2. Night Of The Prog, 21. & 22.07.2007
Freilichtbühne Loreley, St. Goarshausen
2. Night Of The Prog 2. Night Of The Prog
Freilichtbühne Loreley, St. Goarshausen
21. & 22.07.2007
Fotos: Dieter Ober
Prog Rock hoch überm Rhein



Artikel vom 01.08.2007


Ralf 'Jogi' Ruhenstroth
Als am 28.07.2006 die Lichter der 1. Night Of The Prog auf der Loreley ausgingen, war klar, dass es eine Fortsetzung geben musste. Die Atmosphäre auf einer der schönsten Freilichtbühnen in Europa macht jedes Konzert zu etwas Besonderem. Um so erfreulicher war es, dass der Veranstalter Winfried Völklein dieses Event im Jahr 2007 gleich auf zwei Tage auslegte und für ein mehr als ansprechendes Line-up sorgte. Bis ins kleinste Detail durchorganisiert, waren in diesem Jahr die letzten kleinen Unzulänglichkeiten, wie zu wenig Imbissbuden, beseitigt. Und so kamen an den beiden Tagen ca. 9000 Fans auf den ehrwürdigen Felsen, um den Bands aus dem progressiven Spektrum beizuwohnen.
Noch im strömenden Regen setzten wir am Samstag in der Mittagszeit mittels Fähre über den Rhein, um bei pünktlicher Ankunft für den Rest des Festivals den Regenschirm einzuklappen. Temperaturen von knapp über 20C brachten ideale Bedingungen. Wie schon im vergangenen Jahr, sorgte über die beiden Tage eine professionelle Stage-Crew dafür, dass die Umbauzeiten zwischen den einzelnen Auftritten möglichst kurz gehalten wurden.
Jebo

Und nach erfolgtem Soundcheck betraten die Briten Jebo als erste die Bühne. Sie hatten also die schwere Aufgabe, das Festival zu eröffnen. Nun, das ist ihnen ganz gut gelungen. Mit ihrem aktuellen Album "Sinking Without You" hatte die Band ideale Songs anzubieten, so dass die zu diesem Zeitpunkt noch nicht so zahlreich erschienenen Besucher frühzeitig Begeisterung zeigten. Sowohl der Titeltrack, als auch "Threw It Away", das rockige "Nowhere Left To Hide" und vor allen Dingen "Lighthouse", waren eine ideale Einstimmung auf das Festival. Ca. 60 Minuten Spielzeit wurden von Jebo effektiv genutzt. Diese Musik, die in vielen Momenten an die großen Genesis erinnert, fand auch am aufgebauten Merchandise-Stand viele Abnehmer. Also dürfte der Auftritt von Jebo ein Erfolg gewesen sein.
Jebo       Jebo
Sylvan

Es folgten Sylvan aus Hamburg, die bereits bei der 1. Auflage der Night Of The Prog ordentlich abräumten. Besonders der Sound war 2006 beeindruckend und eine ideale Grundlage, das Konzeptalbum Posthumous Silence vorzustellen. In diesem Jahr hatten die Hamburger um Sänger Marco Glühmann zu Anfang enorme Probleme mit den Reglereinstellungen. Noch dazu prasselte ein Mikro auf das Becken von Schlagzeuger Matthias Harder. "Posthumous Silence" genießt in Szenekreisen höchstes Ansehen und wurde somit auch nicht ganz aus der 2007er-Setlist gestrichen. Zwar eröffnete die Band ihre Show mit zwei neuen Songs vom aktuellen Silberling Presets, aber dann folgten auch schon knapp 35 Minuten aus besagtem Konzept. Und man ließ sich nicht lumpen, indem man abschließend noch einen weiteren Schritt zurück ging. "Artificial Paradise" kam auch 2007 wieder sehr gut bei der Gemeinde an. Sylvan präsentierten auch ihren derzeitigen Gitarristen Guido Bungenstock. In einem persönlichen Gespräch mit der Band nach dem Gig, konnten wir in Erfahrung bringen, dass Kay Söhl wohl nicht mehr zu Sylvan zurückkehren und somit auch nicht am 1. September die geplante DVD-Aufnahme spielen wird. Schade, aber Sylvan sind derzeit wirklich sehr gut in Form.
Setlist:
When The Leaves Fall Down
One Step Beyond
That's Why It Hurts
Posthumous Silence (35 Minuten)
Lost
Artificial Paradise
Sylvan       Sylvan
IQ

