Headbangers Open Air 2014
Headbangers Open Air Headbangers Open Air
Brande Hörnerkirchen
24. bis 26. Juli 2014
Festivalbericht
Stil: Metal


Artikel vom 27.08.2014


Hans Jürgen Schmidt
Nach meinen diesjährigen Abstechern zur 70 000 Tons Of Metal (für 2015 gebucht), zum
Rock Hard Festival (für 2015 wieder vorgemerkt) und dem Hellfest (einmalige Sache) ist es wieder schön, auf meinem Lieblingsfestival zu sein. Es fühlt sich gut an, ein tolles Ambiente, tolle Leute und ein Hammer Line-up. Zumindest für die Leute, die jenseits der Megaseller in der Musikszene unterwegs sind, ohne die Giga-Headliner auskommen und sich an wirklichen, zum Teil raren und vergessenen Ikonen des Metal erfreuen können. Gepaart mit Newcomern der besonderen Art haben wir hier wirklich eine exzellente Mischung am Start. Das Festival hat sich mittlerweile zur größten Gartenparty der Welt gemausert und findet wirklich in einem Garten statt. Die Bühne steht im Garten, der Metal- und Merchmarkt ist in Garagen untergebracht und den Bierstand findet man vor der Haustür. Das Motto lautet: 'Make this garden burn...'
Donnerstag, 24.7.2014
Lizzies Donnerstag ist unser erster Tag. Diesmal ging es bei der Anreise nicht so glatt, so dass wir erst gegen 14:00 Uhr vor Ort sein konnten. Das ist aber kein besonderer Nachteil, da es hier in keiner Situation zu nervenaufreibenden Staus oder Verzögerungen kommt. Die restlichen Leute vom Camp hatten bereits alles aufgebaut und stimmten sich schon mit diversen Getränken aus Weißblechdosen auf den Nachmittag ein. Da ich zu den Bulli-Fahrern gehöre, ist aufgebaut wenn ich den Motor ausgestellt habe. Dann Bändchen und Fotopass geholt, noch etwas gegen den knurrenden Magen getan und schon ging es los.
Mit einer kleinen Verzögerung hatten Lizzies aus Spanien die Ehre, das Festival zu eröffnen. Ich erwartete eigentlich nicht viel und bekam eine vor Spielfreude sprühende Metal-Band, die ihre musikalischen Einflüsse ganz klar in den 80ern fand, vor einem durchaus zu begeisternden Publikum zu sehen und zu hören. Scheinbar waren auch sie von solch einer Zuschauerresonanz überrascht.
Death Riders Wenn man den Namen Neil Turbin hört, kommt man nach einigem Überlegen auf Anthrax. Nun singt der frühere Frontmann der genannten Thrash-Combo bei Death Riders. Dies machte, trotz des frühen Slots, viele junge und auch in die Jahre gekommenen Headbanger neugierig. Deshalb war es klar wie Kloßbrühe, dass das Set im Wesentlichen aus Songs der ersten Anthrax-Scheibe, "Fistful Of Metal", bestand. So startete man auch gleich mit "Deathrider" in die Vollen. Trotz der frühen Stunde ging es vor der Bühne hoch her. Das Publikum zeigte sich dankbar für Songs wie "Metal Thrashing Mad", "Soldiers Of Metal" oder "Death From Above". Ein saugut vorgetragenes Alice Cooper-Cover ("I'm Eighteen") rundete das Set ab.
Metalhead Cage hörten wir nur vom Camp aus. Irgendwann muss man mal Kompromisse eingehen und dem Körper eine Ruhepause gönnen, in Verbindung mit gepflegter Nahrungsaufnahme in Form von Grillgut und kühlem Bier. Dieses dauerte etwas länger, so dass wir auch OD Saxon nur hörten und nicht sahen. Da ich eigentlich, ob der Überpräsenz von Saxon in der letzten Zeit keinen richtigen Bock auf die Songs hatte, wollte ich die Band kurzerhand auslassen. Darüber hätte ich mich im Nachhinein geärgert, denn sie spielten alle Hammersongs der ersten drei Scheiben und hatten mit Bri Shaughnessy einen Sänger, der Biff in nichts nachstand. Im Gegenteil, das was wir hörten, klang sehr authentisch.
Into the Pit Dann war die Bühne angerichtet für Warlord, den Top-Headliner des Festivals. Da ich diese Band vorher nicht kannte, habe ich einfach mal zugehört und zugeschaut, was sie zu bieten hatten. Auf dem Keep It True sollen sie 2013 abgeräumt haben, so hörte ich.
Das erste Stück, "Lucifer's Hammer", gefiel schon ganz gut. Das folgende Set sollte eine gesunde Mischung aus Warlord- und Lordian Guard-Songs werden, mit Schwerpunkt auf das "And The Cannons Of Destruction Have Begun..."-Album. Hieraus wurden unter anderem "Aliens", "Lost And Lonely Days" und "Child Of The Damned" live gespielt. Das Publikum hat es gefreut und überall herrschte eine gute Stimmung. Das war ein amtlicher Abschluss für den Donnerstag.
Auch das Wetter spielte mit. Nach einem wunderbaren Sonnentag folgte eine lauschige Nacht, die sehr dazu einlud, den Tag, bei einem Kaltgetränk Revue passieren zu lassen und im illustren Kreis zu diskutieren.
Freitag, 25.7.2014
Hellbringer Heute sollte der erste Tag sein, der schon am Morgen die richtige Portion metallischer Musik bringen würde. Nach einem ausgiebigen Frühstück, welches dem gesetzten Alter geschuldet, nicht nur aus Bier bestand, eröffneten Hellbringer den Tag. »Holy Shit« fuhr es dem neben mir stehenden Kumpel aus dem Mund. Hier gab es Thrash vom feinsten. Drei Leute und beste Power. Das australische Trio feuerte eine Breitseite nach der anderen in die Menge, Fäuste wurden geschüttelt, Haare flogenů
Wizard aus Deutschland spielten als zweite Band und wirkten positiv beruhigend. Nach dem 45 minütigen Thrash-Bombardement gab es nun Heavy Metal mit True-Charakter wir mir ein Fan mit ernster Miene mitteilte. In der Tat lieferten Wizard einen soliden Gig mit guter Bühnenperformance ab.
Evil Invaders Mein Kumpel Stefan wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass die nächsten 50 Minuten sein metallisches Leben auf den Kopf stellen würde. »Wer braucht denn noch Maiden ...?« entfuhr es ihm, nachdem Evil Invaders aus Belgien die Bühne gerockt hatten. 'Stimmt', dachte ich nur. Diese Band habe ich schon seit letztem Jahr auf dem Schirm und sie waren echt einer der Highlights auf dem Festival. Nach einem düsteren Intro ging es mit "Stairway To Insanity" gleich gut los. Die Belgier legten eine dermaßen auf den Punkt gespielte Show hin, dass einem Hören und Sehen verging. Da wächst richtig was heran. Eines der besten Auftritte auf dem Festival ging mit Evil Invaders standesgemäß zu Ende. Der Merch-Stand wurde geplündert und vom Sticker bis zum Patch fanden diverse Artikel stolze Besitzer.
Anvil Turbo musste ich leider ausfallen lassen und Poltergeist hatte ich schon auf der 70 000 Tons Of Metal gesehen. Sie sind kurzfristig für Paradox eingesprungen, die leider absagen mussten. Xentrix hatten einen für mich unglücklichen Slot, da sie parallel zum Meet & Greet von Diamond Head und Anvil spielten. So habe ich sie auch nicht sehen können, aber das wurde auf eine andere Art kompensiert. Ich traf Lips von Anvil und dieser Typ ist unglaublich. Ich meine, wenn es dir mal schlecht geht, dann schaust du dir als Therapie "Geschichte einer Freundschaft" an und bist überm Berg. Dann auch noch festzustellen dass Robb und Lips in der Realität genau diese Charaktere aus dem Film abbilden und das mit einer Herzlichkeit, die unglaublich ist, bringt dich ganz nach vorn. Ein Auftritt für die Hall Of Fame sollte noch folgen.
Diamond Head Die nächste Band auf dem Billing war Diamond Head. Sie nur auf "Am I Evil?" zu reduzieren ist eigentlich nicht fair, aber an diesem Abend konnten sie bei mir einfach nicht zünden. Brian Tatler an der Gitarre war als noch einziges verbliebenes Gründungsmitglied am Start. Musikalisch war es ok, aber irgendwie wollte der Funke nicht überspringen. Sänger Nick Tart traf zwar alle Töne und lieferte eine gute Performance ab, aber wie gesagt...
So kam auch der Opener "Broken Pieces" recht lasch rüber. Mit "Lightning To The Nations" spielte man dann auch gleich das erste Stück vom gleichnamigen Debutalbum. Zum Schluss bei "Am I Evil?" gab es dann aber trotzdem den verdienten Chor: »Am I Evil? Yes I am! Am I Evil? I am a man! «
Zünden konnten Anvil. Nachdem sie schon beim Meet & Greet einen sehr sympathischen Eindruck machten, legten sie nun musikalisch nach. Spielfreude pur konnte man in jedem einzelnen Riff spüren. Ob "666", "March Of The Crabs", "This Is Thirteen" (mit einem Seitenhieb auf Black Sabbaths "13"), das ausgedehnte "Mothra" mit Dildo-Solo und natürlich "Metal On Metal" - jeder Song pure Energie. Ich habe die Kanadier schon öfters sehen dürfen, kann mich aber an kein schlechtes Konzert erinnern. Für mich der Headliner des Abends.
Death SS Nun hieß es warten. Death SS aus Italien sollten sich die Ehre geben. Die Bühne wurde mit Pyros und Fake-Fackeln gestaltet. Der Fotograben wurde gesperrt und stattdessen ein Seil dahinter gespannt. Die Pyros... hörte man. Aha! Ich war aufnahmebereit für eine weitere mir unbekannte Band. Nach dem Intro "Ave Satani" betrat der Sänger die Bühne, aussehensgleich mit dem Gewinner eines großen, europäischen Sangeswettberwerb, um "Peace Of Mind" zum besten zu geben. Das zweite Stück, "Horrible Eyes", war für mich das letzte des Abends. Nein, zu dieser Band würde ich keinen Zugang bekommen.
Samstag, 26.7.2014
Tygers Of Pan Tang Oh, nanu - fangen die Bands jetzt schon um 9:00 Uhr an? Jäh wurde ich vom Soundcheck der ersten Band des Tages geweckt. Da war es 11:30 Uhr. Nun ja, nachdem gestern Abend eigentlich früh Schluss war, aber das ganze Camp fast geschlossen nach den ersten Death SS-Songs zurückgekommen war, wurde noch bis in die frühen Morgenstunden gefachsimpelt. Heute wird es etwas ruhiger. Platten kaufen, mit Leuten treffen und drei Bands anschauen. Das war mein Tagesprogramm.
Tygers Of Pan Tang sollte die erste Band des Tages sein, die mich wieder in den Bann zog. Die Mannen um Robb Weir, immer noch ein sehr guter Saitenzupfer, fanden auch gleich Spaß an der Sache. Nach dem Opener "Keeping Me Alive" vom 2012er Album "Ambush" ging es zurück in die frühen 80er. "Love Don't Stay" vom "Crazy Nights"-Album folgte auf dem Fuß, danach "Gangland". So bekam man einen kurzweiligen, von Spielfreude geprägten, Abriss durch das Schaffenswerk der Tygers.
Grand Magus Als nächstes standen Grand Magus auf meiner Liste. Eigentlich weiß ich gar nicht, ob es sich bei dieser Band um eine Metal-Band handelt. Eher wohl nicht, aber das macht gar nichts. Ein Trio, das keine Wünsche offenlässt. Nachdem ich sie schon einige Male als Opener gesehen habe, finde ich es prima, dass sie hier als Co-Headliner agieren können. Am Rande erwähnt, sie waren die einzige Band, die nicht gefilmt werden durfte. Musikalisch machte das aber gar nichts. Die Menge war bereit für Hammersongs wie "Iron Will", "Hooves Of Gold" oder "Hammer Of The North". Letzteres schallte noch minutenlang nach dem Ende des Konzerts aus hunderten Kehlen weiter. Doch, Grand Magus ist eine Metal-Band, fürwahr. Und sie können eine ganz große Band werden.
Riot Riot sah ich das letzte Mal auf der 70000 Tons Of Metal, im Jahre 2012. Zur dieser Zeit starb Mark Reale, der diese Cruise schon nicht mitmachen konnte. Der Donnerstag war geprägt von respektvollen Bekundungen der diversen Bands. Nun, zwei Jahre später und ohne ein einziges Gründungsmitglied am Start war die Erwartung eher nicht so hoch. Da lag ich aber ganz falsch. Zwei rasende, auf den Punkt genau gespielte Gitarren von Mike Flyntz und Nick Lee. Der neue Sänger, Todd Michael Hall, der scheinbar alle vergangenen Riot-Sänger stimmlich in sich gebündelt hat. Eine Rhythmuseinheit mit Bobby Jarzombek am Bass und Peter Bitelli an den Drums, die die ganze Band nach vorne trieb. Egal ob "Flight Of The Warrior", "Sword And Tequilla" oder das brandneue "Metal Warrior", das Publikum war gefangen ob dieser Performance. "Altar Of The King" trieb mir direkt mal eine Träne ins Gesicht. Ist das wirklich schon 33 Jahre her? Während dieses Konzerts formte sich der Wunsch in meinem Kopf: Bitte noch ein paar Jahre und einige neue Scheiben in dieser Besetzung. Es war wirklich der absolute Headliner des diesjährigen Headbangers Open Air.
Wizard Zum Schluss seien noch einige Bemerkungen über das Festival gestattet. Vielen Dank an die Ausrichter Thomas Tegelhütter und Jürgen Hegewald für tolle Bands auf einem tollen Festival. Ebenfalls vielen Dank das ganze HOA-Team, sei es am Getränke- oder Bierstand oder auch am Toilettenwagen. Ich habe selten so eine entspannte, kooperative Security gesehen. Macht weiter so, ihr macht dieses Festival zu einem einzigartigen Event.
Auch der Bereich außerhalb des Geländes war wieder richtig gut. Es gab Essen und Trinken zu zivilen Preisen, dazu war das Ambiente gleichfalls sehr gemütlich.
Freuen darf man sich im nächsten Jahr schon auf: Blitzkrieg, Aftermath, Spellcaster, Ruthless, Warrior und Satan.
Running Order:
Donnerstag, 24.7.2014
17:00 - 17:50 Lizzies
18:10 - 19:10 Death Riders
19:30 - 20:30 Cage
20:50 - 22:00 OD Saxon
22:40 - 24:00 Warlord

Freitag, 25.7.2014
12:00 - 12:45 Hellbringer
13:05 - 13:50 Wizard
14:10 - 15:00 Evil Invaders
15:20 - 16:20 Turbo
16:40 - 17:40 Poltergeist
18:00 - 19:00 Xentrix
19:30 - 20:40 Diamond Head
21:20 - 22:40 Anvil
23:30 - 01:00 Death SS

Samstag, 26.7.2014
12:00 - 12:45 Soldier
13:03 - 13:55 Coldsteel
14:15 - 15:10 ADX
15:30 - 16:30 Tygers Of Pan Tang
16:50 - 17:40 Violent Force
18:00 - 18:50 Trauma
19:20 - 20:30 Whiplash
21:00 - 22:00 Grand Magus
22:40 - 00:10 Riot (V)
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