Musik allgemein ist ein wichtiger Ausgleich für Körper, Geist und Seele ...
Im Gespräch Im Werdegang des deutschen Harp-Spieler Florian Meyer hat sich so einiges getan. Da war es an der Zeit, sich in einem E-Mail-Interview über die aktuellen Neuigkeiten zu informieren und darüber hinaus noch andere Dinge über den Blueser zu erfahren.


Interview vom 02.07.2011


Joachim 'Joe' Brookes
RockTimes: Hallo, Florian. Vielen Dank dafür, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Seitdem deiner Promo-CD besprochen wurde, ist ja schon einige Zeit vergangen und nicht nur zu der tollen Musik gibt es einige Fragen. War die Harmonika dein erstes Instrument? Warum hast du dir gerade die Harp ausgesucht?
Florian: Ja, die Harmonika war mein erstes und bis heute einziges Instrument. Mich hat das Instrument damals in einem Song, den ich im Radio hörte so fasziniert, dass ich alles darüber erfahren und natürlich auch spielen können wollte.
So begann ich mich dann immer mehr und mehr dem Blues und seinen Facetten zu widmen und verfiel ihm dann bis heute gnadenlos, grins …
RockTimes: Beherrschst du auch andere Instrumente?
Florian: Das zweite 'Instrument', das ich beherrsche, wenn man es indirekt als Instrument titulieren darf, ist meine Stimme im Bereich Frontgesang und Backing Vocals.
RockTimes: Neben der Gitarre gehört die Harp ja zu den klassischen Blues-Instrumenten? Wer sind deine Vorbilder und warum?
Florian: Vorbilder gibt's reichlich aus dem Blues-Segment. Ich glaube die klassischen Vorbilder natürlich auch von mir, sind Namen wie
John Mayall, Jerry Portnoy, Junior Wells, Willie Dixon,
Paul Butterfield, Paul Lamb und Co.
Aber aus der so genannten 'Neuzeit' haben mich auch vor allem Musiker wie Carlos del Junco sehr beeindruckt und mittlerweile auch Freunde wie Memo Gonzalez geprägt und inspiriert mit seiner Art und Weise, die Harmonica zu spielen. Allein schon durch die bei uns in Deutschland nicht so bekannte Spielweise und die Grooves in deren Blues, beflügelt mich so was immer wieder aufs Neue mich auch weiterzuentwickeln. Wer auch richtig gute Blues-Musik macht, wie ich finde, sind zum Beispiel Bruce Willis und Steven Seagal.
RockTimes: Welche Alben/Singles haben sich denn in deiner Jugend auf dem Plattenteller getummelt?
Florian: Ui, da gab es so manches und wild durcheinander, wie zum Beispiel:
  • Elvis Presley-, Bill Haley-, Chuck Berry-, Little Richard- und Fats Domino-Alben

  • Bruce Springsteen, Van Halen, AC/DC – "Hells Bells", "Jailbreak" etc…

  • extrem viel Soul und Motown von Aretha Franklin, zu Stevie Wonder, Sam and Dave …
  • weiter zu Frank Sinatra, Dean Martin, Sammy Davis Junior, Tom Jones bis hin zu Gospel (verrückt gell).

