Magnum / Evolution
Evolution Spielzeit: 69:52
Medium: CD
Label: SPV Steamhammer, 2011
Stil: Rock

Review vom 24.11.2011


Jochen v. Arnim
Auch schon wieder eine Band, deren Geschichte die etwas älteren unter uns quasi seit nahezu 40 Jahren haben mitverfolgen können. Kaum zu fassen, dass es dabei immer wieder welche gibt, die sich und uns auf eine recht geerdet anmutende Art und Weise durch die Dekaden erhalten geblieben sind. So auch das Quintett aus England, das sich zwar Mitte der neunziger Jahre mal aufgelöst hatte, dann aber unter Federführung der beiden Gründungsmitglieder Tony Clarkin und Bob Catley ab dem Beginn des neuen Jahrtausends wieder zu Tage trat und durch neue Releases von sich reden machte. Manche Alben kamen gut an, andere wiederum entlockten selbst den eingefleischten Fans kaum mehr als ein lapidares Schulterzucken. Nach dem sagenhaften "Storyteller"-Album Mitte der Achtziger konnte für meinen Geschmack nur wenig an diese Qualität anknüpfen. Egal, die Jungs sind nun schon gut zehn Jahre wieder da und das aktuelle Line-up geht auf diese eben erwähnte Hochphase zurück. Zu Beginn des Jahres gab es die neue Visitation und man präsentierte die Scheibe während einer ausgedehnten Tour.
Jetzt kommen die melodischen Hardrocker aus Birmingham zum zweiten Mal in diesem Jahr mit einer Veröffentlichung vor den Tag, und zwar mit der vorliegenden Best Of-Scheibe. Halt, stimmt ja nicht so wirklich. Der erste Eindruck eines flüchtigen Blickes auf die Tracklist mag einen zu dieser Annahme hinreißen lassen, jedoch steckt weitaus mehr dahinter. Alle Songs wurden entweder komplett neu abgemischt oder in Teilen sogar neu eingespielt. Dazu kommen zwei Songs aus der "Visitation" vom Frühjahr sowie zwei brandneue Tracks - passend zum zehnjährigen Jubiläum der Wiedervereinigung von Magnum. Und, die Jungs haben es sich verkniffen, die wirklichen Kracher aus der richtig erfolgreichen Zeit (s. o.) neu aufzukochen. Stattdessen ging man an die vergangenen zehn Jahre und fünf Scheiben und hat mit gut eingesetzter Technik am Sound gebastelt. Kein ungeschickter Schachzug, war doch die Kritik an den oftmals zu glattgelutschten Produktionen der jüngeren Vergangenheit deutlich zu hören.
Und wir steigen direkt mit dem passenden Titel "That Holy Touch" in die Scheibe ein. Wer sich die "Breath Of Life" von 2002 anhört, dem wird durchaus auffallen, dass man nicht zum Nachteil u. a. am Gitarrensound geschraubt hat - das klingt schon durch die Bank weg besser als damals. Ein bisschen härter vielleicht, rauer und eben rockiger. Weiter geht es mit ähnlichen Merkmalen über "Just Like January" und einem wirklich starken "Brand New Morning" zum "Immigrant Son", beide von der "Brand New Morning", die wahrlich nicht zu den ganz starken Scheiben der Band gehört. "When We Were Younger" kommt als starker, hymnenartiger Track daher und ist für mich einer der eindeutigsten Anspieltipps der CD. Ebenso klasse wird uns "Out Of The Shadows" von der Princess Alice And The Broken Arrow präsentiert, das fast bombastisch klingt. Kaum zu glauben, dass man sich im Jahre 2007 noch an solche Stücke gesetzt hat - melodisch, hart, gut. Und immer wieder fein überarbeitete Gitarrenspuren; ein Schelm ist, wer Böses darüber denktů
"All My Bridges" und "Blood On Your Barbed Wire Thorns" stammen beide von der oben angesprochenes Achselzucken hervorrufenden Into The Valley Of The Moonking und auch hier hat das Rumdoktern kleine Wunder gewirkt. Die Songs kommen druckvoller rüber, passender für das, was man an Magnum eigentlich immer mochte. Der zweitgenannte Track wird nie mein Liebling, aber das darf jeder andere Hörer gern anders empfinden.
"The Visitation" und "Wild Angels" schließlich stammen original vom letzten Release aus dem Frühjahr dieses Jahres. Hier kann ich ein gewisses Fragezeichen nicht verhehlen, denn außer aus Gründen der Vollständigkeit in puncto 'letzte zehn Jahre' erschließt es sich mir nicht, warum man darauf zurückgegriffen hat - die stärksten Nummern sind zudem auf der "Visitation" geblieben. Der krönende Abschluss wird mit zwei gänzlich neuen Tracks gebildet, die uns möglicherweise andeuten sollen, wohin die Reise des Magnum-Express' noch gehen soll. Hier haben wir es mit klassischem Hardrock zu tun, der auch durchaus einige Zugeständnisse an modernere Zeiten enthält. "The Fall" kommt als durchaus kraftvolle Ballade rüber, nicht schlecht übrigens für einen Sänger, der schon einige Monde gesehen hat. Etwas weichgespülter mag sich uns "Do You Know Who You are?" zu Beginn präsentieren, nimmt dann aber die notwendige Fahrt auf, um schnell auf Spur zu kommen. Neben Catleys Stimme dominiert Clarkins Gitarre das weitere Geschehen und lässt uns in Annahme zurück, dass es mit Magnum noch lange nicht aus ist.
Line-up:
Bob Catley (vocals)
Tony Clarkin (guitar)
Al Barrow (bass)
Mark Stanway (keyboards)
Harry James (drums)
Tracklist
01:That Holy Touch
02:Just Like January
03:Brand New Morning
04:Immigrant Son
05:When We Were Younger
06:Out Of The Shadows
07:All My Bridges
08:Blood On Your Barbed Wire Thorns
09:The Visitation
10:Wild Angels
11:The Fall
12:Do You Know Who You Are?
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