Gasmasken gegen Weihrauchgestank zu Weihnachten
Beim Interview
RockTimes hat wieder einmal die Gelegenheit beim Schopfe gepackt, um kurz vor dem Jahresende mit Deutschlands populärster Heavy Metal-Spaßband zu sprechen und ihrem hammerharten Konzert beizuwohnen.


Interview vom 18.12.2011

       
Mike Kempf                   Holger Ott
RockTimes: Hallo Hannes, hallo Wolfram, schön, dass ihr wieder einmal in Berlin seid.
Hannes: Wir freuen uns auch. Es war ein hartes Stück Arbeit wieder hier spielen zu können. Irgendwie mögen uns die Konzertveranstalter in Berlin nicht so sehr. Es hat hier sehr lange gedauert bis wir die Zusage bekommen haben. In Hamburg und Köln waren die Hallen schon fast ausverkauft, bevor wir hier die Zusage erhalten haben. Ganz zum Anfang haben sie uns in Berlin immer in solche kleinen Clubs gesteckt, da weiß ich die Namen gar nicht mehr, und nun haben wir schon zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren den Postbahnhof (Anmerkung der Redaktion: Fassungsvermögen des Clubs für über 1.000 Fans) ausverkauft.
RockTimes: Ich kann mich noch sehr gut an das Konzert vor zwei Jahren erinnern. Wir hatten damals auch schon einmal das Vergnügen miteinander zu plaudern. Ihr habt in diesem Jahr fast zeitgleich zwei CDs auf den Markt gebracht. Was hat es damit auf sich?
Hannes: Die erste CD "Happy Metal Thunder" ist eigentlich nur für den internationalen Markt gedacht. Natürlich kann man sie auch hier kaufen, aber hauptsächlich bezwecken wir damit uns in fremdsprachigen Ausland bekannt zu machen.
Wolfram: Die CD läuft im Ausland als internationale 'Best Of', so ist es auch angedacht. Deutsche Fans werden vielleicht nicht verstehen, was das für eine Ansammlung von Songs sein soll. Dazu kommt, dass einige bekannte Songs fehlen und dann ist alles in englischer Sprache aufgenommen. Uns ist es wichtig, dass auch die Franzosen verstehen, dass wir mit unserer Musik Spaß verbreiten wollen und natürlich hoffen wir darauf, dass wir dadurch neue Fans hinzu gewinnen.
RockTimes: Wollt ihr mit "Happy Metal Thunder" auch Fans über dem Teich erreichen?
Hannes: Wenn du über dem Teich die USA meinst, so haben wir nicht die Absicht den Markt dort zu knacken. In erster Linie ist es uns wichtig, in den umliegenden Ländern mehr Aufmerksamkeit zu erzielen. Wir haben zum Beispiel in Holland gespielt und dort eine Menge Fans gewonnen, die uns gut finden, aber die kein deutsch sprechen und dadurch unsere Texte nicht verstehen. Nur so können wir ihnen den Spaß in unseren Songs nahe bringen.
Wir bekommen auch immer wieder Post per E-Mail, zum Beispiel aus Indien oder Brasilien, woher auch immer die uns kennen. Wenn wir zum Beispiel in Slowenien oder Kroatien spielen, ist es einfach besser, die Songs in englisch zu bringen.
RockTimes: Nun müsst ihr aber damit rechnen, dass die internationale CD im Ausland sehr gut ankommt und die Fans mehr von euch in Englisch verlangen.
Hannes: Na, das wäre doch sehr gut. Wir werden aber deshalb nicht aufhören deutsche Songs zu veröffentlichen und deutsche CDs zu machen. Es ist nicht so, dass J.B.O. ab jetzt Englisch singt, man kann ja beides machen.
RockTimes: Jetzt habt ihr mit euren "Killeralbum" wieder mächtig tief in die Kerbe geschlagen. Ihr habt euch ein Cover von Iron Maiden vorgenommen. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihr deswegen Ärger bekommt?
