Warren Haynes: Es ist auch besser, fünf Tage mit Spaß zu arbeiten als einen Tag ohne.
Warren Haynes Am 10.07.2012 spielte Warren Haynes mit seiner Band Gov't Mule in Hengelo (Metropool) das einzige Konzert in den Niederlanden und Bluesmagazine.nl bekam die Möglichheit, ein Interview zu machen. Das hatten Sjef Athmer vom Bookingsbüro Rock-and-Roots in Zusammenarbeit mit Tourmanager Peter Bata perfekt geregelt! Danke an beide!

Die Fragen stellten: Andre Wittebroek (Bluesmagazine) und Johan Dollekamp.

Artikel vom 21.08.2012


Andre Wittebroek
Liebe Leser,
Die Kollegen von bluesmagazine.nl hatten die Gelegenheit, mit Warren Haynes ein Gespräch zu führen, und da dieser Musiker für unser Magazin immer von großem Interesse ist, nahmen wir das Angebot, dieses Gespräch auch bei uns einzustellen, gerne an. [Die Red.]
Um 19:00 Uhr kam ein sehr gut gelaunter Warren in das Gesprächszimmer und wir konnten anfangen.
Bluesmagazine: Wann und warum hast du mit Gitarrespielen angefangen?
Warren: Ich habe erst Jahre gesungen, das machte ich immer sehr gerne, am Anfang zuhause im Schlafzimmer und später in einem Kirchenchor. Meine Vorbilder waren Otis Redding, Sam & Dave, Wilson Pickett, Ray Charles Ö alles aus der Soul-Ecke. Als ich sechs Jahre alt war kam der Rock'n'Roll in den Vordergrund und fand mein Interesse. Von daher auch die Gitarre, wie bei so vielen Jungen in der Zeit. Cream ( mit Eric Clapton), Jimi Hendrix, die drei Kings (B.B., Albert, Freddie), Led Zeppelin, Johnny Winter und Duane Allman waren meine Helden (noch immer lächelnd). B.B. Kings Stimme hat mich begeistert. Ich fing an Gitarre zu spielen, hatte auch Unterrichtsstunden, aber das meiste ist 'selftaught': selber angelernt.
Bluesmagazine: Du machst so viele verschiedene Projekte: Govít Mule, The Warren Haynes Band, Allman Brothers Band, solo, solo akustisch, spielst viele Shows mit Grateful Dead. Ist das alles nicht zuviel? Ermüdet es überhaupt nicht?
Warren: Überhaupt nicht, es ist ein Vorrecht, alles machen zu können und zu dürfen. Meine Fans erwarten es auch von mir, es ist meine Natur. Es ist ein großes Hobby und läuft einfach so. Ich bin meinen Fans sehr dankbar. Es ist auch besser, fünf Tage mit Spaß zu arbeiten als einen Tag ohne. Es hält mich auch fit, man schläft musikalisch nicht ein.
Bluesmagazine: Ist das auch der Grund, warum The Mule jeden Abend eine andere Setlist hat?
Warren: Gewiss!! Man stagniert nicht. Ein Vorgehen, das heute abend auch aufgeht: Hier in Europa haben wir viele Fans, die bei vielen Auftritten dabei sind (manche sogar bei allen), man möchte denen doch nicht jeden Abend dieselben Songs vorspielen. Wir haben hunderte, vielleicht sogar tausend Songs, die wir spielen können, die Covers mitgezählt. Also spielen wir immer etwas anderes und für die Fans, auch für uns ist es immer eine Überraschung was kommen wird.
Bluesmagazine: Du redest jetzt von den Coversongs (Led Zeppelin, Black Sabbath, The Hollies). Wie wählst du sie aus?
Warren: Ich höre viel Musik und dann sind da Songs, die sind so gut ... man hätte sie gerne selber geschrieben! Das geht natürlich nicht, aber spielen kann man sie. Es ist eine Ehre, sie spielen zu dürfen und dann auf unsere Art.
Bluesmagazine: Man sagt oft von Govít Mule, dass ihre Interpretationen besser sind als die Originale. Kompliment?
Warren: Es ist ein großes Kompliment, aber damit bin ich nicht einverstanden, weil das Original immer das Beste ist und alle Anerkennung haben soll.
Bluesmagazine: Wann und wie schreibst du deine Songs? Brauchst du dann bestimmte Zeiten, Momente oder Gefühle?
Warren: Fast alle Songs schreibe ich zwischen November und Februar wenn wir nicht auf Tour sind. Und dann vor allem nachts so gegen 03:00 Uhr. Dann habe ich die meiste Inspiration, es ist ruhig und es gibt wenig Ablenkung!
Bluesmagazine: Die meisten Blues-Songs werden geschrieben, wenn man bluesy-traurig ist. Heißt dass, du kannst in fröhlichen Zeiten keine Blues-Songs schreiben?
Warren: Gute Frage, (und lächelnd) das stimmt! Die besten Blues-Songs schreibt man wenn man sich auch so fühlt. Wenn ich mich wohl fühle, kommt kein trauriger Text raus und ich mache andere Sachen!
Bluesmagazine: Das Schreiben, hat es auch etwas Therapeutisches?
Warren: Sicher, es gibt dir die Möglichkeit, deinem Herz Luft zu machen. Deswegen sind die Blues-Songs auch immer emotional und persönlich. Ich nenne es: 'My separate reality'.
Bluesmagazine: Eine andere Frage: Was sind deine Lieblings-Alben und was hörst du viel?
Warren: Das meiste ist Blues- und Jazzmusik, deswegen die lang improvisierten Jams bei unseren Auftritten! Diese Musik ist zeitlos, war sie vor gut vierzig Jahren und ist sie heute auch noch. Von dieser Musik sind es dann am liebsten Live-Alben, Kontakt mit dem Publikum, das Direkte, alles pur. Das fesselt mich.
