Markus Ullrich: Ich halte wohl am Ehesten die Fäden der Band in der Hand ...
Im Gespräch Mit ihren Alben "The Art Effect" und "Zero Poems" gab es zuletzt zwei sehr verschiedenartige CDs von Lanfear zu hören. Michelle besprach dieses und viel andere Themen mit Markus Ullrich, dem Gitarristen der Band.

Artikel vom 13.09.2008


Michelle Karayilan
RockTimes: Hallo Markus, ich freue mich, nachdem ich Eure neue CD rezensieren durfte, Dir ein paar Fragen stellen zu können. Deshalb ein herzliches Dankeschön, dass Du dir die Zeit nimmst, um diese zu beantworten.
Markus: Kein Problem, ich freue mich über Dein Interesse über jedes Interview :
RockTimes: Gehe ich richtig in der Annahme, dass Du der Kopf der Band bist?
Markus: Wenn es darum geht, dass ich wohl am ehesten die Fäden in der Hand halte und somit natürlich Einiges an Arbeit anfällt, dann wahrscheinlich ja. Trotzdem sind wir eine absolut demokratische Band und treffen alle Entscheidungen gemeinsam, auch wenn mich der restliche Haufen immer wieder (hoffentlich) scherzhaft als Diktator bezeichnetů Es scheint halt einfach meine Bestimmung zu sein, anderen Leuten in den Arsch zu treten, damit was geht :
RockTimes: Euer Debütalbum "Towers" kenne ich ja zugegebenermaßen leider nicht. Wie war die Musik auf diesem Werk? Könnte man die dort dargebotene musikalische Richtung mit "Zero Poems" vergleichen?
Markus: Weniger komplex und eher im normalen Power Metal-Bereich angesiedelt, trotzdem aber auch nicht an die Alben nach "Z.P." erinnernd. Da das Debüt eine reine Eigenproduktion war, zu einer Zeit, als das nun wirklich noch nicht jede Band gemacht hat, klang das Album auch wohl am ehesten noch etwas amateurhaft und ich kann mir die CD heute nicht durchweg anhören, ohne mir laufend an den Kopf zu fassen. Trotzdem bin ich stolz auf "Towers", denn es war zu diesem Zeitpunkt das Beste was wir machen konnten und zeigt auf, dass wir uns immer entwickelt haben.
RockTimes: Die Musik auf "Zero Poems" ist ja echt Klasse und hat ja auch hervorragende Kritiken bekommen. Da die Tasten eine sehr große Rolle auf diesem Werk haben, gehe ich mal davon aus, dass euer damaliger Sänger und Keyboardplayer Stefan Zoerner sehr stark am Songwriting beteiligt war, habe ich recht?
Markus: Ja, da liegst Du absolut richtig. Nichtsdestotrotz waren die Songs auch damals schon etwas härter angelegt, da die Produktion aber eher poppig oder vielleicht prog-rockig war, ging die Härte etwas verloren. Genau aus diesem Grund dachten viele, wir hätten mit dem Album danach einen krassen Stilbruch begangen, obwohl die Grundideen aber gar nicht mal so verschieden waren.
RockTimes: Mit dem Weggang von Stefan hat sich auch der Sound verändert, die Gitarren stehen auf "The Art Effect" im Vordergrund und mit Tobias Althammer hattet ihr einen neuen Mann am Micro. Man könnte meinen, dass du mit dem Vorgänger-Album weniger glücklich bist, da die Musik deutlich in Richtung Power Metal geht und weniger Progressive ist, oder sehe ich das falsch?
Markus: Zum Zeitpunkt von "The Art Effect" wollten wir einfach auch zeigen, dass wir uns als Metalband sehen, nicht als Prog Rocker. Ich bin nach wie vor stolz auf "Z.P.", trotzdem zeigt es meiner Ansicht nach aber eine andere Band. Dadurch, dass unser damaliger Produzent Andy Horn (der ja auch ein Teil der Vocals des neuen Albums engineerte) extrem involviert war und die Aufnahmen sich fast zwei Jahre hinzogen, veränderte sich das Material einfach immer mehr. "The Art Effect" war vielleicht die direkte Gegenreaktion. Einfach ins Studio und die fertigen Songs reinknallen. Die Stücke an sich waren vordergründig natürlich wesentlich eingängiger, das Songwriting lief aber gar nicht mal so viel anders ab.
RockTimes: Ich war mit dem Stilwechsel in den Power Metal auf "The Art Effect" anfangs eher unglücklich. Wie haben Fans und Kritiker darauf reagiert? Gab es außer mir noch mehr, die enttäuscht reagierten?
