St. Patrick's Day Celebration Festival (SPDCF) 2006
Pumpwerk, Wilhelmshaven
Pumpwerk St. Patrick's Day Celebration Festival (SPDCF) 2006
Pumpwerk, Wilhelmshaven
18. März 2006
Festivalbericht


Artikel vom 19.01.2009


Wolfgang Giese
Wie jedes Jahr in eine Nord- und Südtour aufgeteilt, zählte am 18.3.2006 auch das Pumpwerk in Wilhelmshaven wieder zu einem der Auftrittsorte. Dieses Jahr, wie es der Moderator formulierte, jenem Auftrittsort, der Irland am nächsten liegt.
Nach Jahren der Abstinenz ist man natürlich etwas 'heiß' auf diese Veranstaltung, die uns in der Vergangenheit solche Bands und Musiker wie Toss The Feathers, The Paperboys, Spirit Of The West, Rawlins Cross, Jennifer Roland, Reckless Pedetrians (einst mit dem Sänger der Band Raemon) u.v.a. vorstellte und diese uns aufs Beste unterhielten.
Geplant für die Nordtour waren Jim Hayes & Friends aus Irland, Beòlach aus Kanada und The Aberlour's aus deutschen Landen.
In irischem Ambiente geschmückt, mit keltischen Symbolen und Luftballons in irischen Farben, war alles vorbereitet für die große Party. Leider dann die traurige Mitteilung, dass Jim Hayes, der 1933 geborene, irische Sänger aus Krankheitsgründen die diesjährige Tour nicht mitmachen konnte. Er sei vor 14 Tagen operiert worden und noch im Krankenhaus. Schade - auf den alten Herrn hatte ich mich gefreut, denn Urgesteine irischer (keltischer) Folklore kennen zu lernen - diese Chance hat man nicht jeden Tag, zumindest nicht in diesem Lande.
Seine Mitmusiker und Begleiter, Ian Smith an der Gitarre und Gesang sowie Donna Harkin an Akkordeon und Whistles, hatten sich jedoch bereit erklärt, ein leicht abgeändertes 'Ersatzprogramm' anzubieten und bestritten somit den ersten Teil des Abends.
Das war Musik, die sicher besser in einen schönen irischen Pub gepasst hätte, mitten zwischen den Gästen. Smith trug mit kraftvoller Stimme (bisweilen mit einem Klang, der mich an Gene Clark erinnerte) wunderbare Balladen vor und begleitete einfühlsam auf seiner akustischen Gitarre. Donna Harkin schuf mit dem Akkordeon die entsprechend 'fernwehliche' Stimmung. Im großen Saal verlor das leider, auch ob der Unaufmerksamkeit vieler, etwas an Stimmung.
Dazu brachten die beiden die typischen Jigs, Reels und Airs, instrumental sehr präzise vorgetragen, obwohl Mrs. Harkin sich vorbeugend entschuldigte, wegen ihres täglichen Konsums von 20 Zigaretten eventuell nicht in der Lage zu sein, die tin whistle virtuos genug spielen zu können. Aber sie konnte. Bei einem Stück gesellte sich der Schlagzeuger der Aberlour's dazu und verlieh der Musik noch etwas Druck. Beide kommentierten mit leicht ironischen, sich gegenseitig treffenden Verbalattacken ihre Auswahl der Stücke. Schön, vielleicht zu kurz war es und das Umfeld hätte anders sein können.
Nach einer kurzen Pause dann die fünfköpfige Band aus Cape Breton, Nova Scotia, Kanada. Beòlach traten auf mit Wendy MacIsaac und Mairi Rankin an den fiddles, Ryan J.MacNeil (flutes, whistles, pipes), Mac Morin (keyboards, accordeon) und Patrick Gillis (ac. guitar).
Seit 1998 existiert diese Band, wie wir erfuhren, allesamt mit schottischen Vorfahren, die die Traditionen der Musik der schottischen Einwanderer in Nova Scotia seitdem hoch hält und auf ihre Weise interpretiert, indem sie bisweilen etwas druckvoller dargeboten wird. Der beiden Fiddlerinnen wegen, konzentrierte sich die Musik hauptsächlich auf dieses Instrument. Es gelang den beiden Damen, unisono oder sich ergänzend, die Melodienvielfalt der schottischen Folklore gelungen und professionell darzubieten. Der Flöten- und Dudelsackspieler ergänzte den Gesamtsound sehr harmonisch und durch den treibenden Rhythmus von Gitarre und E-Piano ergab das Ganze einen druckvollen Klang, mit klugen Rhythmuswechseln und abwechslungsreicher Stückeauswahl, die auch noch zweimal durch Step-Einlagen unterstützt wurde - einmal solo durch den Keyboarder sowie ein weiteres Mal mit den beiden Fiddlerinnen. Professionell vorgetragen, rundete dieses das Programm gelungen ab, aber trotzdem gab es aus meiner Sicht einen Wermutstropfen: nämlich, dass hier reine Instrumentalmusik vorgetragen wurde. Eine Ballade mit schönem Sangesvortrag hätte ich mir dann doch gewünscht.
Nach einer weiteren Pause betrat die Band Aberlour's unter Einsatz von Trockeneis, also in leichte Nebelschwaden eingehüllt, das Geschehen. Das Instrumentarium deutete bereits darauf hin - es wird laut...
Klaus Adolphi (Gesang und diverse Saiteninstrumente, alle elektrisch verstärkt), Steffen Knaul (Fiddle), Andreas Fabian (Flöten), Kai Büttner (Bass) und Matthias Schimetzek am Schlagzeug, verbreiteten dann auch gleich viel Rockstimmung im Publikum, vielleicht zum Unwohl jener, die von Folkveranstaltungen ruhigere Klänge gewohnt sind, jedoch zur Freude der Rockfreunde im Publikum. Denn was den Vormusikern nicht gelang, das 'Volk' zum Tanzen zu bewegen, gelang hier irgendwie ganz automatisch.
Anfänglich erinnerte mich die Band leicht an Rawlins Cross, weil auch Adolphi am Gesang dieses leicht rauchige Element von Joey Kitson offerierte. Er machte seine Sache als Sänger durchaus gut. Mein Favorit der Band war jedoch Knaul an der Fiddle, dessen Einsatz für mich leider viel zu kurz kam, weil er sich letztlich im Gesangklangbild der vorgetragenen keltischen Melodienfolgen verlor, und so nur selten sein solistisches Können aufblitzen ließ.
Durch Vorankündigungen wurde der Band die Nähe zu Jethro Tull bescheinigt, die ich jedoch nicht bestätigt sah, nur, weil hier ein Flötist dabei war. Dieser spielte mir ohnehin zu stereotyp, gruppen- und klangdienlich, aber mehr auch nicht. Bass und Schlagzeug erfüllten ihre Begleitfunktion vortrefflich, aber die jeweiligen kurzen Soli beider konnten mich nicht vom Hocker reißen.
Insgesamt sicher eine gute Band, der es gelungen war, auf solider Rockbasis keltische Elemente einfließen zu lassen, nur vermisste ich hier die 'Naturgegebenheit' oder Natürlichkeit beispielsweise der beiden ersten Interpreten, um auf mich überzeugend zu wirken. Eine Bereicherung der deutschen Szene durchaus, aber es konnte 'mein Mark' nicht treffen. Darüberhinaus war das auch alles sehr ernsthaft vorgetragen und lediglich der Sänger versuchte etwas Humor hineinzubringen.
So sollte derjenige aus dem Publikum, der einen zungenbrecherischen Text auf der Bühne zum Besten gab, eine Gratis-CD erhalten. Ein weiblicher Gast traute sich und könne nun von sich behaupten, zusammen mit den Aberlour's aufgetreten zu sein, so Adolphi.
Absoluter Höhepunkt, wie so oft bei diesem Festival, die abschließende Session, bei der sich nach und nach alle Interpreten auf der Bühne treffen und gemeinsam einige Stücke zum Besten geben. Manche hatten sich nett mit grünen Perücken geschmückt und brachten gleich gute Laune mit. Dieses Mal kein "Brown Eyed Girl": Die Jamsession startete mit Bots' »Was wollen wir trinken?«, in einer Instrumentalfassung. Krönend und mich wirklich emotional vom Hocker reißend, gar zum Mitsingen animierend, war eine wunderbar warmherzig vorgetragene Version des Klassikers "Wild Mountain Thyme", wobei Ian Smith so herrlich gefühlvoll gesanglich agierte, dass es einfach nur schön war. Dazu dieser massive Klangkörper hinter ihm, traumhaft war das. Alle zusammen, den ganzen Abend über - ich glaube, das wäre es gewesen.
So bleibt mir nur festzustellen, dass keiner der Interpreten für mich außerordentlich beeindruckend war, wie ich es bei vergangenen Festivals erlebt hatte. Nicht enttäuschend, nur eine Feststellung. Hoffen wir, dass Jim Hayes bald wieder genesen ist, und sich traut, ein Jahr älter, nächstes Jahr dabei zu sein.
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