Noch am Morgen ereilte uns die Neuigkeit, dass Martin Orford die Band IQ verlassen wird. Somit war klar, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit einer der letzten Shows mit ihm auf deutschem Boden sein wird. Peter Nicholls und vor allen Dingen Bassist John Jowitt hatten allerbeste Spiellaune. Gitarrist Michael Holmes brachte insbesondere im zweiten Teil der Show einen unnachahmlichen Sound auf die Bühne. Dazu ordentlich Groove von Drummer Andy Edwards und somit kann man schon sagen, dass auch IQ einen zufriedenstellenden Auftritt boten. Okay, zum Neo Prog dieser Band gehört eigentlich auch eine prächtige Lightshow. Auf die mussten die Briten wegen der frühen Stunde noch verzichten. Na klar stand "Dark Matter" im Mittelpunkt des Konzertes, aber auch Auszüge aus der musikalischen Vergangenheit waren in ausreichender Anzahl vertreten. Wir sind gespannt, wie es mit der Band weiter geht, wenn Tastenmann Martin Orford tatsächlich, wie angekündigt, IQ verlassen wird.
Setlist:
The Wake
The Darkest Hour
Frequency
It All Stops Here
Sacred Sound
Breathtaker
Failsafe
Leap Of Faith
Human Nature
The Seventh House
IQ                 IQ
Asia

Kommen wir zum Headliner des ersten Tages. Asia hatten sich angekündigt, welche in Originalbesetzung anreisen wollten. Genau das geschah auch. Wer jetzt eine AOR-Show par excellence erwartete, der musste und durfte feststellen, dass Asia durchaus sehr proggig zu Werke gingen. Da fanden wir zum einen "Roundabout" von Yes in der Setlist. Steve Howe zeigte sich in bestechender Form. Und irgendwie kam jeder zu seinem Recht. Was gibt es besseres als "Fanfare For The Common Man" von ELP, wenn Carl Palmer persönlich am Drumkit sitzt? Mit "In The Court Of The Crimson King" von King Crimson gab es einen weiteren Prog-Klassiker. Das alles brachte die Festival-Besucher auf die Beine, die ihrer Begeisterung lautstark freien Lauf ließen. Das Schlagzeug-Solo von Mr. Palmer war im Übrigen mit das Beste, was ich jemals live gesehen habe. Der Mann ist fit und noch heute ein so begnadeter Drummer wie kaum ein anderer. Insgesamt spielten die Jungs anlässlich ihrer 25-Jahr-Ausgabe einen faszinierenden Gig, den sie mit "Heat Of The Moment" beendeten.
Asia       Asia
Setlist:
Intro
Sole Survivor
Wildest Dreams
Roundabout (Yes)
Time Again
Intersection Blues (Steve Howe solo)
The Smile Has Left Your Eyes
Ride Easy
Fanfare For The Common Man
Midnight Sun
In The Court Of The Crimson King
Here Comes The Feeling
Video Killed The Radio Star
The Heat Goes On
Drum-Solo
Only Time Will Tell
Don't Cry
Heat Of The Moment
Echoes

Inzwischen war es dunkel auf der Loreley. Und wenn die Lightshow richtig wirkt, sind das ideale Bedingungen für die Musik von Pink Floyd. Oliver Hartmann und Martin Hofmann waren mit Echoes angereist. Diese Formation aus Aschaffenburg konnte sich leider an vielen Stellen auch nicht vor Soundproblemen retten, spielte aber selbstverständlich ein wunderbares Konzert. 2 Stunden zum Ausklang des Festival-Auftaktes sorgten für eine anständige Vollbedienung. Und genauso wie bei Seconds Out (Genesis-Coverband) im vergangenen Jahr, verweilten viele Besucher noch lange, um der nostalgischen Darbietung mit Songs wie "Shine On Your Crazy Diamond", "Time", "Wish You Were Here" etc. zu lauschen. Ein würdiger Abschluss für den Tag 1!
Echoes       Echoes
The Watch

The WatchKaum ein paar Stunden geschlafen, wurden die Sachen gepackt und erneut ging es am Sonntag auf die Loreley. The Watch aus Italien machten den Beginn. Diese Musik ist wahrlich ganz nah an den alten Genesis gebaut. Die Band präsentierte natürlich ihr derzeit aktuelles Werk Primitive, auf dem sie tollen und innovativen Retro Prog bieten. Am Merch-Stand konnte man ein Live-Bootleg aus dem Jahr 2005 erwerben. The Watch hatten dasselbe Problem wie jede andere Band auch, wenn sie ein Open Air eröffnet. Die Fans waren noch nicht richtig bei der Sache, aber man konnte schnell erkennen, dass in dieser Formation eine Menge an Potenzial steckt. Nach gut einer Stunde war der Auftritt passé.
The Watch
The Merlin Bird

Danach gab es Besuch aus Australien. The Merlin Bird sind eher im keltischen Folk verankert. Diese Band hatte es schwer, die Festival-Besucher zu überzeugen, ließ sich jedoch nicht von ihrem Weg abbringen. Mit einer Sängerin angereist, präsentierten sie neue als auch ältere Songs, die weitestgehend ruhig waren. Spaß muss es gemacht haben, denn erst ein Schild mit der Auftrifft "End" von der Stage-Crew, beendete die Show.
Merlin Bird
Merlin Bird
Pendragon