Markus: Natürlich. Gewisse Die-Hard-Fans wandten sich ab, im Gegensatz dazu bekamen wir aber enormen Zuspruch von Leuten, die "Z.P." nicht gut fanden, oder uns, was meistens der Fall war, vorher gar nicht kannten. Man muss dazu sagen, dass ab "The Art Effect" natürlich eine wesentlich größere Promoschiene gefahren wurde und ein ordentlicher Vertrieb vorhanden war. Im Endeffekt kannst Du es nie allen recht machen und deshalb versuchen wir das auch nicht, haben es nie versucht. Wir machen unsere Musik so wie wir sie gerne hätten und niemand sonst hat darauf einen Einfluss.
RockTimes: Tobias Althammer hatte auch das im Jahr 2005 erschienene Album "Another Golden Rage" eingesungen, richtig? Danach verließ Tobias die Band, darf man fragen weshalb?
Markus: Es passte einfach nicht mehr so richtig und hat ausschließlich private Gründe. Wir hatten uns super verstanden, waren auch sehr glücklich über seine Leistungen, aber irgendwie merkten wir, dass etwas im Argen lag. Es ist immer schwierig das nach Außen hin zu klar zu verdeutlichen, aber wir fühlten, dass wir uns von ihm trennen mussten, um als Band am Leben zu bleiben. Manche Entscheidungen tun weh, aber man muss sie treffen!
RockTimes: Ich kenne "Another Golden Rage" nicht, erlaube mir daher die Frage, habe ich da etwas verpasst?
Markus: Natürlich! Wenn Du allerdings "TAE" nicht so magst, wird Dir das Album evtl. nicht gefallen, es lotet im Prinzip alle Extreme aus, die es auf eben diesem Album gab, sowohl die Härtegrade als auch die soften Stellen. Ich bin nach wie vor sehr zufrieden mit dem Album und auch, wenn einige unprogressive Prog Metal-Fans uns diese Entwicklung vielleicht übel genommen hatten (man beachte, ein Prog-Metaller der keine Entwicklung mag!☺) und zu diesem Zeitpunkt immer noch auf ein "Z.P." Part II warteten, war und ist uns das völlig schnuppe :
RockTimes: Da fällt mir gerade auf, dass eure Alben (bis auf eines) im Drei-Jahresrhythmus erschienen sind. Ist das Zufall?
Markus: Ja und ich hätte nichts dagegen, die Alben in schnellerem Rhythmus zu veröffentlichen, leider gibt's immer wieder Dinge, die uns einen Strich durch die Rechnung machen. Vielleicht beim nächsten Mal.
RockTimes: Seit kurzem ist euer neuestes Baby "X To The Power Of Ten" auf dem Markt. Weshalb habt ihr euch gerade für diesen Titel entschieden?
Markus: Naja, das heißt ja eigentlich nix anderes als "X hoch 10" und steht in diesem Fall für die immer steigende Gier der Menschheit. Der Titel passte einfach zum Textgut, außerdem gab's den glaub ich bisher auch noch nicht.
RockTimes: "X To The Power Of Ten" ist kein reiner Power Metal, sondern hat auch sehr viele Elemente des Prog Metals, was mich besonders freut. Kann man zukünftig auf mehr Musik dieser Art hoffen und liegt es am Mitwirken von Nuno, dass die Musik wieder progressiver wurde?
Markus: Die beiden Vorgängeralben waren auch kein reiner Power Metal und hatten sicherlich auch Elemente des Prog Metals, nur eben nicht so offensichtlich. Ich finde es oft merkwürdig, dass viele Leute eine Erwartungshaltung haben und genau die erfüllt bekommen möchten. Ich persönlich bin ein absoluter Musik-Junkie, aber ich erwarte von meinen Faves eine stetige Entwicklung und es ist mir fast egal in welche Richtung diese Entwicklung geht, wenn die Qualität stimmt. Und das tat sie bei uns ja, was die ganzen positiven Reviews bezeugen. Ich lasse mich gerne auf ein Album ein, anstatt zu resignieren, wenn meine Erwartungen nicht auf Anhieb erfüllt werden. Seit ich das für mich gelernt habe, habe ich noch viel größeren Spaß am Musikhören und mein Weltbild erweitert sich täglich.