  • und natürlich dann später alles rund um den Blues und Boogie, alle Alben von Clapton, John Mayall, B.B. King, Canned Heat, Tito & Tarantula und ganz vielen anderen Künstlern …
Da jetzt spezielle Alben oder Singles zu nennen vermag ich nicht mehr, ich höre so vieles aus noch vielen anderen Bereichen der Musik, das kann ich mir nid alles merken.
RockTimes: Bist du festes Mitglied in einer Band oder gar in mehreren?
Florian: Ja, ich bin seit Anfang 2010 wieder in zwei festen Formationen zugange. Ich habe Anfang 2010 zum einen meine Band BADGE Live! (vier Mann) und gleichzeitig das unplugged Duo Two And A Harp Men gegründet. Es war mal wieder Zeit für was Eigenes … Zudem bin aber nach wie vor trotzdem als 'buchbarer Musiker für Studio- und Liveprojekte für Bands und Solo-Musiker als Sideman' unterwegs.
RockTimes: Dein Künstlername ist Big 'Blind Dog' Mayer. Wie entstand dieser Spitzname und warum heißt es Mayer und nicht Meyer?
Florian: Big 'Blind Dog' Mayer war seit 2001 als Florian 'Bluesman' Meyer in der Blues-Rock-Szene bestens bekannt.
Im Jahre 2009 erlag ich einer folgenschweren Virusinfektion im Augenbereich, was mich letztendlich innerhalb von drei Wochen halbseitig erblinden ließ. Nach einer schwierigen Augen-OP gelang es den Spezialisten, mir mein Augenlicht wieder halbwegs herzustellen.
Trotz längerer Rehabilitationszeit kämpfe ich auch heute noch mit den Folgen der Erkrankung und habe sprichwörtlich täglich den 'Blues'. Für das Jahr 2011 entschloss ich mich schließlich mir einen der internationalen Blues-Szene angepassten 'Gimmick' zuzulegen.
Somit erfand ich mich quasi neu und arbeite ab 2011 in der Blues Rock-Szene als Big 'Blind Dog' Mayer. Nicht zuletzt hat der neue Künstlername seinen tieferen Ursprung in der noch jüngeren Krankheitsgeschichte und der Tatsache, dass 'Blind Dog' seiner Statur und Stimme nach, den neuen 'Gimmick' nunmehr erst richtig leben und verkörpern kann.
Meine jahrelangen Markenzeichen, die schwarze Schiebermütze, meine Harmonica-Kette und die oft zu sehende lederne Weste, werden nun noch zukünftig wegen meiner Blendempfindlichkeit der Augen durch eine dunkle Sonnenbrille abgerundet.
RockTimes: Letztens habe ich eine Blues-Session besucht. Es war beeindruckend. Im Rahmen der Schmidd-Blues-Session bist du ja aktiv. Wo findet sie Session statt? Ist es so etwas wie eine Veranstaltungsreihe?
Florian: Nun, der Blues mit seinen ganzen Facetten, hat bei uns in der saarländischen Gegend sowie den angrenzenden Ländern einen sehr großen Stellenwert. Jedoch findet man kaum richtig gute Locations bei uns, in denen diese Blues-Kultur als Treffpunkt und Kultur-Plattform auch einen qualitativ guten Platz hat. Daher bin ich auch superfroh, dass es mit dem Wirt von 'de Schmidd', Poststraße 27 in 66386 St. Ingbert (Saarland) geklappt hat und sich die 'Schmidd-Blues-Session' auf einem qualitativ hohen spielerischen Level nun seit fast zwei Jahren immer wachsender Beliebtheit und Zulauf seitens der Musiker und des Publikums erfreut. Trotzdem ist und bleibt auch immer ausreichend Platz für weniger geübte Musiker. Denn so, wie es sich für eine Session gehört, kommen vom Roockie bis zum Profi alle in einem geordneten Rahmen zum Zuge und begeistern so die Zuhörer, ungeprobt versteht sich.
Da es alle zwei Monate immer montags diese Blues-Session gibt, kann man schon von einer Veranstaltungsreihe sprechen, ja.
RockTimes: Wer organisiert die Session?
Florian: Roland Jene, der Wirt stellt die Location und ich organisiere die Veranstaltung.
RockTimes: Gibt es bei jeder Session eine Art Stammband und werden dazu Gäste eingeladen?
Florian: Ja, die Stammband setzt sich aus der Blues-Elite des Saar-Pfälzischen-Raumes zusammen. Sie bildet die Basis und kann so auch weniger versierten Musikern das Mitspielen erleichtern.
Generell sind es immer so zwischen 20 und 30 Musiker aus den unterschiedlichsten Bandformationen, mit denen an den Blues-Sessions zu rechnen ist. Es tauchen auch immer wieder neue Gesichter auf, was mich speziell verblüfft und zugleich erfreut, weil wir mittlerweile sogar bis nach Mannheim und Darmstadt zum Beispiel mit der Session bekannt geworden sind in der Kürze der Zeit. Seit Anfang 2010, da hatten wir montags auch schon Musiker aus den Regionen bei uns.
Ja, hin und wieder lade ich auch mal ein paar 'Special Guests' ein, um der Blues-Session einen noch höheren Stellenwert zu geben. So bekam ich einen national bekannten Musikerkollegen aus Funk und Fernsehen (RTL DSDS Top 15 2009) zu einer Motto-Blues-Session 'Pop meets Blues', die ich kurzerhand ins Leben rief als Special Guest. Mit 'Tobias Rößler' zusammen machten wir ein paar Blues-lastige Chart-Songs und haben einmal mehr bewiesen, dass auch Stil-übergreifende Musikrichtungen zu einem genialen Abend verschmelzen können. Auch Bernard 'Smitty' Smith, ein bekannter internationaler afroamerikanischer Sänger aus Florida, durfte ich schon zu meinen Gästen zählen.