Bluesmagazine: Das habe ich auch, den Vorzug für Live-Alben, meine Favoriten sind zum Beispiel: "At The Fillmore East" (Allman Brothers Band), Waiting For Columbus (Little Feat), Thin Lizzy mit Live And Dangerous, UFOs "Strangers In The Night".
Warren: ABB and Little Feat are real classics, zeitlose Musik und alles hervorragende Musiker. Persönlich kommen da The Band, Miles Davis und "Roxy And Elsewhere" von Frank Zappa dazu. Zappa war ein absolut genialer Musiker, aber in den USA leider unterbewertet!
Bluesmagazine: Was hältst du von der heutigen Blues-Szene? Es gibt junge Gitarristen/Musiker wie: Joe Bonamassa, Ryan McGarvey, Eric Steckel, Henrik Freischlader, Oli Brown,
Aynsley Lister, Danny Bryant, Ben Poole und viele andere. Kennst du diese jungen Blueser?
Warren: Joe Bonamassa ist kein Thema. Was er alles macht, war und ist sehr gut für die Bluesszene. Er hat den Blues wieder zu einem größeren Publikum gebracht. Joe ist ein Weltklasse-Musiker und sehr nett. Es ist gut, dass der Blues durch Menschen wie Joe oder vorher
Stevie Ray Vaughan und Gary Moore wieder nach oben kommt. Es geht ja wie beim Jazz auf und ab. Es scheint jetzt wieder aufwärts zu gehen. Weil ich gerade die Namen höre muss ich zugeben, dass ich sie nicht alle kenne.
Bluesmagazine: Heute ist es sehr schwierig für diese jungen Bands bekannt zu werden, überhaupt Auftritte zu bekommen. Was ist deine Meinung?
Warren: Ich denke, es hat mit der Zeit zu tun, in der wir leben. Viel Digitales, TV, Computer. TV-Programme wie "Idols" achten vor allem auf die Looks; jung, schön, tanzen usw., aber die musikalischen Qualitäten kommen nicht an erster Stelle. Man schaut mehr mit den Augen und hört nicht mit den Ohren, alles Plastik. Schade!
Bluesmagazine: Wenn wir die älteren Blues-Stars, die wie B.B. King, Buddy Guy, Robert Cray jetzt berühmt sind, anschauen, würden die in dieser Zeit ihren Durchbruch geschafft haben?
Warren: Gute Frage, Andre. Darüber habe ich noch nie so nachgedacht. Früher ging es von der Kneipe in einen kleinen Saal, dann eine Halle, wenn die Band bekannter wurde. Es musste viel gearbeitet werden. Heute ist man schon bekannt, wenn man im Fernsehen ist! Der Medien-Einfluss ist viel zu groß geworden. Glücklicherweise sehen es die guten Musik-Liebhaber anders. Die Musik steht oben. So wird es auch immer bleiben. Und man braucht auch viel Glück, die richtigen Leute, an der richtigen Stelle, zum richtigen Moment zu treffen. Also, deine Frage kann ich daher nicht beantworten, vielleicht hätten sie es geschafft, vielleicht auch nicht.
Bluesmagazine: Ihr seid jetzt im Studio für die neue Govít Mule-CD. Es gab unter der Leitung von Gordie Johnson schon einige Aufnahmen im Studio von Willie Nelson. Warum Johnson und wie läuft es?
Warren: Gordie ist ein guter Freund. Er versteht uns, unsere Musik und was wir wollen. Er schiebt uns voraus, fügt Extras in die Arrangements ein und macht den Sound, der bei uns passt. Wir haben gerade vier von den elf Songs aufgenommen, den Rest spielen wir bei dieser Tour auf der Bühne. Jedes Mal ein oder zwei Songs, um zu sehen, wie das Publikum reagiert und wenn nötig ändern wir etwas. Es wird im Herbst aufgenommen und wahrscheinlich im Frühjahr veröffentlicht. Eins kann ich jetzt schon sagen: Es wird ein anderes Govít Mule-Album, der Sound ist typisch Govít Mule, aber anders! Schwierig zu verstehen, Andre, aber wenn du das Album hörst wird alles klar!
Bluesmagazine: Gibt es noch bestimmte Künstler, mit denen du noch einmal live spielen möchtest?
Warren: Demnächst mache ich etwas mit Santana. Gestern in Paris war
Kenny Wayne Shepherd unser Gast. Es war toll! Aber mein grösster Wunsch ist: Bonnie Raitt!!!
Bluesmagazine: Was können wir von Warren Haynes in der Zukunft noch alles erwarten?
Warren: Auf jeden Fall Musik machen und arbeiten wie jetzt. Ich mache, was ich schön finde, sodass ich später nicht bedauere, dass ich es nicht gemacht habe. Momentan bauen wir ein Studio bei mir zuhause und ich kann da meine Arbeit machen. Ideal.
In diesem Moment klopfte Tourmanager Peter Banka zum zweiten Mal an der Tür: »In zehn Minuten fängt die Show an, ihr müsst aufhören.«
Bluesmagazine: Vielen Dank, Warren!
Warren: I loved it, very nice interview, thanks!!
Ein schnelles Foto und weg war er Ö
Er kommt noch einmal zurück Ö
Warren: Nach der Show müsst ihr Backstage noch einen Drink mit uns nehmen!
Bluesmagazine: Machen wir!
Was für ein netter, freundlicher Mann.
Wir danken Gerrit Harmsen, Eva Knoepfler und Benn Forrester für ihre Beiträge in Bezug auf die Fragen.
Externe Links: