg, den sie damals hatten und müssten heute auch in kleinen Clubs spielen.
Ian Parker:Ja, das war eine andere Zeit. Für meinen Musikgeschmack bin ich zu spät geboren (lacht). Ich liebe die Musik der 60er und 70er.
RockTimes: Inside signedWir haben das Gefühl, dass Du Dich nicht unbedingt in das Korsett des Blues schnüren lassen möchtest, sondern gern experimentierst, zum Beispiel mit Funk-, Soul-, Roots- und Jazzelementen. Ist das richtig?
Ian Parker: Jazz eigentlich weniger, obwohl das manche sagen. Vielleicht liegt es daran, dass mein vorheriger Drummer aus dem Jazz kam. Dieser Einfluss hat sich sicherlich etwas bemerkbar gemacht. Aber ich bin kein Jazzer, dafür fehlt mir zum einen das technische und auch das Feeling. Ich liebe den Blues.
Als ich studierte (Anmerkung der Redaktion: Ian graduierte in Psychologie), gab es ein paar Kommilitonen, die ganz bluesverrückt waren und riesige CD-Sammlungen in ihren Zimmern hatten. Das prägt. Mein erster musikalischer Einfluss waren aber die Beatles. Diese Pop-Melodien und dann die Harmonien......
RockTimes: Ian ParkerAuf Deinem Album Inside wirkt sogar ein Gospelchor mit. Wie ist diese Fusion zustande gekommen?
Ian Parker: Nun, das Album war ein "last minute thing". Es ging sehr schnell: innerhalb von 9 Tagen hatten wir "Inside" im Kasten. Ich wollte unbedingt ein paar Gospelsängerinnen dabei haben, aber es klappte nicht. Am vorletzten Studiotag rief mein Produzent (Anmerkung der Redaktion: David Z) an und sagte, dass er sich um zwei Stunden verspäten wird. Ich hatte also Zeit, etwas durch die Gegend zu laufen. Dabei kam ich an einer Kirche vorbei und was hörte ich: einen Gospelchor. Das Kirchenportal war leider verschlossen, aber ich hämmerte so lange dagegen, bis mir aufgemacht wurde. Nächstes Problem: der Chor bestand aus französisch sprechenden Afrikanern. Aber mit Händen und Füßen erklärte ich, dass ich gerne ein paar Sängerinnen für meine Platte "ausleihen" möchte. Natürlich waren die erst mal überrascht und dachten sicher, was ist denn das für einer, aber dann gingen sie mit die Strasse hinunter, denn das Studio war ganz in der Nähe.
RockTimes: Deine Songs sind oftmals sehr traurig oder gar schwermütig. Hat das einen bestimmten Grund? Sind das eigene Erlebnisse, die Du dem Zuhörer mitteilen möchtest?
Ian Parker: Ja absolut - immer. Passiert etwas Wichtiges in meinem Leben dann schnappe ich meine Gitarre. Erst kommt die musikalische Idee, dann folgen die Lyrics. Menschen gegenüber kann ich meine Gefühle und Empfindungen nicht so ausdrücken. Ich mache das über den Weg der Musik.
RockTimes: Gibt es musikalische Vorbilder für Dich?
Ian Parker: Eric Clapton. Jimi Hendrix, dann die Blueser Otis Rush, Buddy Guy, Buddy King. Jedenfalls was die Musik angeht. Geht es um Songwriting, dann CSN&Y, Bob Dylan, Ben Harper und Damien Rice.
RockTimes: Ian ParkerEric Clapton, Jeff Beck, John Mayall, Peter Green.... das sind Namen von Musikern, die man im Zusammenhang mit Dir liest. Als Du geboren wurdest, waren wir beide 18 und die erwähnten Musiker unsere Helden. Nun wirst Du im Zusammenhang mit ihnen genannt - wie fühlt man sich dabei?
Ian Parker:18 - (lacht herzlich). Ja, es ist unbeschreiblich. Eric und Jimi waren schon für den Teenager Ian großartige Musiker. Später war das dann Peter Green. Peter ist erstaunlich, ein hervorragender Musiker.
RockTimes: Ian, wir sagen jetzt ein paar Stichwörter und Du antwortest ganz spontan, was Dir dazu einfällt.
Ian Parker: (Ian amüsiert sich köstlich).
RockTimes: Deutsches Publikum
Ian Parker:Sehr herzlich.
RockTimes: Rory Gallagher
Ian Parker:(ein langes hmmmmm) - .., Irisch, Blues Rock.
(Anmerkung: die Punkte stehen für ein Wort, welches auch nach 100maligem Anhören nicht identifizierbar für uns ist.)
RockTimes: Star Search TV Shows
Ian Parker:Ooh, da will ich nicht mal drüber reden.
RockTimes: Blues
Ian Parker: Bedeutet alles für mich.
RockTimes: Deutsches Bier
Ian Parker: Gefährlich.
RockTimes: Lampenfieber
Ian Parker: Eigentlich kein Problem.
RockTimes: Ian, wir danken ganz herzlich und wünschen Dir und uns eine tolle Show.
Auch Ian bedankt sich mehrmals für das Interview und ja, es war ein tolles Konzert und wie wir nach dem Konzert sahen, wagte sich Ian auch an das "gefährliche", deutsche Bier.
Ian Parker Band - Freudenburg - Ducsaal, 11.12.2004
Ulli Heiser und Ilka Czernohorsky, 12.12.2004