Es gibt immer wieder Leute, die auftauchen...
mit eigenem Sound, eigenen tollen Songs...
aber sie haben keine Chance in der kommerziellen Welt
und verglühen meist kurz nach dem Start
Hermann Lammers Meyer Hermann Lammers Meyer ist zumindest hier im Norden einer der bekanntesten Countrymusiker, der schon lange im Geschäft ist. Wir hatten jedenfalls oft die Gelegenheit, seine ehemalige Band, die E.L. Hillbillies, in den Siebzigern live zu erleben.
E.L. ist der Hinweis auf die Herkunft, das Emsland. Dort formierte sich die Band einst, doch dazu verweise ich gern auf die sehr ausführliche Beschreibung auf der Website.

Hermann hat sich bereit erklärt, exklusiv für RockTimes einige Fragen zu beantworten. Und so werde ich nunmehr gnadenlos um Stellungnahme zu all' dem bitten, was nicht unbedingt aus den Angaben der Website hervorgeht.

Interview vom 18.04.2012


Wolfgang Giese
RockTimes: Moin, Hermann, als Wilhelmshavener bin ich damals auf die E.L. Hillbillies durch den Song "Liebe Mama" aufmerksam geworden. Er basiert ja auf dem Original von Ray Wylie Hubbard. "Up Against The Wall, Redneck Mother" und beginnt mit den 'historischen' Zeilen »Ich glaub' er kam aus Wilhelmshaven«
a) Hattet ihr eine besondere Beziehung zu dem Originaltitel?
b) Warum habt ihr euch ausgerechnet Wilhelmshaven für den Song ausgesucht?
Hermann Lammers Meyer: a) Ich war zu der Zeit (Mitte der Siebziger) schön öfter in Austin gewesen und hatte mich in der Musikszene umgesehen und hatte auch Ray Wylie Hubbard kennengelernt und habe dann "Redneck Mother/Liebe Mama" mit ihm im Duett abwechselnd in deutsch und englisch singen können... im Austin Opry House, zusammen mit seinen Cowboy Twinkies.
b) Das war die Zeit, in der wir mit den Emsland Hillbillies schon einige tolle Konzerte im Pumpwerk Wilhelmshaven geben durften... dank Tasso [Anm. des Verf.: Tasso Olbertz - damaliger Mitarbeiter, verantwortlich für das Konzertmanagement]... das war 'ne tolle Zeit.
RockTimes: Warum dauerte es seinerzeit so lange, bis der Nachfolger zu eurer Debüt-LP "Endlich" erschien?
Hermann Lammers Meyer: Als so lange empfand ich das gar nicht, die Zeit wurde überbrückt mit vielen Konzerten, schon europaweit. Die Verkäufe der Metronome Plattenfirma liefen gut und irgendwann wechselten wir (mit Achim Reichel als Produzent) zu Teldec und da wurde dann in HH (Hamburg) die "Bauer Barnes"-LP produziert - zwei Jahre später, ca. Ende '79.
RockTimes: Hattet ihr damals versucht, Kontakt zu größeren Plattenfirmen aufzunehmen, um euren Bekanntheitsgrad ggf. zu erweitern?
Hermann Lammers Meyer: Das waren ja schon die größten Firmen, die man kriegen konnte... da waren wir schon gut behütet. Nur man investierte nicht in die Werbung... schon damals nicht... und so blieben die Verkäufe überschaubar. Immerhin: "Endlich" verkaufte ca. 14.000 Einheiten, wie man mir erzählte.
RockTimes: Wie schätzt Du den Erfolg der Debüt-LP heute ein? Wieviel Exemplare, schätzst Du, habt ihr davon wohl verkauft? [Eine habe ich noch...]
Hermann Lammers Meyer: Das war ein RICHTIGER MEILENSTEIN!!!
RockTimes: Was glaubst Du, warum nicht ihr, sondern die Band Truck Stop damals so richtig abgesahnt hat?
Hermann Lammers Meyer: Wir waren so ein bisschen die 'Roughnecks', textmäßig... Truck Stop hatte den Schlagertouch und kommerziellen Sound in ihre Produktionen mit eingebracht.
RockTimes: Hast Du noch Kontakt zu der damaligen Band-Besetzung?
Hermann Lammers Meyer: Ja, immer noch... mit Horst Bösing, Kalli Buskohl, jetzt als Carl Carlton bei Peter Maffay tätig, oder Kralle Kravinkel, der dann direkt nach dem Verlassen der Emsland Hillbillies mit TRIO in ungeahnte Welten abheben konnte - »da da da« (smile).
RockTimes: Habt ihr einmal über eine Reunion der Urbesetzung, soweit noch möglich, nachgedacht?
