Es steckt wohl ein gerüttelt Maß an Rebellion gegen die übermächtige Christenheit darin
Im Gespräch Die volle Punktzahl bekam das neue Album "Todgeweiht" von uns. Wir wollten von Stephan 'Fenris' Zandt, dem Sänger der Band wissen, warum die Pagan Szene immer populärer wird, aber auch genau so oft mit rechtsradikalem Gedankengut in Verbindung gebracht wird. Stephan klärte uns geduldig auf.


Interview vom 17.12.2008


Jan-Philipp Brand
RockTimes: Hallo Stephan, wie zufrieden seid ihr mit dem neuen Album?
Stephan: Super! Todgeweiht zeigt, dass wir als Band weiter zusammengewachsen sind. Es ist die musikalische Weiterentwicklung und die konsequente Fortführung unseres Stils.
RockTimes: Welches ist dein Lieblingslied auf "Todgeweiht"?
Stephan: Hm, schwierige Frage. Lieblingslieder sind für mich die Tracks, in denen ich voll und ganz aufgehen kann, die zu spielen einfach Spaß macht. Aber ich denke, das Lied mit der wichtigsten Aussage ist "Der Stern".
RockTimes: Wie kommt ihr mit dem neuen Erfolg zurecht, habt ihr euch stark verändern müssen?
Stephan: Überhaupt nicht. Wir sind nach wie vor der gleiche Haufen Wahnsinniger geblieben.
RockTimes: Welche musikalischen Einflüsse finden sich ganz besonders in eurer Musik wieder?
Stephan: Wir sind mit dem Rock und dem Metal der 80er und 90er aufgewachsen, also mit Bands wie AC/DC, Metallica, Slayer, Pantera, Death und vielen mehr. Gerade Hardy und mich haben daneben auch die Klänge historischer Instumente fasziniert. Das war wohl auch der Grund, warum wir später selbst auf Mittelaltermärkten Musik machten, wenn auch zunächst unabhängig voneinander.
RockTimes: Welche besonderen Ereignisse auf euren bisherigen Konzerten sind euch am meisten in Erinnerung geblieben?
Stephan: Spontan fällt mir da unser erstes Open-Air-Festival im Saarland ein, wo wir dermaßen kurzfristig gebucht wurden, dass unser Bandname auf keinem Flyer oder Plakat stand. Wir hatten da ehrlich gesagt etwas gemischte Gefühle, als wir die Bühne betraten. Dann wurde das erste Lied eingezählt und vor uns brach die Hölle los. Das Publikum sang lauthals die Texte, ging wahnsinnig gut mit und ließ uns erst nach zwei Zugaben unter Beifall gehen. Das hatte unsere kühnsten Erwartungen übertroffen.
RockTimes: Auf welchem Festival würdest du gerne einmal auftreten?
Stephan: Da hab ich keinen klaren Favoriten. Einige der bekannteren Festivals durften wir ja schon beehren und wir hoffen, dass da noch mehr folgen werden.
RockTimes: Wie steht ihr zu Bands wie In Extremo und Subway To Sally und wie stehen dieses zu euch?
Stephan: Wir respektieren diese Bands, haben aber untereinander keinen persönlichen Kontakt. Die Jungs von In Extremo kennen Hardy und ich noch aus der Zeit, als sie zu dritt auf Mittelaltermärkten musiziert haben. Ich bezweifle allerdings, dass sie sich an uns erinnern.
RockTimes: Was ist Deine Meinung zur immer populärer werdenden Pagan Szene und was ist der Grund für diese Popularität?
Stephan: Einige Bands aus diesem Genre gefallen mir persönlich sehr gut. Es ist ja eine noch recht junge Szene. Von diesen Gruppen werden Themen wie die Wikinger, die nordische Mythologie und die alten Götter besungen. Es steckt wohl ein gerüttelt Maß an Rebellion gegen die übermächtige Christenheit darin. Ich finde es gut, wenn sich dadurch wieder mehr Leute mit unserer Geschichte beschäftigen und alte Sitten und Gebräuche hinterfragen, bzw. welche ursprüngliche Bedeutung sie hatten, bevor sie vom Christentum einverleibt und verfälscht wurden. Eine Rückbesinnung auf unsere Wurzeln ist wünschenswert, nur sollte diese wesentlich weiter zurück reichen als bis ins dritte Reich, das für mich ein riesiger Schandfleck in unserer Geschichte ist.
