Mit "Hatred Of A Minute"
habe ich das Morgen meines neuen Ichs
im Jetzt gefunden und umgesetzt.
Bad Brückenau »Jeder Techniker wäre durchgedreht, wenn er 80 Musiker um sich rumschwirren hätte«.
Frank Liesener hat einen Riesen-Stab von Musikern versammelt, die an seinem neuen Album mitgewirkt haben.
Lesen wir also, was er über die Entstehung seines neuen Albums zu berichten hat:



Interview vom 25.11.2006


Tom Machoy
RockTimes: Mit Hatred Of A Minute ist eine tolle CD entstanden. Ich habe gelesen, dass das Deine Art der Reaktion auf die Vergangenheit ist - willst Du dazu kurz etwas sagen?
Frank: Das Album ist ein Statement, dass sich auf die letzten Jahre meines emotionalen Wahnsinns und meiner musikalischen Schizophrenie bezieht. Eine Kampfansage an mich selbst, nicht aufzugeben und die Scheiße, die in den letzten Jahren passiert ist, akustisch zu verarbeiten und nicht durchzudrehen. Auf dem Weg zum Tod habe ich gelernt, zur Poesie des Lebens zu tanzen.
RockTimes: Ist die Vergangenheit damit abgeschlossen, wird es weitere Musik dieser Art geben oder wird es Musik sein, die eine andere Richtung einschlägt?
Frank: Mit "Hatred Of A Minute" habe ich das Morgen meines neuen Ichs im Jetzt gefunden und umgesetzt. Ich habe angefangen, aus Saulus Paulus zu machen und meine Energien positiv einzusetzen. Natürlich wird es weiter in die bisherige Richtung gehen, nur mit noch mehr Leuten, noch mehr Kraft und einer Menge mehr Willen, Dinge zu verändern. Ich habe beispielsweise beschlossen, das nächste Album interaktiv zu gestalten. Ich werde quasi meine Musik und meine Stimme 'ausleihen', um Texte und Ideen von Fans umzusetzen. Das ganze Projekt heisst 'Words from the Underclass' und wird auf dem Weg weitermachen, den wir bereits mit den Skunk Allstars und im Folgenden mit Frank And His Skunk Allstars begonnen haben zu beschreiten; dieses Mal eben nur noch konsequenter, noch experimentierfreudiger und noch abwechslungsreicher.
RockTimes: Wie kam es zur Umsetzung der Ideologie der 'Unity' ?
Frank: Zu 'Unity' gibt es zu sagen, dass viele davon reden und wenn es drauf ankommt, aber nicht wissen, was es eigentlich bedeutet. Was nicht heißen soll, dass ich es immer wusste, ich habe selbst genug Dreck am Stecken gehabt und kämpfe auch jetzt noch gegen die Schatten meiner Vergangenheit. 'Unity' bedeutet für mich, ein Gedicht mit den Augen zu lesen und mit dem Bauch zu verstehen. Auf der CD sind viele alte Freunde und neu gewonnene von uns am Werk gewesen. 'Unity' heißt für mich zusammenhalten - auch in schwierigen Zeiten. Es bedeutet für mich auch, Künstlern und kreativen Köpfen die Möglichkeit zu geben, sich einzubringen, zusammen etwas zu erschaffen, zusammen aufzuschreien und als Kollektiv zu handeln. Gemeinsam in eine Richtung zu gehen, dabei aber nicht dogmatisch zu lenken, sondern eben das Potential und die Möglichkeiten aller nutzen, um zu etwas Positivem zu gelangen. 'Unity means more to me than the city key to shangri la'.
RockTimes: Was bedeutet 'Franks kreativ-verrückte Welt' ?
Frank: Es bedeutet sich durch den Wahnsinn zu träumen, Grenzen einzureißen, auch wenn andere sich das Maul darüber zerreißen. Mit blauen Flecken aufzuwachen, aber mit dem Endresultat zufrieden sein zu können. Ich liebe meinen Wahn aus Leidenschaft!!! Auch wenn ich ihn manchmal sehr einsam lebe!
RockTimes: Über welchen Zeitraum entstand eigentlich die CD?
Frank: Insgesamt waren wir 12 Monate im Studio mit Aufnahmen beschäftigt. Die Fertigstellung, also der Mixdown und das alles hat weitere 2 Monate gedauert. Inklusive aller Vorbereitungen kann man sogar von 22 Monaten sprechen. Bis es dann zu einem Release kam, vergingen leider noch einmal weitere 4 Monate. Das hatte damit zu tun, dass ich die richtigen Partner finden wollte.
RockTimes: Du kanntest bereits einige Musiker der Skunk Allstars - war es schwer sie und all die anderen Musiker und Mithelfenden von Deinem Projekt zu überzeugen?
Frank: Nein, das hat dank der Mithilfe von vielen Leuten, unter anderem Eva Kurz (meine persönliche Assistentin) alles recht gut geklappt. Ich hatte viele Kontakte bereits vor den Aufnahmen aufgrund von persönlichen Bekanntschaften und früheren Projekten, die wir zusammen aufgezogen haben. Die restlichen Kontaktaufnahmen habe ich dann über die Monate hinweg aufgebaut.
RockTimes: War die Arbeit dadurch einfacher?
Frank: Das kann man nicht unbedingt behaupten - es ist ja schon allein logistisch ein Problem all die Ideen und Musiker irgendwie unter einen Hut zu bringen. Während der Arbeit an "Hatred Of A Minute" sind viele Inspirationen und neue kreative Einflüsse hinzugekommen. Das war es auch, worum es mir ging. Auch wenn ich oft dazwischen gehen musste, da ich ja ein Konzept in meinem Kopf hatte, das ich unter Zeitdruck umsetzen musste, um nicht den finanziellen Rahmen komplett zu sprengen. Was dann doch passiert ist (lacht).
RockTimes: Es wurde in acht Ländern produziert - gab es ein gemeinsames Treffen aller Musiker
Frank: Nein, das war schlicht und einfach nicht möglich. Da wäre sicher auch jeder Techniker durchgedreht, wenn er 80 Musiker um sich rumschwirren hätte, außerdem wäre es finanziell noch teurer geworden und es hätte bestimmt noch einige Jahre länger gedauert, das Album so umzusetzen. Aber es sind Touren geplant, bei der der größte Teil der Besetzung live mit mir spielen wird.
RockTimes: Gab es eine feste Besetzung für alle Titel, außer Dir?
Frank: Nein, letztendlich gab es nur mich und meinen Produzenten Jan Bekker, der mich in vielen Sachen extrem stark unterstützt hat.
RockTimes: Gab es Musiker, mit denen Du besonders gern zusammengearbeitet hast?
Frank: Ja, gerade KnowledgeBorn07, Dread Crazy, The Swing Cats, Pleasant Problem, Dread Daze, Brian Bertrand und Dready Loco. Das war mir sehr wichtig und lag mir sehr am Herzen, dass die Jungs mit dabei sind.
RockTimes: Hattest Du die CD bereits im Kopf oder sind die Titel aus der Produktion heraus entstanden?
Frank: Sowohl als auch. Mein Kopf ist voll mit vollendeten und unvollendeten musikalischen Geschichten. Durch die Zusammenarbeit mit den Musikern aller Coleur hatte ich immer wieder die Möglichkeit, meine musikalischen Geschichten in neue Szenarien einzubinden und zu vollenden.
RockTimes: Mit wem würdest Du gern mal zusammenarbeiten und welche Musik spielen?
Frank: Ich würde gerne mit Flogging Molly einen Song machen und den mit einem klassischen Orchester aufnehmen und Gentleman als Guest mit einbinden.
RockTimes: Was bevorzugst Du sonst noch für Musik?
Frank: Die meiste Zeit wird sowieso alles von der Musik in meinem Kopf überlagert, aber ich denke, ein freier und hungriger Geist sollte sich allen erdenklichen Einflüssen aussetzen. Im Moment höre ich viel Reggae und Swing, Ska, Dancehall und Latin Bands.
RockTimes: Wieso gibt es, trotz der guten Musik, nichts in den Medien zu hören?
Frank: Ich denke es hat viel damit zu tun, dass ich nicht die Ärsche von Leuten lecke, die Hitpotential auf einer Couch erkennen, wenn die Bluse oder der Schwanzschlitz weit geöffnet sind. Außerdem wird wohl mein Kopf zu krank für ihre Realität sein. Ich fliege halt schneller, als sie laufen, auch wenn ich mich ihrer Geschwindigkeit anpasse. Die wichtigen Magazine berichten ja. Die Reviews sind bis auf ein paar Ausnahmen ja alle positiv und recht überschwänglich geworden.
RockTimes: Wird es mit "Hatred Of A Minute" Live-Auftritte geben?
Frank: Ja, im Moment arbeite ich mit einer deutschen Band an der Umsetzung des Livekonzepts für "Hatred Of A Minute" und ich denke 2007 werden wir soweit sein, es auch live zu präsentieren und nicht nur das, sondern es auch dem Publikum verständlich zu machen.
RockTimes: Du hast eine treue und große Fangemeinde (Myspace Fan Community), bereits unzählige Konzerte gegeben, bist überaus vielseitig - was gibt es in Deiner Zukunft zu tun?
Frank: Im Moment arbeite ich ja an meinem Mammutprojekt 'Words From The Underclass' und bin an den Dreharbeiten für die Dokumentation zu diesem beschäftigt. Das Projekt wird etwas total Neues sein, wir werden erstmalig ein multinationales und verbindendes Musik-Kunstprojekt zum Leben erwecken, bei dem wir mit den beteiligten Musikern vor Ort Stücke einspielen. Dies wird in 27 Ländern, unter anderem auch in Indonesien, Israel und anderen sozial nicht so gut gestellten Staaten geschehen und somit Grenzen überschreiten, Barrieren hinter sich lassen und den Menschen und die Kunst in den Vordergrund zu stellen.
In diesem Projekt geht es darum, den Menschen als Kunst in der Kunst zu präsentieren, ihn als Einzelkomponente in ein Ganzes einzufügen und den Geist einer Seele zu dem Schrei tausender kreativer Köpfe zu machen. »The rest of the world is all of us!!!«
An dem Projekt werden wir um die tausend Leute mit einbinden. Viele Companies unterstützen uns bei dem Vorhaben; unter anderem Irie Daily, Firetrap und Eastpak. Nein, keine Werbung, sondern der Wille zur Veränderung und der Dank an die, die meine Ideen nicht belächeln. So und da es auch meinen letzten Worte in diesem Interview sind, würde ich mich gerne noch bei ein paar Leuten bedanken, die seit Monaten dabei sind, dieses Project mit mir umzusetzen: Dreadmaster D, DJ Doc phlILL, Caro, Eva, Mike und Mr. Houver, Martina und Jam :-)
RockTimes: Frank, vielen Dank für das Interview. Wir wünschen Dir viel Glück und Erfolg für Deine weitere Arbeit.
Wir danken Caro und Gernot von Long Beach Records, die uns das Gespräch mit Frank ermöglicht haben.
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