Hermann Lammers Meyer: Ich werd' mal schauen, ob das bei unserer 40-Jahre-Show möglich ist. Ich habe ähnliches schon beim 25. Jubiläum gemacht. Da gab's eine Show mit allen unseren engen musikalischen Freunden: Kentucky Five, Bluegrass Express, Clay Blaker & Band, Autumn Leaves und, und, und... Das war schon stark...
RockTimes: Wie siehst Du aktuell den Stellenwert von Countrymusik in Deutschland?
Hermann Lammers Meyer: Sehr schwach... Da muss sich was tun, aber im Moment seh' ich schwarz. Da muss aus den USA wieder ein 'Country Messias' kommen und Wunder vollbringen...
RockTimes: Wie ist es derzeit mit Auftrittsmöglichkeiten - sind die 'Auftragsbücher' voll? Gibt es hierzu Vergleiche mit früheren Zeiten? Was war besser oder schlechter?
Hermann Lammers Meyer: Momentan ist die Country Szene ein wenig 'unterbelichtet', zu viele Linedance-Aktivitäten, aber alles GUT. Es ist schon okay... man schlägt sich durch. Viel mehr ist es momentan nicht, aber Spaß machts immer noch. Früher haben die Fans die Musik geliebt. Mitte/Ende der Siebziger war sie rockig und frisch, auch mit viel Fiddle, Banjo und Steel - Songs mit Aussage. Heute ist es Pop und bei vielen Acts langweilig.
RockTimes: Woran orientiert sich die Musik, die Du/ihr heute spiel(s)t? Mehr an traditioneller Countrymusik Nashville'scher Prägung oder gibt es auch Bakersfield Sound, Bluegrass oder Country-Rock à la frühe Eagles oder den Flying Burrito Brothers?
Hermann Lammers Meyer: Ich war für eine Weile ein großer Fan der Hippie-Countrymusic der späten Sechziger. New Riders Of The Purple Sage, Commander Cody, Neil Young... und hab das später auch mit einfließen lassen. Ich mag jedoch jede Form des Country Sounds, halte mich aber zurück, wenn es um Nashville - NOW New Country - geht. I hate most of that...
RockTimes: Bei euren frühen Aufnahmen hattet ihr häufig Titel aus der Outlaw-Szene interpretiert. Gibt es diese spezielle Szene in den USA noch oder ist das meiste mittlerweile in einem Einheitsbrei aufgegangen?
Hermann Lammers Meyer: Einheitsbrei!!! Kein Wiederkennungswert - bis auf ein paar Ausnahmen. Wo bleiben Leute wie Willie, Tom T. Hall, George Jones oder David Allan Coe? Sie werden auch nicht mehr im Radio gespielt, schade. Mann, was ist da los!?!
RockTimes: Welche Künstler vertreten noch die Richtung abseits des Mainstreams? Gibt es hoffnungsvolle Newcomer?
Hermann Lammers Meyer: Es gibt immer wieder Leute, die auftauchen... mit eigenem Sound, eigenen tollen Songs... aber sie haben keine Chance in der kommerziellen Welt und verglühen meist kurz nach dem Start.
RockTimes: Wie beurteilst Du die in den USA doch recht umfangreiche, kommerzielle Country-Szene unter Berücksichtigung, dass viele Kritiker diesen Mainstream für niveaulos halten?
Hermann Lammers Meyer: Wie gesagt, ich hör dann und wann in gewisse US-Sender rein, die 24-Stunden-Modern-Nashville anbieten (dank Internet möglich), schalte jedoch dann schnell völlig genervt wieder ab und leg' eine Conway Twitty-LP auf den Spieler.
RockTimes: Wie oft bist Du in den USA, um Platten einzuspielen oder Konzerte zu geben?
Hermann Lammers Meyer: Man könnte sagen, alle zwei Jahre gibt es eine neue Produktion oder jetzt war's ein Video, das in Dallas produziert wurde. Toll geworden... "Home Of The Damned", richtig groß produziert, mit Casting, zwölf Stunden Drehzeit. Ich kam mir vor wie Clint Eastwood... (smile)
RockTimes: Im Ausland kennt man Dich ja mittlerweile als 'Hermann the German' und so konntest Du die deutsche Countryszene bisher mit solchen Auszeichnungen wie 'Artist of the Year' und 'European Entertainer of the Year' hervorragend vertreten. Der letzte Streich, zu dem ich gratuliere, war ja jüngst die Auszeichnung im Rahmen des Deutschen Countrypreises in Berlin, wo Du zum 'Sänger des Jahres"'gewählt wurdest. Ferner bist Du in Texas in der 'International Country Music Hall of Fame' vertreten.
a) Bist Du da als einziger Deutscher der 'Exot'?
b) Bist Du angesichts solcher Ehrungen nicht geneigt, der Heimat den Rücken zu kehren und ins Mutterland Deiner Musik umzusiedeln?
Hermann Lammers Meyer: a) Ja, anerkannter Exot und stolz drauf... Hermann the German...
b) Das Problem ist, auch drüben sind die Gelder nicht für Musikanten locker und es ist immer noch so, dass die besten Musiker tagsüber als Taxifahrer oder Grillköche ihre 'Peseten' verdienen müssen.
RockTimes: Gibt es Planungen für ganz spezielle Plattenaufnahmen in der Zukunft?
Hermann Lammers Meyer: Zukunft? Es ist geplant, ganz zeitnah ein Willie Nelson-Tribut-Album herauszubringen - mit brandneuen Aufnahmen, die in Nashville oder Texas eingespielt werden... see what happens.
RockTimes: Mit welchen Musikern würdest Du gern einmal eine Platte aufnehmen?
Hermann Lammers Meyer: Gerne mit George Jones - das wäre doch noch ein Traum. Willie habe ich als Gaststar auf zwei meiner Songs bannen können, dank meinem langjährigen Freund Jimmy Day, dem Wizzard of Pedal Steel Guitar. Leider mittlerweile auch verstorben... Manno, da gehen sie alle hin, die GUTEN.
RockTimes: Ich würde es ja begrüßen, wenn Du mal eine so richtig schöne Platte mit Gary P. Nunn aufnehmen würdest. Hast Du den schon mal getroffen oder ist er Dir nicht bekannt?
Hermann Lammers Meyer: Mit ihm habe ich zusammen gespielt, als 'Steeler' auf einer 'Riesenstadtfete' irgendwo bei New Braunfels. Dann habe ich ihn ein paar Mal wiedergetroffen, auch bei seiner Europatour, aber das ist schon soooo lange her. Da gab's auch ein Gastspiel in Papenburg...
RockTimes: Du hast mit Willie Nelson auch schon zusammen gespielt. Mich würde (in Kurzform) interessieren, was für ein Mensch er ist? Ob er sich als Star verhält oder ganz natürlich geblieben ist?
Hermann Lammers Meyer: Willie ist Willie - etwas ganz besonderes: sanft, witzig, spontan. Er kann alles und mit jedem singen - Country, Blues, Jazz, Hip Hop - es bleibt WILLIE! Ganz natürlich, wenn du bei ihm bist, privat. Ansonsten wird er natürlich von seinem Team abgeschirmt, ob er es will oder nicht (smile). So ist das nun...
RockTimes: Gab es auch Musiker in den Staaten, mit denen Du schlechte Erfahrungen gemacht hast?
Hermann Lammers Meyer: Nein, nicht einer! Sie sind alle professionell und superfreundlich. Gehen bei Recordings etc.. voll auf dich ein... ganz großartig... ob es ein Buddy Emmons oder Buddy Spicher ist. Alles Stars in der Recordingszene, der 'guten alten Zeit'.
RockTimes: Warum gibt es so gut wie gar keine Countrymusiker aus den USA, die man anlässlich einer Tournee einmal in 'good old Germany' erleben kann?
a) Gibt es hierfür keinen Markt oder welcher andere Grund liegt ggf. vor?
b) Sperren sich Veranstalter dieser Musik gegenüber oder sind die Musiker ganz einfach zu teuer?
Hermann Lammers Meyer: Der Markt ist nicht da, aber die Zeit ist seit den späten Achtzigern vorbei. Da gabs noch diese Truck-Festivals in Europa, das Wembley Festival, die es ermöglichten, auch Stars rüberzuholen. Alles vorbei und nichts ist nachgewachsen. Da spielt ein John Prine auf Club Tour vor 30 Leuten im Saal... traurig!
RockTimes: Welche drei Platten aus dem Bereich Country würdest Du auf die berühmte 'einsame Insel' mitnehmen und warum?
Hermann Lammers Meyer: Meine eigene CD Nashville Is Rough On The Living - ist ein Juwel, mit tollen Musikern, Duetten und Songs sowie Buddy Emmons an der Steel. John Phillips: "Wolfman Of LA", eine Erinnerung an den Hippie Country-Sound, und evtl. Bobby Bare "The Winner And Other Losers", mit den famosen Songs von Shel Silverstein.
RockTimes: Danke, Hermann, für Deine Auskünfte. Hast Du grundsätzlich noch etwas zu sagen, was bisher noch nicht angesprochen wurde? So richte nun das Wort an die Country-Gemeinde...
Hermann Lammers Meyer: Ja, ich bedanke mich ganz, ganz herzlich bei meinen Emsland Hillbillies, die es jetzt fast vierzg Jahre mit mir ausgehalten haben, dem Mann, der die Pedal Steel Guitar erfunden hat (smile) und den Fans, die immer noch zu unseren Shows kommen und sich von unseren neuen und alten Songs unterhalten lassen - Country Style.

PS: Wir feiern unsere 'Fast Vierzig Show' am 5. Mai 2012 im Lokal/Saal Waldlust in Papenburg.
Externe Links: