Mick Fleetwood Blues Band / Blue Again
Blue Again Spielzeit: 62:10 (Live-CD), 14:15 (Bonus-CD)
Medium: CD
Label: Tallman Records/Hypertension Music, 2008
Stil: Blues (Rock)

Review vom 26.12.2008


Jürgen Bauerochse
'Mick Fleetwood goes back to his roots', so könnte man kurz und bündig die Musik beschreiben, die diese Band sich auf die Fahnen geschrieben hat. Der Kult-Drummer und Mitbegründer, sowie Namensgeber von Fleetwood Mac kehrt mit seiner Blues Band zu den Wurzeln, sprich Anfangstagen seiner Karriere zurück und verarbeitet auf dieser Live-CD ausschließlich Material aus der Feder von Peter Green, der in den Sechzigern mit seinen Kompositionen für die ersten Erfolge der Band während des 'British Blues Booms' sorgte.
Die weiteren Titel steuerte Rick Vito bei, von 1987 bis 1991 ebenfalls Mitglied der Combo und schon damals glühender Verehrer des ersten Mac-Gitarristen, obwohl er damals mit der Band ganz andere Musik machte.
So kam die Gründung der Mick Fleetwood Blues Band fast zwangsläufig zustande, nachdem alte Streitigkeiten (die damals zum Ausstieg von Vito bei den Macs führten) ausgeräumt wurden und die aktuelle Besetzung von Fleetwood Mac eine schöpferische Pause einlegte. Günstig wirkte sich auch noch der gemeinsame Wohnort der Bandmitglieder aus, die inzwischen allesamt auf Hawaii zuhause sind, und so ein problemloses Proben gewährleistet ist.
So standen also alle Zeichen auf grün, als die Mick Fleetwood Blues Band bei ihrem Gig am 8. Februar 2008 in der Sheldon Concert Hall, St. Louis, Missouri, die Bandmaschinen mitlaufen ließ und so ihr erstes Album entstand. Die Setlist besteht aus je fünf Songs von Rick Vito und Peter Green, sowie der Elmore James-Nummer "Shake Your Moneymaker", die in den Sixties auch schon zum Repertoire der Ur-Fleetwood Mac gehörte.
Wie nicht anders zu erwarten, dominiert bei den Songs in den meisten Fällen die Slide-Gitarre, denn schließlich gilt Vito nicht umsonst als absoluter Könner mit dem Bottleneck. Auch gesangstechnisch passt er sehr gut ins Bandkonzept. Die alten Fleetwood Mac-Klassiker unterscheiden sich kaum von den vierzig Jahre alten Originalen.
Sehr interessant ist auch der Einbau der Tasteninstrumente. Egal ob Orgel-Sounds oder ein rollendes Boogie-Piano die Stücke begleiten, die Sache passt ganz einfach optimal zusammen. Großes Lob auch an die Rhythmus-Fraktion. Mick gibt, wenn nötig, ordentlich Feuer und wird dabei von Lenny Castellanos an den dicken Saiten astrein unterstützt. Die Beiden sorgen für reichlich Druck im Kessel, sodass die Stücke richtig schön abgehen.
Für mich als Liebhaber des alten Fleetwood Mac-Materials stellt das Wiederhören dieser Titel in so aktuellen Versionen einen wahrhaften Hörgenuss dar. Schade, dass ich die Mick Fleetwood Blues Band im Oktober auf ihrer Deutschland-Tour (zu deren Beginn diese CD pünktlich erschienen ist) verpasst habe.
Natürlich gibt es bei "Rattlesnake Shake" und "Stop Messin' Around" nicht mehr solche klanglichen Ausuferungen, wie bei den Originalen, diese Zeiten sind wohl endgültig vorbei, und es bleibt auch alles in einem gesetzteren Rahmen, aber trotzdem machen die Stücke sehr viel Spaß.
Doch fast noch interessanter sind für mich die Kompositionen von Rick Vito. So gehört der Opener "Red Hot Gal" mit seinem treibenden Tempo und Rhythmus schon mal zu meinen persönlichen Favoriten, dicht gefolgt vom Slow Blues "Love That Burns" mit einem klasse gespielten 'Zwiegespräch' zwischen Orgel und Slide. Ein wunderschöner ruhiger 12-Takter, dargeboten von hervorragenden Interpreten. Stark, dass sich Mick Fleetwood auf seinen Ursprung rückbesonnen hat, bevor er im nächsten Jahr wieder in die Pop- und Mainstream-Gefilde der aktuellen Mac-Besetzung zurückkehrt.
Ein weiterer Höhepunkt des Konzertes ist ohne Zweifel "Black Magic Woman" in einer ganz starken Version. Obwohl recht nah am Original, drückt Rick Vito dieser Aufnahme doch seinen persönlichen Stempel auf. Super gemacht! Wenn jetzt noch "Oh Well" und "The Green Manalishi" folgen würden, hätte ich ohne zu zögern die 'Tipp'-Grafik gezogenů
Doch es gibt auch etwas zu bemängeln. Neben diesen Live-Aufnahmen sind noch vier Studio-Songs, allesamt instrumental und stark eingespielt, mit von der Partie. Auch wieder zwei Stücke von Vito und zwei von Green. "Albatross" ist ebenfalls dabei, wunderbar! Aber deshalb von einer »Doppel-CD« zu sprechen, ist nun wirklich Augenwischerei bei einer Spielzeit von etwas mehr als 14 Minuten. Das muss nun wirklich nicht sein!
Trotzdem überwiegt das Positive an dieser Produktion. Bleibt zu hoffen, dass die Mick Fleetwood Blues Band über längere Zeit bestehen bleibt, wie es der Namensgeber in einem Interview angekündigt hat, und nicht nur ein Lückenfüller zwischen den langen Pausen von den Fleetwood Mac der Gegenwart gewesen ist.
Line-up:
Mick Fleetwood (drums)
Rick Vito (guitar, vocals)
Mark Johnstone (keyboards, backing vocals)
Lenny Castellanos (bass, backing vocals)
Tracklist
Live-CD:
01:Red Hot Gal
02:Looking For Somebody
03:Fleetwood Boogie
04:Stop Messin' Around
05:Rattlesnake Shake
06:When We Do The Lucky Devil
07:Love That Burns
08:Medley:Rollin' Man / Bayou Queen
09:Black Magic Woman
10:I Got A Hole In My Shoe
11:Shake Your Moneymaker
Bonus-CD:
01:Albatross
02:Napili Noctourne
03:The Supernatural
04:La Mer D'Amour
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