Hannes:: Ach, das ist alles nicht so schlimm. Erst einmal, die Musiker interessiert es nicht, und zum Anderen ist es rechtlich O.K. Wir haben das Cover ja nicht kopiert, sondern es ist unser eigens kreiertes Cover, das dem nur ähnlich sieht. Es ist ein handgemaltes Gemälde und deshalb ist es rechtlich unbedenklich. Es gibt im Internet bei YouTube so viele Urheberrechtsverletzungen, wenn man denen allen nachgehen sollte oder wenn der Verlag von Iron Maiden sich um das alles kümmern sollte, da fallen wir wirklich nicht ins Gewicht. Und sollte die Band uns verklagen, wäre es das Beste, was uns passieren kann.
RockTimes: Ihr habt aber die Band nicht vorher fragen müssen?
Hannes: Nein, wir brauchen die Band nicht vorher zu fragen. Wenn wir jetzt "Run To The Hills" in deutsch covern würden, dann müssen wir vorher fragen. Aber da unser "Killeralbum" nur von Iron Maiden inspiriert wurde, gibt es damit kein Problem.
RockTimes: Ihr habt mit "Killeralbum" binnen kurzer Zeit in Deutschland Platz drei der Charts erreicht, eure bisher beste Platzierung. Erfüllt euch das mit Stolz?
Hannes: Es ist jetzt nicht so, dass wir in Jubel ausbrechen. Heutzutage bedeutet es auch nicht mehr so viel wie vor vielleicht zehn Jahren. Mir persönlich ist es viel wichtiger, dass den Leuten die Platte gefällt. Unsere ersten Konzerte der laufenden Tour waren völlig genial und in den großen Städten spielen wir vor ausverkauften Häusern, das ist mir viel wichtiger als irgendein Platz drei.
RockTimes: Nun gibt es aber in Deutschland auch noch viele Leute, die euch nicht kennen und die nur nach den Charts gehen. Die sehen, dass eine Band auf Platz drei ist, die ihnen nichts sagt, und kaufen darauf hin die Platte aus Neugier.
Hannes: Wir haben in Deutschland aber auch genug Medien, die uns boykottieren und denen ist es egal, wenn wir in den Charts erscheinen. Die schreiben einfach schlecht über uns, denn wir machen ja Rockmusik mit Humor und so was passt einfach nicht zusammen. Für die ist Rockmusik eine ernsthafte Angelegenheit und da darf dabei nicht gelächelt werden.
RockTimes: Da steht ihr aber drüber. Anhand der Verkaufszahlen und der ausgebuchten Konzerte seht ihr ja selbst, dass ihr 'On Top' seid. Langsam wird es Zeit, dass ihr in größere Hallen wechselt.
Hannes: Wir haben auch schon in größeren Hallen gespielt, das ist immer so eine Sache. Je größer, um so geringer ist der Kontakt zum Publikum. Unsere Show ist so aufgebaut, dass auch die in der letzten Reihe etwas davon haben sollen und sehen was auf der Bühne passiert. Sicher hätten wir nichts dagegen, uns zu vergrößern, wer will das nicht, aber im Moment haben wir keinen Grund uns zu beschweren.
RockTimes: Ich habe vor zwei Jahren hier schon einmal eure Show gesehen und muss zugeben, dass ich euch vorher nicht so richtig wahrgenommen hatte. Ich finde es sehr beeindruckend wie ihr es schafft, das Publikum so extrem an euch zu binden. Wenn ich Vito auf der Bühne sehe, braucht er nur mit dem Finger zu schnippen, und alle Leute im Saal tanzen nach seiner Pfeife.
Hannes: Ich denke es liegt einfach daran, dass die Leute sehen und fühlen, dass wir selber Spaß haben. Wenn ich auf der Bühne stehen würde und ab und zu heimlich auf die Uhr gucken und mir dabei denke würde, wann ich endlich nach Hause kann, dann merken es die Leute und würden nicht mehr zum Konzert kommen. Wir wollen mit den Leuten im Saal gemeinsam feiern und alle sollen sich amüsieren. Jetzt musst Du aber auch mal eine Frage stellen, die der Schlagzeuger beantworten kann. Der sitzt hier so neben mir und hätte in der Zeit auch Suppe essen können. Wolfram: Die Suppe war hervorragend, die kann ich nur empfehlen. Ich freue mich schon darauf, wenn ich morgen wieder die Suppe essen kann.
RockTimes: Vielleicht kommen wir ja auch in den Genuss der Suppe?
Wolfram: Wir gehen auf jeden Fall morgen wieder her. Wir bleiben noch einen Tag in Berlin und ich habe gehört, dass die Küche morgen hier wieder offen hat und sie die Suppe kochen. Wir sind morgen wieder hier.
Hannes: Wer spielt denn morgen hier?
Wolfram: Mir doch wurscht!
RockTimes: Wolfram, wie ich sehe trägst du auch ein bisschen Lila.
Wolfram: Du meinst Lila und Pink ist in etwa das gleiche?
RockTimes: Na gut, fast. Gehst du etwa auch privat so auf die Straße?
Wolfram: Ja.
Hannes: So läufst du rum? So?
Wolfram: Das hab ich vom Kirchentag. Das sieht auch voll cool aus. Guck mal, vorne mit einer Gasmaske drauf, da stehen die in der Kirche drauf. Durch den Weihrauchgestank brauchen die alle immer eine Gasmaske. Das ist gerade Hip, Weihrauch. Nein also die Farbe steht auch für andere Dinge.
RockTimes: In wie weit hast du als Schlagzeuger, der ja immer im Hintergrund sitzt, Einfluss auf die Songauswahl? (Hannes lacht sich dabei fast kaputt)
Wolfram: Nichts, ich hab hier nichts zu melden. Also mein Gefühl ist so, ich halte ja auch hier meine Fresse, eigentlich, und das ist auch gut so.
RockTimes: Als ich dich das letzte Mal vor zwei Jahren gesehen habe, da war das auch schon so.
Hannes: Das ist auch so, wenn wir im Hotel sind. Alle anderen schlafen im Bett, und er muss sich immer am Fußende zusammenrollen.
Wolfram: Als Schlagzeuger ist das halt so. Du kennst doch sicher Diogenes, der in der Tonne gelebt hat, und ich habe halt meine Bass-Drum. Die baue ich dann auf und alles ist gut (allgemeines Gelächter).
RockTimes: Ihr habt vor zwei Jahren euer Zwanzigjähriges gefeiert. In all den Jahren habt ihr von sehr vielen Künstlern und Bands Songs gecovert. Ich kann mich nicht erinnern, mal etwas von AC/DC gehört zu haben.
Hannes: (Denkt lange nach) Live haben wir schon ein paar mal "Whole Lotta Rosie" als letzte Zugabe gespielt, aber auf einer CD ist das nirgends drauf. Du darfst jetzt auch nicht denken, dass wir uns zusammensetzen und uns überlegen, welchen Song wir unbedingt covern müssen, sondern einer hat eine Idee und die greifen wir dann auf und versuchen etwas daraus zu machen. Klappt es nicht, dann verwerfen wir auch mal etwas. Wenn wir mal was gutes im Radio hören, dann probieren wir was daraus zu machen, aber wir setzen uns nicht hin und denken darüber nach wie man einen Song lustig machen kann.
RockTimes: (In Anlehnung an den AC/DC Aufnäher auf der Bühnenweste). Aber der Aufnäher verpflichtet doch, oder?
Hannes: Nein, nicht zwangsläufig. Nicht alles was wir gut finden, wird automatisch gecovert. Wir finden AC/DC nun einmal geil, das besagt aber nicht, dass wir uns gleich über jeden Song oder über jede Band hermachen müssen. Wir versuchen das zu machen, was wir Lustig finden, und da machen wir auch nicht vor Volksmusik halt. Wir machen die CD mit unseren Songs, die wir uns selber gerne kaufen würden. Man kann den Erfolg eines Songs nicht vorher bestimmen. Spiel einen Song zehn Leuten vor und du erhältst zehn verschiedenen Meinungen.
RockTimes: Was hört ihr beide privat am liebsten für Musik?
Hannes: Das ist schwer. Unser Musikgeschmack ist extrem breit gefächert, je nach Lust und Laune, aber hauptsächlich Heavy. (Wolfram nickt zustimmend)
RockTimes: Als ihr damals angefangen habt, da wurde es als einmaliges Spaßprojekt ins Leben gerufen. Was hat euch dazu gebracht dann weiter zu machen?
Hannes:: Weil die Leute es so wollten. Alle im Saal waren total begeistert und uns hat es auch so viel Spaß gemacht, dass wir spontan beschlossen haben, weiter zu machen. Wir haben auch nie einen Veranstalter kontaktiert und Demos verschickt, sondern die Veranstalter kamen auf uns zu und haben gefragt ob wir spielen würden. Eigentlich wollten wir mit ernsthaften Bands Musik mache, und wenn wir zwischendurch mal Zeit hatten, dann haben wir als J.B.O. gespielt. Es ist uns einfach so in den Schoß gefallen.
RockTimes: Jetzt habt ihr ja bald euer 25-Jähriges. Habt ihr im Hinterkopf schon etwas Großes geplant?
Hannes: Es wird bestimmt irgendwas passieren, ob nun öffentlich oder privat, es wird auf jeden Fall gefeiert werden. Es ist ja noch ein bisschen hin.
RockTimes: Wir haben es kurz vor Weihnachten und pünktlich zum Fest ist eure Biografie in Buchform erschienen. Seit ihr nicht noch zu jung, um eine Biografie zu haben?
Wolfram: Danke! (In Anspielung auf das Alter)
Hannes: Die ist ja über uns geschrieben, aber nicht von uns in Auftrag gegeben worden. Der Autor ist jemand aus unserem Umfeld, der die Band und unseren Werdegang sehr genau kennt. Wir hätten uns dagegen wehren können. Wir sind gefragt worden und haben nichts dagegen gehabt. Wir kennen uns sehr lange und betreuen zusammen die Homepage und den Fanclub. Wenn wir eines Tages eine Autobiografie schreiben, dann machen wir das auch selber. Für dieses Buch haben wir auch alles abgesegnet. Es wäre ja doof, wenn da etwas darin steht, das nicht stimmt und uns dann vielleicht noch die Fans darauf ansprechen würden. Es gibt schon genug erfundene Geschichten über uns, die kursieren.
RockTimes: Das Buch ist ja auch genau zum richtigen Zeitpunkt erschienen um unter dem Gabentisch zu liegen.
Hannes: Das ist Zufall und wir hatten da keinen Einfluss darauf. Ob sich das auf die Verkaufszahlen auswirkt, denke ich nicht. Das Buch hat eh nur eine geringe Auflage und ist nicht sehr dick. Die Leute haben sowieso kaum noch Zeit zum Lesen, oder was meinst Du Wolfram?
Wolfram: Ich bin nur Schlagzeuger.
RockTimes: Da haben wir ja beide was gemeinsam. Ich spiele zwar nur in einer Freizeitband, weil es zu nichts weiter gereicht hat. Wir beide sind wohl Schlagzeuger und Hartz IV-Empfänger (müssen alle lachen).
Hannes: Wolfram kriegt Hartz V, der spielt Heavy Metal (wieder großes Gelächter).
RockTimes: Wenn wir euch darum bitten würde als Zugabe "Highway To Hell" zu spielen, wärt ihr da spontan in der Lage dazu?
Hannes: Spontan in der Lage wären wir schon, aber machen tun wir es nicht. Wir haben uns einen schönen Abschluss ausgedacht und überraschen damit die Fans im Saal.
RockTimes: Dann wünschen wir euch ein tolles Konzert, viel Spaß heute Abend und eine erfolgreiche Tour.
Hannes: Danke und viele Grüße an die Leser von RockTimes. Viel Spaß und guten Sex.
Wir danken Iris Klabunde von der cmm-Rockagentur, die uns das Gespräch mit J.B.O. ermöglicht hat.
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