Zweiter Neo Prog-Act des diesjährigen Festivals waren Pendragon.Nick Barrett und Clive Nolan hatten ja schon im Vorhinein darauf hingewiesen, dass sie sich ganz besonders freuen, an diesem Ort zu spielen. Und genauso locker war die Band auch drauf, obwohl es das eine oder andere Problem mit den Instrumenten gab (das Gesangsmikro fiel aus). "Good Old Cable" war die Anmerkung von Clive Nolan. Gewohnt professionell wurde das Konzert gespielt und es war erstaunlich, wie sehr die Besucher mit Pendragon gemeinsam abrockten. "The Wishing Well" von Believe, aber auch "Paintbox" und "Breaking The Spell" waren Höhepunkte der Show.
Pendragon
Pendragon
Jethro Tull

Jethro TullDer Sonntag hielt im Grunde genommen zwei Headliner parat. Mastermind Ian Anderson war mit Jethro Tull auf die Loreley gekommen. Hinter der Bühne plötzlich alles streng reglementiert. Keine Fotos, im Fotograben vor der Bühne erhielt jeder seinen zugewiesenen Platz. Da ging Ian Anderson mit strenger Miene auf die Bühne, zeigte sich dann aber als großartiger Entertainer. Jedenfalls konnte das Publikum lachen. Auch, als er darauf hinwies, dass Jethro Tull ja keinen progressiven Rock spielen würden. Eigentlich sei es mehr Folk-Rock, aber auch dieser Begriff sei doof. Da die Show von Jethro Tull selbstredend brillant war, kann man dem großen Mann der Flöte so etwas gerne verzeihen. Ein wenig die Augen reiben musste man sich dabei allerdings schon. Was boten die Jungs ansonsten noch?
Jethro TullKlar, Tull covern sich selbst. Immerhin kündigte Ian Anderson das brandneue Tull-Album für die nächsten drei oder vier Jahre an. Dann war es das olympische Jahr 2012. Wer weiß wann, und ob überhaupt ein neues Album kommen wird. Die Formation musste mit geliehenen Instrumenten spielen und selbst den Totalausfall des Keyboards umschiffte der Frontmann in gewohnt souveräner Art und Weise. In den Songs selbst gab es kaum Veränderungen. "Aqualung" wurde mit viel Flötenspiel ergänzt und Gitarrist Martin Barre durfte einen Song aus seinem Solo-Schaffen spielen. Insgesamt ein würdiger Auftritt von Jethro Tull ohne viele Besonderheiten und Emotionen. Gewohnt gut eben und das Publikum war weitestgehend begeistert.
Setlist:
Intro
Living In The Past
Jack-In-The-Green
The Donkey And The Drum
Thick As A Brick
Pastime With Good Company
Mother Goose
Bourée
Nothing Is Easy
After You After Me
Aqualung
America
My God
Budapest
Locomotive Breath
Fish

FishDen Abschluss der "Night Of The Prog 2007" machte Fish. Der Mann hat in den beiden letzten Jahren offensichtlich alles richtig gemacht. Er spielt wieder gute Musik und mit der Idee, alte Marillion-Songs neu aufzubacken, hat er das richtige Rezept gefunden, um alle alten und neuen Jünger zu motivieren. Inzwischen zieht der ehemalige Marillion-Frontmann mehr Fans als seine alte Stammband, obwohl die ununterbrochen im Prog-Zirkus mitmischen. Egal, was der Mann macht, er hat die Fans im Griff. Er geht ins Publikum, lässt sich dort feiern und weiß darum, dass auf der Bühne inzwischen eine perfekt eingespielte Truppe steht, die sowohl neue als auch alte Songs beherrscht. Fish stellte auch sein kommendes Album "13th Star" vor. Da wird es wohl eher düstere Sounds geben, die Festival-Besucher nahmen es jedoch verhalten auf. Dann hatten wir noch den Marillion-Klassiker "Clutching At Straws". Dieses Album wurde nicht an einem Stück geboten. Und dennoch sorgte es immer wieder dafür, dass die Begeisterung kaum Grenzen fand. Fish war vor geraumer Zeit so gut wie erledigt. Jetzt ist er wieder da, mit einer unheimlich guten Performance und man kann sich schon jetzt auf die kommende Tour freuen.
Setlist:
Intro
Fish Slainte Math
The Perception Of Johnny Punter
Circle Line
So Fellini
Square Go
Manchmal
Hotel Hobbies
Warm Wet Circles
That Time Of The Night
Vigil
White Russian
Dark Star
Sugar Mice
Last Straw
Cliché
Incommunicado
Das diesjährige Night Of The Prog-Festival möchte ich als sehr gelungen bezeichnen. Große Acts, ein großartiges Ambiente und eine tolle Stimmung haben dafür gesorgt, dass wir uns schon jetzt auf die angekündigte dritte Ausgabe im kommenden Jahr freuen. Vom 18. - 20.07.07 soll die Veranstaltung dann über drei Tage gehen. Die "Night Of The Prog" wird sich so etablieren, davon kann man ausgehen. Was will man denn noch mehr? Wenn das Line-up stimmt und die Loreley ruft, dann sollte man sich das keinesfalls durch die Lappen gehen lassen. Großes Lob an WIV-Entertainment. Eine hervorragende Organisation eines tollen Festivals!
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