RockTimes: Was sagst du zu der Tatsache, dass die Pagan Szene so oft mit rechtsradikalem Gedankengut verbunden wird?
Stephan: Das liegt wohl an der oberflächlichen Betrachtungsweise vieler selbsternannter Szenekritiker oder schlicht und einfach an der Unwissenheit. Die Nazis hatten in ihrem Rassenwahn die Wikinger als das 'reine arische Volk' idealisiert und deren Symbolik , z.B. Runen und Schriftzeichen verfälscht und für ihre Propaganda missbraucht, ohne sich über deren Bedeutung ernsthaft Gedanken zu machen. Viele Bands aus der Pagan-Szene benutzen ebenfalls diese Runen, allerdings im Sinne ihrer wahren Bedeutung. Nur muss ihnen dann auch klar sein, dass diese Zeichen sehr leicht missverstanden werden können, da sie aus der jüngeren Vergangenheit negativ belastet sind. In unserem Lied "Krieger" singe ich: »Ein Stein viel zeigt, ist er von braunem Dreck befreit, nur der versteht, der tief darunter gräbt!« Nur wer sich ernsthaft mit diesem Thema auseinandersetzt, wird die wahre Bedeutung dieser Zeichen erkennen.
RockTimes: Könnt ihr mittlerweile von der Musik leben?
Stephan: Das leider nicht. Zum Glück haben wir alle Jobs, die mit dem Musikerleben vereinbar sind.
RockTimes: Ist schon Material für ein kommendes Album vorhanden?
Stephan: Wir sammeln laufend unsere Ideen. Über die Zeit ist da schon recht viel zusammengekommen. Einige neue Lieder haben wir schon wieder in Arbeit. Das ist bei uns ein Prozess, der nie stoppt. Wenn ein Album erscheint, dann arbeiten wir bereits an der nächsten Scheibe.
RockTimes: Wie sieht die Zukunft für Ingrimm aus?
Stephan: Wir wollen unsere Live-Präsenz noch verstärken, viele Alben aufnehmen und natürlich noch mehr Leute mit dem Ingrimm-Virus infizieren.
RockTimes: Welche Bands sind Eure Favoriten?
Stephan: Wenn ich von meiner Person ausgehe: Das fängt an bei den Helden meiner Jugend wie z.B. Black Sabbath, Metallica, Slayer, Pantera, Savatage und auch Manowar, jawoll, weiter über Death, Carcass, die alten Obituary, Amorphis ("Tales From The Thousand Lakes" - HAMMER), bis hin zu den modernen Bands wie In Flames, System Of A Down, Lamb Of God, Dream Theater, Necrophagist ich kann unmöglich alle aufzählen. Dann sind auch noch verschiedene Weltmusik- und Folkbands öfter mal bei mir im Player.
RockTimes: Was würdest du dem neuen Präsidenten Obama sagen/ihn fragen?
Stephan: Zuerst würde ich ihm sagen, dass ich es verdammt gut finde, dass ein Schwarzer nun Mr. President ist. Das lässt hoffen. Er wird es schwer genug damit haben, den riesigen Müllhaufen abzutragen, den sein Vorgänger hinterlassen hat. Ich wünsche ihm die nötige Kraft dazu.
RockTimes: Letzte Worte an die Fans?
Stephan: An all unsere Freunde da draußen: Bleibt wer ihr seid, bewahrt euch die Wut im Bauch und den 'Ingrimm' im Herzen! Wir sehen uns!
RockTimes: Danke Stephan, dass du Dir Zeit genommen hast für dieses Interview.
Wir danken Dirk von Black Bards Entertainment, der uns das Gespräch mit Stephan ermöglicht hat.
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