RockTimes: Über die Jahre hast du mit so einigen Blues-Leuten zusammen gespielt. Es gab Anfang 2011 auch einen 'unplugged evening' mit Aynsley Lister. Wie kam es dann dazu? Mit welchen Bluesern hast du außerdem noch gespielt?
Florian: Ich kannte Aynsley flüchtig von vor gut acht Jahren her noch. Da war ich in Karlsruhe bei einem seiner Konzerte, in einer Zeit, in der er bei uns noch nicht so bekannt war in der Blues-Szene. Wir unterhielten uns damals, tauschten Kontaktdaten aus und verloren uns dann aber wieder aus den Augen über die Jahre. Als ich hörte, dass Aynsley wieder mal in meiner Ecke ist, nahm ich mir die Zeit hinzugehen und ihn mal wieder zu sehn. Er erinnerte sich wieder an mich, explizit aufgrund meiner schwarzen Mütze, die ich damals schon trug, total witzig, aber iss echt so und nach seinem ersten Set lud Aynsley mich ein, ihn den Rest den abends musikalisch zu begleiten. Er iss ein richtig cooler Typ und wir hatten 'nen riesen Spaß zusammen beim Spielen, was sich letztlich auch auf das Publikum übertrug.
Ohjee, die Liste der Blueser, mit denen ich über die Jahre zu tun hatte, ist mittlerweile lang. Die national und international bekanntesten Namen sind zum Beispiel: Louisiana Red, Aynsley Lister, Pete Lancaster, John Kirkbride, Rico Southee, Albert Koch, Heiko Shrader, Terry L. Barron, Harry Seibüchler, Henrik Freischlader, 'The Boogie Baron' Alexander v. Wangenheim, Thomas Blug, Dr. Slide, Blueshimmel, Bernard 'Smitty' Smith uvm.
RockTimes: Gibt es einen Musiker, eine Musikerin oder Band, die ganz oben auf einer Liste steht, mit der du gerne spielen würdest?
Florian: Klar, welcher Musiker hat die nid . Nee, Spass bei Seite, riesen Spass würde es mir mal machen, mit einem der alten Herren des Blues wie John Mayall und Eric Clapton zu spielen, aber auch Namen wie Henrik Freischlader wieder, Big Daddy Wilson oder Memo Gonzalez zum Beispiel.
RockTimes: Logischerweise wird in einem Interview immer die Frage nach den zukünftigen Plänen gestellt...
Florian: Ja, zurzeit bin ich grade dabei neben meinen bestehenden Bands, eine neue musikalische Projektarbeit zu beginnen. Das Projekt nennt sich: Big 'Blind Dog' Mayer & the Soulmen – Finest of Blues, Soul, Funk & Rock.
Das Akustiktrio the Soulmen setzt sich aus drei bekannten Musikern zusammen, die auch in der Band Empire spielen: der saarländische Gitarrist Henry Second, der amerikanischen Ausnahmesänger Terry L. Barron, dessen ausdrucksvolle und variantenreiche Stimme sofort fasziniert und Joe Reitz. Mit zwei Gitarren und drei Stimmen interpretieren sie auf eine unnachahmliche künstlerische Weise eine Musik, die tief im amerikanischen Lebensgefühl verwurzelt ist. Sie ist der gemeinsame Nenner der Band - die Soul- und Funk-Musik. Dies, gepaart mit den Einflüssen von Blues und Rock sucht seinesgleichen.
Mit diesem Projekt soll auch die eine oder andere Zusammenarbeit mit nationalen und international angesagten Top-Blues-Acts erfolgen in evtl. gemeinsamen Auftritten. Wir werden sehn, was die Zukunft so bringen wird dahingehend …
RockTimes: Welche fünf Alben würdest du mit auf eine Insel nehmen?
Florian:
1. Clapton & J.J. Cale – The Road To Escondido
2. Van Morrison – "Still On Top"
3. Canned Heat – "Boogie With Canned Heat"
4. Beatles – "Let it be"
5. Motown – "The Ultimate Hits Collection"
RockTimes: Hat der Privatmann Florian Meyer auch Hobbys, die vielleicht nicht mit der Musik zusammenhängen?
Florian: Ja, auch so was gibt es. Ich mache Sport im Fitness-Bereich als Ausgleich, mache viele grafische Dinge am PC, werkele gern am Haus und genieße in guter Gesellschaft von Freunden und Familie gemeinsame Zeiten.
RockTimes: Gib es noch etwas, was du deinen Fans mit auf den Weg geben möchtest?
Florian: Ja klar … wenn ihr mal die Muße oder Gabe bei euch oder euren Kindern entdeckt, dass sie sich für ein Musikinstrument begeistern oder gern singen, fördert dies so gut wie möglich. Musik allgemein ist ein wichtiger Ausgleich für Körper, Geist und Seele, vor allem in den immer stressiger werdenden Zeiten, in denen wir uns alle bewegen, ist die Musik ein auch immer wachsender emotionaler Träger und nach wie vor wichtig für unser Stimmungsbild.
Und bleibt mir weiterhin so treu und gewogen wie bisher, wofür ich euch sehr dankbar bin, denn ein Musiker oder Künstler ist nichts ohne sein treues Publikum bzw. seine Fangemeinde.
RockTimes: Alles Gute für die Zukunft und vielen Dank für das Interview, Florian.
Florian: Aber gern, aber ich habe zu danken und wünsche Dir Joachim, RockTimes und allen Lesern auch eine gute Zeit und 'keep on bluesin' .
Euer Big 'Blind Dog' Mayer German Crossroad Harmonica Blues
Externe Links: