15. Schmölzer Blues Tage
vom 12. - 14. September 2008,
Gemischte Kost und gute Stimmung zum kleinen Jubiläum
15. Schmölzer Blues Tage 15. Schmölzer Blues Tage
vom 12. - 14. September 2008
Gemischte Kost und gute Stimmung zum kleinen Jubiläum
Festivalbericht
Stil: Blues und Verwandtes



Artikel vom 18.09.2008


Norbert Neugebauer
15. Schmölzer Blues Tage15 mal Blues in 16 Jahren in Schmölz - die Fans honorierten den Aufwand, den die privaten Veranstalter seit 1993 mit großem Engagement jeweils im September für ihr Festival aufbringen, auch diesmal. Drei Tage lang alle Gästebetten im Dorf und Umgebung ausgebucht, volles Zelt und gute Stimmung, wie immer ein hinsichtlich der Bandauswahl nicht puristisches Programm und ein Umsatz, der wohl auch heuer entscheidend dazu beitragen wird, dass die Schmölzer Blues Brothers mit einer 'schwarzen Null' über die Runden kommen.
15. Schmölzer Blues TageAuch diesmal fehlte nichts, was dieses Event für die feste Live-Musik-Fangemeinde in Oberfranken und Umgebung so besonders macht. Vom typischen Blues-Wetter (Regen am Freitag, Vollmond am Samstag, Sonnenschein beim sonntäglichen Frühschoppen), über das leckere Hetzel Bräu aus der Fränkischen Schweiz, den anständigen Fressbuden-Service samt dreierlei Bräten mit Klößen am Sonntag, den auf seinen Stühlen Autogramme sammelnden Fabrikanten, die gute Organisation einschließlich standfester Helferschar bis zum Landrat, der in seiner Heimatgemeinde auch mitfeiert. Selbst die Ordnungshüter absolvierten ihren obligatorischen Höflichkeitsbesuch wegen der unbluesigen Nachbarschaft mit gewohnter Routine. Und natürlich die internationalen Künstler, die den Fans richtig einheizten.
15. Schmölzer Blues TageGleich vornweg, Musik ist natürlich immer Geschmackssache und selten wird ein Billing das Gros der Besucher komplett zufrieden stellen. Auch diesmal gab es ob der Auftritte geteilte Meinungen, wobei das 'kritische' Blues Tage-Publikum noch nie eine Band von der Bühne gepfiffen hat (was manchmal durchaus angebracht wäre). Aber neben den Stamm-Fans hatten auch viele neue Gesichter offensichtlich ihren Spaß an den Gruppen, die diesmal aus Franken, Frankreich, Belgien, Holland und USA stammten und die für reichlich Party sorgten.
The Hot Rockin' Blackbirds»Mit Rockabilly kann man nichts falsch machen« dieser Spruch aus dem Mund eines Musikers, der selbst schon die Blues Tage eröffnet hat, traf auch auf die diesjährigen Opener zu. Die Hot Rockin' Blackbirds aus der näheren Umgebung, noch mit beschränktem Repertoire, heizten am Freitag schon mal kräftig vor und durften sich mit einer Zugabe vom bereits gut besuchten Zelt verabschieden. Allerdings verpuffte die Wirkung ziemlich schnell, da die Los Angela Bluesband aus den Niederlanden beim ersten Gig in Deutschland mit ihrem zweitteiligen Set einen ziemlichen Einheitsbrei servierte. Egal, ob bekannte Standards oder neuere Versionen, das was die junge Sängerin mit ihren drei Begleitern bot, hörte sich doch über weite Strecken recht gleich an. Gegen Ende des Auftritts gelang es ihnen jedoch, das bis dahin recht reservierte Publikum vor die Bühne zu locken und dann mit einem satten Zugabenteil
(Led Zeps "Rock'n'Roll", "Born to Boogie", "Got My Mojo Workin'") zum Tanzen zu bringen.
Los Angelas Bluesband     Los Angelas Bluesband     Los Angelas Bluesband
Los Angelas Bluesband     Los Angelas Bluesband     Los Angelas Bluesband
Durch den überlangen Set kam der Haupt-Act des Abends, von Festival-Macher Uwe Angermüller als langjährigen Wunschgast angekündigt, reichlich spät auf die Bretter. Doch The Ugly Buggy Boys mit Firlefanz-Deko und Hillbilly-Klamotten waren dann sofort der Knaller der diesjährigen Blues Tage. Hinter ihrer komischen Aufmachung mit allerlei Hut-Klamauk steckte eine richtig heiße Truppe, die das Zelt zum Kochen brachte. Das belgische Trio mit Senior Averell 'T.C.' Mac Ronald an E-Gitarre und Lead-Gesang, Nick O'Sand am Mini-Schlagzeug (kupferne Marsch-Snare Drum, Bassdrum und Becken, gespielt mit Besen) sowie Gesang und Holly Dee Dice Dalton am Kontrabass/Gesang spielte eine undefinierbare Mischung aus Gute Laune-Songs, auf die die Fans sofort ansprangen. Swing, Country, Bluegrass, Rag, Country Blues - von jedem etwas und mit Slapstick-Einlage garniert. Die drei Herren überzeugten jedoch nicht nur mit ihrer Show, auch musikalisch ließen sie nichts anbrennen. Als 'T.C.' das Glasröhrchen auspackte, war Boogie-Time. Und wie, sicher 20 Minuten lang am Stück rollte, groovte und qualmte es da aus der PA! Zum Anschluss turnte Holly auf seinem Bassungetüm mit dem Pin Up-Girl herum und die Leutchen vor der Bühne flippten endgültig aus. Als Zugabe gab's "Got My Mojo Workin'"
The Ugly Buggy Boys     The Ugly Buggy Boys     The Ugly Buggy Boys
The Ugly Buggy Boys   The Ugly Buggy Boys   The Ugly Buggy Boys
The Ugly Buggy Boys   The Ugly Buggy Boys   The Ugly Buggy Boys
Fat Harry Und Monique De JongFat Harry ist ein dünner Hering aus Rotterdam und rettete am Samstag, zusammen mit seinen Fuzzy Licks, den guten Ruf der holländischen Blueser in Schmölz. Schöner traditioneller Blues im Stil der drei großen Kings, gepaart mit einem ordentlichen Schuss Showtalent, die Fans freuten sich über den starken Auftritt des Quartetts, bei dem die sicher 1,90 m große Monique de Jong einen besonderen Hingucker bot. Nach dem ersten Set kam ihr Stargast mit auf die Bühne, Mr. Big Bones aus San Francisco.
Jack Hill Und Big BonesAls Harpplayer im traditionellen Blues-Stil war der Mann im glänzenden Anzug sicher erste Kategorie, aber seine tiefe, gutturale Stimme setzte das Highlight für seinen Auftritt. Die Band begleitete den charismatischen Spaßvogel perfekt und ließ ihn trotz der eigenen Qualitäten immer den Vortritt. Allerdings geriet ihm der Mittelteil mit seinen eigenen Nummern etwas zu low blue, da ließ die Aufmerksamkeit im Zelt merklich nach. Doch rechtzeitig zum Finale zogen Big Bones und die Fuzzy Licks wieder an und beendeten den Set mit einer satten Zugabe: "Got My Mojo Workin'"
Big Bones     Big Bones     Big Bones
Fat Harry Und Big Bones     Monique de Jong     Monique De Jong Und Rene Schutte
Dass ausgerechnet bei ihrem Gig die Herren mit den schönen Lederjacken Beschwerden wegen zu hoher Lautstärke übermittelten, verursachte einhelliges Kopfschütteln. Im Zelt konnte man sich jederzeit problemlos unterhalten, während bei früheren Blues Tagen des Öfteren Gehörschutz angesagt war. Die Aussteuerung war an beiden Tagen zwar immer leicht breiig und am Freitag mit einer deutlichen Überbetonung der Snaredrum, aber zu laut war's sicher nicht. Freilich, in der ansonsten ländlichen Stille Schmölz' war dem Blues spätnachts wohl kaum zu entkommen.
Nina Van HornNina Van Horn »you know I was born in France but raised in Texas« sollte dann die obligatorische Blues Rock-Nummer werden, die schon typisch für die Samstags-Bluesnacht ist. Angekündigt als Frankreichs 'einzige Rockröhre' röhrte die keineswegs mehr taufrische Madamme dann tatsächlich ausgiebig, aber das auch ausschließlich. Während die Fans vorn noch mal Party feierten, leerte sich das Zelt hinten umso schneller. Nein, das war nichts mehr für die bereits seit zwei Nächten bluesgetränkten Ohren, auch der Berichterstatter schwang sich vorzeitig auf seinen Gaul und ritt noch vor dem Morgengrauen gen heimischen Frankenwald. Am Sonntagvormittag meldete ein bestens gelaunter Uwe nochmals volle Bude, den Leuten schmeckte bei freiem Eintritt sowohl der bläserverstärkte Auftritt der kurzfristig eingesprungenen MoJo (!) aus dem nahen Lichtenfels, wie die Bräten des Catering-Service. Beim Verfassen dieses Berichts am späten Sonntagnachmittag war dem Vernehmen nach der Frühschoppen noch in vollem Gang.
Nina van Horn     Nina van Horn     Nina van Horn
Der Verfasser dieser Zeilen wundert sich einmal mehr, ob es irgendeinen Kodex gibt, der die Interpreten von Blues-Nummern nötigt, komische Hüte zu tragen und sich auf dieselbe Zugabe zu einigen
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