Einen rein musikalischen Einfluss hatte Nuno weniger, aber wir wollten fürs neue Album einfach variantenreichere und aufwändigere Gesangsmelodien und er ist dafür der perfekte Mann und hat unserer aller Ansicht nach einen absolut perfekten Job abgeliefert. Während aber die damaligen "Z.P."-Fans jetzt plötzlich wieder Interesse an uns haben, gibt es sicherlich auch Einige die uns gerne weiterhin so hätten wie auf den letzten Alben. Hey, Musik ist die schönste und mit die kreativste Sache der Welt, warum muss man alles immer so eng sehen und in ein Schema pressen und warum denkt immer jeder, sein Geschmack wäre Gesetz?
Eine bewusste Entscheidung irgendwie zu klingen gab es bei uns nie und die wird es auch nie geben. Was kommt, kommt eben einfach. Ein Hiphop oder R&B-Album kannst Du aber ausschließen, da mach ich nicht mit ☺
RockTimes: Ich kenne Nuno schon als damaligen Sänger von der Band Anguish, deren Debütalbum ebenfalls von Andy Horn produziert wurde. Seid ihr möglicherweise durch Andy auf Nuno aufmerksam gemacht worden?
Markus: Jein. Ich stehe mit Andy nach wie vor in regelmäßigem Kontakt und er meinte tatsächlich auch, dass Nuno für uns der perfekte Mann wäre, wir kannten den Nuno aber auch so, zumal er mit unserem Keyboarder Richie ja auch bei IVORIE aktiv war.
RockTimes: Ich bewundere Menschen, die aus dem Nichts so tolle Musik entstehen lassen. Erzähle doch den Lesern mal bitte, wie das so vor sich geht, angefangen von der Idee bis zum fertigen Produkt.
Markus: Das ist wirklich schwer zu erklären. In meinem Kopf findet rund um die Uhr Musik statt, irgendeine Melodie oder irgendein Riff schwirrt da immer rum. In dem Moment, wenn für mich eine plötzliche Idee interessant zu sein scheint, nehme ich die auf - das kann auch ein ganz simples Gebrabbel auf dem Handy sein. Sobald ich Zeit und Muse habe, arbeite ich daran. Teilweise kann ich das bewusst steuern, teilweise kann das zu den unmöglichsten Zeiten sein. Wenn ich dann eine Hochphase habe und konkret an einem Song arbeite, dann gehe ich diesen immer wieder durch, egal ob ich esse, abends weg bin oder auf dem Klo sitze und irgendwann ergibt das dann ein Ganzes. Erst wenn ich mit Allem zufrieden bin, gebe ich die Gitarren mit vielleicht einigen Vorschlägen und einem passenden Clicktrack an unseren Drummer und dann geht's Stück für Stück weiter und jeder arbeitet an seinen Parts, bis dann im Proberaum die letzten Feinschliffe erfolgen, die dann wirklich oft noch ein gewisses Etwas hinzufügen. So läuft's bei meinen Songideen, beim Richie kann's z.B. wieder komplett anders aussehen.
RockTimes: Wie sehen nun eure Pläne für die Zukunft aus? Plant ihr eventuell eine Tour, in der man vielleicht Mannheim, oder Saarbrücken berücksichtigt? Diese beiden Orte wären für mich ideal ☺
Markus: Wir planen tatsächlich eine Tour fürs Frühjahr 2009. Da wir jedoch die Schnauze voll davon haben, einen tierischen Buy On für eine Supporttour zusammenzukratzen, die dann eh nichts bringt, versuchen wir andere Wege zu gehen. Momentan ist geplant, dass wir uns mit einer befreundeten Band zusammentun und das Ganze so fanfreundlich wie möglich durchziehen. Günstige Eintrittspreise, keine Abzocke, fanfreundliches Merchandise, Fannähe. Ich hoffe, dass es klappt und dass das Publikum das dann auch zu würdigen weiß.
RockTimes: Wie funktioniert das überhaupt mit den Gigs, bekommt ihr Anfragen, ob ihr Lust habt zu spielen oder sucht ihr euch die Locations aus und stellt eine Anfrage?
Markus: Momentan ist es eigentlich schon so, dass regelmäßig Anfragen reinkommen, die Locations gehen wir nur dann an, wenn wir selbst was auf die Beine stellen wollen, so wie z.B. kürzlich bei unserer Releaseparty.
RockTimes: Markus, ich bedanke mich im Namen von RockTimes für die Beantwortung der Fragen und wünsche Dir und Lanfear auf dem weiteren Weg viel Erfolg!
Markus: Ich habe zu danken, sowohl für die interessanten Fragen als auch für die Glückwünsche. Vielen lieben Dank und man sieht sich dann hoffentlich mal live.
Für die Möglichkeit zu diesem Interview bedanken wir uns ganz herzlich bei Sailja von Locomotive Records.
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