Joey Molland / Return To Memphis
Return To Memphis Spielzeit: 43:06
Medium: CD
Label: Gonzo Multimedia, 2013
Stil: Pop

Review vom 24.01.2014


Wolfgang Giese
Ein 'schlimmer Finger', dieser Joey Molland. Warum? Ach, dazu später mehrů Ich kenne den Gitarristen noch als Mitglied einer Band namens Gary Walker & The Rain. Walker? Genau, jener Schlagzeuger, der eigentlich Gary Leeds heißt und einst bei den Walker Brothers aktiv war. Und bald wurde Molland dann ein 'schlimmer Finger', denn es dauerte nicht mehr lange, dann trat er der Band Badfinger bei.
Heute ist der am 21. Juni 1947 in Liverpool geborene Musiker im Gegensatz zu seinen damaligen Bandkollegen Tom Evans und Peter Ham, die sich beide das Leben nahmen, noch ganz lebendig und tourt sogar noch unter dem Bandnamen. Doch nun legt er unter eigenem Namen eine neue Platte vor.
Aufgenommen in den berühmten Royal Studios in Memphis/Tennessee, so berichtet Joey Molland im Booklet auch ganz stolz, entstand diese Musik in einer ganz besonderen Atmosphäre, in der viele Künstler des Labels Hi Records aufnahmen - als da zum Beispiel waren Ann Peebles oder Al Green. In der Tat scheint sich auch viel von jenem lasziven Groove widerzuspiegeln, der sich in viel Musik, die in jenen Studios eingespielt wurde, eingeschlichen hatte. Ganz locker und entspannt werden zehn Titel geboten, die nicht den Anspruch auf Höchstleistung stellen. Der Groove und die Ausstrahlung - das steht im Vordergrund. Mit vier Musikern und vier Background-Damen - und damit auf das Wesentliche reduziert - ist ein grundsätzlich gutes Pop-Rockalbum entstanden, das für mich jedoch einen Schwachpunkt besitzt.
Und dieser ist der Gesang von Joey Molland. Seine Stimme wirkt leicht brüchig, kann bei den ruhigeren Titeln die Melodie nicht immer gut halten und dann, wenn versucht wird, kraftvoller zu wirken, scheint er sich mitunter fast schon zu verschlucken. Das ist schade, denn abhängig vom jeweiligen Song kann das auch mal passen. Nicht so zum Beispiel bei "Got A Feeling". Manchmal scheint es Molland wie Peter Green zu gehen, der ja leider auch einige Schwierigkeiten hat, flüssig zu singen. Gerade die vorwiegend langsamen Songs, die eigentlich sehr angenehm und harmonisch im Ausdruck sind, stellen für die unsicher wirkende Gesangsarbeit ein gewisses Manko dar. Dabei ist das Raue in der Stimme durchaus ansprechend, wenn es dann noch etwas geschmeidiger wäre, würde das besser passen. Aber offensichtlich haben die Jahre Spuren hinterlassen.
"All I Need Is Love" ist ein wenig up-tempo und es groovt schleppend - hier passt der vom Backgroundchor unterstützte Gesang besser ins Bild, darum ist dieser Song auch mein Lieblingsstück. Die Band ist solide und ohne Tadel. Auch der oft als Gitarrist unterschätzte Molland kann zeigen, dass er sich professionell einbringen kann, auch wenn er dann einmal auf "All I Ever Dreamed" die Slide einsetzt - einem Titel, der mich ein wenig an die Musik von Frankie Miller erinnert. Mit dem gefühlvoll inszenierten "Still I Love You" werden wir schließlich aus einer guten Pop-Platte entlassen.
Line-up:
Joey Molland (guitars, vocals)
Lester Snell (keyboards, charts)
Steve Potts (drums)
Dave Smith (bass)
Duanielle Hill (background vocals)
Tameka Goodman (background vocals)
Stephanie Bolton (background vocals)
Susan Marshall (background vocals)
Tracklist
01:Walk Out In The Rain
02:A Love Song
03:Ship To Mars
04:Frank And Me
05:Got A Feeling
06:Hero
07:Is It Any Wonder
08:All I Need Is Love
09:All I Ever Dreamed
10:Still I Love You
(all songs written by Joey Molland)
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