Headbangers Open Air 2013
Headbangers Open Air Headbangers Open Air
Brande Hörnerkirchen
25.-27. Juli 2013
Festivalbericht
Stil: Metal


Artikel vom 18.08.2013


Hans Jürgen Schmidt
'Der Garten brennt', 'Let the garden burn', oder um es mit den Worten von Bobby Blitz zu sagen: »This is a real garden here, yeah - and you are all fucking neighbours?!«
Dieser Garten macht neugierig, mich auch. Es handelt sich nämlich um einen Obstgarten in Brande-Hörnerkirchen. Ein Ort, in dem Iron Maiden wohl nie spielen wird »Scream for me Brande-Hörnerkirchen«. Diesen Satz würde Bruce Dickinson wohl nie fehlerfrei über die Lippen bringen. Muss er auch nicht. Der geneigte Metal-Fan bekommt nämlich in diesem Garten was er braucht. Reinsten Heavy Metal ohne wenn und aber.
Die Rede ist vom Headbangers Open Air, welches dieses Jahr vom 25.7. - 27.7. stattfand. Das Billing konnte sich wahrlich sehen lassen, im Einzelnen:
Donnerstag: '77, Kissin' Dynamite, Forte, M-Pire Of Evil und Overkill.
Freitag: Axxion, Game Over, King Leoric, Midnight Priest, Screamer, Skiltron, Blood Feast,
Iron Savior, Vicious Rumors und Demon.
Samstag: Midnight Messiah (ex Elixir), Megahera, Sacred Steel, Heretic, Persian Risk, Blaspheme, Savage, Muro, Praying Mantis und Metal Church (spielten ihr komplettes erstes Album).
Fünfundzwanzig Bands und nicht ein Ausfall dabei. Da ich persönlich nicht alle Bands sehen konnte, fragte ich natürlich im Umfeld nach und bekam meinen Eindruck bestätigt.
Wie kommt man zum HOA? Nun ja, der Mega-Festivals überdrüssig war ich umtriebig, immer auf der Suche nach etwas Ursprünglichen, wo die Musik im Vordergrund steht. Dann wurde ich von Freunden aufgefordert, einfach mal mitzukommen. Um es vorweg zu nehmen, ich habe mein Festival für die Zukunft gefunden. Völlig unsicher, ob ich schweigen oder es anpreisen soll ...
Als wir uns auf einem Parkplatz kurz hinter Hamburg trafen, war bestes Wetter angesagt. Das sollte sich die nächsten Tage auch nicht ändern, abgesehen von einem Gewitterschauer am Samstag. Da ich schon seit geraumer Zeit 'Bullischläfer' bin, entfällt der Zeltaufbau. So war ich sofort bereit, nach erfolgter Ankunft, einen Erkundungsgang zu starten. Als erstes stand Bändchen holen auf dem Programm. Das Metallticket wurde fachgerecht mit einem Hammer entwertet, danach gab es das Bändchen. Die erste Station meines Rundganges war der Bierstand und sofort fielen mir die sehr moderaten Preise ins Auge. Dann etwas gegen das Hungergefühl tun - auch hier eine sehr verbraucherfreundliche Preispolitik. Nachdem Hunger und Durst gestillt waren, streifte ich über das überschaubare Gelände. Wirklich ein Garten, schoss es mir durch den Kopf. Mit einer Bühne darin. Umliegend gab es alles, was das Metallerherz erfreute, vom Patch, über T-Shirts bis hin zur Vinylschallplatte.
'77Schneller als gedacht war es 17:00 Uhr und '77 enterte die Bühne. Jeder der AC/DC noch mit Bon Scott gesehen hat (die Gnade meiner frühen Geburt gestattete mir das), wurde direkt an diese Zeit erinnert. Nicht nur vom Aussehen hätte diese Band in die Siebziger-AC/DC-Jahre gepasst. Auch spieltechnisch hatten die Jungs eine Schippe drauf. Die einzelnen Stücke mit soviel AC/DC-Verve zu spielen - Hut ab. Sofort ist das Publikum dabei, die ersten Matten fliegen und hier und da wird die Luftgitarre gestimmt und eingesetzt. Begeistert schaute ich mir den Gig an versuchte verzweifelt einen Grund zu finden, warum ich diese Truppe vorher noch nie gesehen hatte.
'Kissin' DynamiteAls zweites kamen nach einer gut zwanzigminütigen Umbaupase Kissin' Dynamite auf die Bühne. Ok, wir haben sehr kontrovers diskutiert, ob es sich lohnt, die Jungs anzuschauen. Ich war noch frisch, gut auf den Beinen, mit Getränken versorgt, also blieb ich. Die ersten Reihen gingen mit, als ob es kein Morgen mehr gibt, die Band zeigte eine gute Bühnen-Performance. Irgendwie hatte man das Gefühl, es machte ihnen Spass. Als zwischendurch die Ansage von Hannes Braun (Sänger) kam, kleine Festivals wie diese doch zu unterstützen, nickte ich zustimmend. Gegen Ende ließ es sich Jim Müller (Gitarrist) nicht nehmen, auf fremden Schultern getragen zu werden und beim Gang durch das Publikum sein Instrument zu beackern. Alles in allem eine respektable Leistung der Jungs aus Baden-Würtemberg. Money, Sex und Power - ja, warum eigentlich nicht?
'M-Pire Of EvilForte konnte ich leider nicht sehen, da im Camp der Grill angeschmissen wurde und ein kühles Bier den Weg durch die durstige Kehle fand.
Nach soviel Stärkung war ich fit für M-Pire Of Evil. Die Jungs um Mantas (ja, genau der Mantas von Venom) spielten dann auch ein Venom angelehntes Set, natürlich auch mit den Dauerbrennern "Black Metal" und "In League With Satan". Ehrlich gesagt, ich hätte Mantas nicht wiedererkannt. Die Spielweise der drei schlug mir ein breites Grinsen ins Gesicht, hatte ich mir doch zum Record Store Day die Sonderauflage des Black Metal-Vinyls gegönnt. Der Tag neigte sich dem Ende zu, die Dämmerung setzte ein und alles war prima.
OverkillOverkill lies dann auf sich warten. Die Jungs um Bobby Blitz kamen mit einer 20-minütigen Verspätung auf die Bühne. "Come And Get It" und "Rotten To The Core" waren der Einstieg in diesen Abend. Soundtechnisch ging einiges schief, aber nach vier bis fünf Stücken war auch das im Lot. Natürlich durften die Klassiker, gepaart mit neuen Stücken, nicht fehlen. Die Menge ging steil, einige surften croud, wir waren im Metal-Himmel. Wenn es eine Konstante bei Live-Events gibt, Overkill ist dabei. Dass es noch andere Festivals gibt, daran wurden wir erinnert als Bobby in Ermangelung einer lautstarken Reaktion des Publikums feststellte: »This sounds weak like Wacken«. Mit hundertfach in den Himmel gestreckten Mittelfingern endete der Höhepunkt des Tages - Fuck You!
Im Camp trafen wir noch Capt. Morgan. In den frühen Morgenstunden, nach ergiebiger Fachsimpelei, ging es ins Bett.
So leise hier, dachte ich und machte ein Auge auf. Bin ich wirklich noch auf dem HOA? Da man ja auf anderen Festivals Dauerbeschallung gewohnt ist, sich aber nicht unbedingt daran gewöhnen kann, schlafe ich mit Gehörschutz. Hier ist aber wirklich Ruhe, die nächsten zwei Nächte verzichtete ich auf diese Maßnahme. Da ich Langfrühstücker bin und auch ohne meinen Kaffee, was Gescheites zum Essen und anschließendem Konterbier nicht in die Gänge komme, verpasst ich Axxion.
Pünktlich zu Game Over war ich dann wieder am Start. Ich traute meinen Ohren nicht, so könnten Metallica klingen, wenn sie sich anstrengen würden. Ohne großartigen Schnickschnack spielten die Jungs aus Italien feinsten Thrash Metal. Ein gelungener Start in den Tag.
King Leoric gehörte zu den Bands, die mir gänzlich unbekannt waren. Auch hier war ich sehr gespannt, was die Jungs aus Wolfenbüttel so auf die Bühne zauberten. Das hörte sich nach schönem, getragenen Heavy Metal mit ein bisschen NWOBHM-Einschlag an. Sehr gut auszuhalten. Front of stage ging es schon zur Sache. Scheinbar hatten viele Fans der Band den Weg auf das HOA gefunden.
Nach einer kleinen Shoppingrunde bei den diversen Vinylhändlern, bei der mein Budget doch über alle Maßen leiden musste, war ich gerade rechtzeitig zu Midnight Priest zurück an der Bühne. Der zweite Teil des Namens der Portugiesen ist Programm. Die Texte sind in portugiesischer Sprache gesungen. Wem's aufgefallen ist?
Game Over     King Leoric     Midnight Priest     Bloodfeast
Screamer und Skiltron musste ich zugunsten einer nachmittaglichen Siesta verstreichen lassen. Ausgeruht, war ich fit für Bloodfeast. Diese Jungs treten einen richtig in den Allerwertesten, hier werden keine Gefangenen gemacht. Sie haben in Chris Natalini einen Sänger, der neben einer gewaltigen Stimme auch eine super Performance abliefert. Und Hut ab vor Tom Lorenzo, der seinen Bass mit gefühlten hundert Armen bearbeitete. Ja, diese Jungs gehören zu meinen persönlichen Gewinnern des Festivals. Vor der Bühne kreisten die ersten Circle Pits ...
Nach diesem Gig brauchte ich eine Ruhepause, so verpasste ich Iron Savior.
Vicious RumorsIm Zeichen der angehenden Dunkelheit betraten Vicious Rumors die Bühne. Geoff Thorpe und seine Mannen gaben gleich richtig Gas und heizten richtig ein. Brian Allen überzeugte durch die wohl beste Live-Performance dieses Festivals.Demon Seine Stimme, gepaart mit Mimik und Ausdruck ist mit das Beste, was man auf diesem Sektor auf den Bühnenbrettern erleben darf. Alles in allem eine schöne Einstimmung auf diesen Abend, den Demon beschließen sollten. Ich war gespannt, hatte ich die für Old School-Fans unverzichtbare Truppe noch nie live gesehen. Sie starteten durch mit "Night Of The Demon" und hielten das Level ziemlich hoch. Nach "Sign Of A Madmann" gab es für mich einen Durchhänger. Der zweite Teil dieses Gigs flachte etwas ab und ging dann aber noch großartig mit "Don't Break The Circle" zu Ende.
Midnight MessiahHigh Noon, Mittagshitze und das gute Gefühl, dass lesen doch bildet, brachten mich Punkt 12:00 Uhr vor die Bühne. Auf dem Programm standen Midnight Messiah. Es gibt ein gleichnamiges Stück der Band Elixir und siehe da, auf der Bühne steht die Fortführung von Elixir. Diese Info hatte ich aus dem Festivalguide. Echt nicht schlecht, wenn man da auch ab und zu mal reinschaut. Sänger Paul Taylor im amtlichen Volllederdress bei ca. 30°C - Respekt. Während des sehr guten Auftritts kam ich mit einigen Leuten ins Gespräch - wir unterhielten uns über Elixir. Ein sehr gutes Gespräch.
Megahera aus Italien bescherten uns eine gute Portion Heavy Metal mit einem leichten Thrash-Touch. Mario Marras und seine Truppe waren hellwach und in bester Spiellaune. Sogar das Hendrix-mäßige Spielen mit den Zähnen wurde von Mario perfekt dargeboten. Vor der Bühne wurde es voller und und das Publikum kam langsam aber sicher in Laune.
Gerade rechtzeitig für Sacred Steel aus Deutschland, die gleich mit "Evil Has No Boundaries" in die Vollen gingen. Auch diese Band sah ich zum ersten Mal - mit der Konsequenz, anschließend den Vinyl-Stand zu plündern. Neben der perfekten Performance der gesamten Band und der guten Stimme des Sängers Gerrit Mutz, fiel mir die virtuose Leichtigkeit von Jonas Khalil (git) auf.
Megahera            Sacred Steel
SavageNun war es Zeit für die Nachmittags-Siesta und so musste ich leider bei Heretic passen. Persian Risk konnte ich nicht sehen, da wir alle Leute im Camp brauchten um das Inventar zu sichern. Ein kurzer aber heftiger Gewittersturm hielt Einzug. Ausruhen während Blaspheme spielte, um dann wieder bei Savage am Start zu sein. Sie spielten ihr komplettes "Loose 'n Lethal Album", ergänzt um den einen oder anderen Klassiker. So starteten sie mit "The Rage Within" von der "Sons Of Malice"-Platte, um dann ihr erstes Album in umgedrehter Reihenfolge zu spielen. So kam der eigentliche Opener "Let It Loose" am Schluss.
Muro aus Spanien spielen coolen Power Metal in Landessprache. Das muss nicht schlecht klingen, im Gegenteil, es klang sehr gefällig. Tags zuvor hatte ich am Merch den Bassisten getroffen. Trotz seiner Nicht-Englisch- und meiner Nicht-Spanisch-Kenntnisse haben wir uns gut verständigt. Cerveza geht immer.
Jetzt war alles bereit für den ultimativen Doppelpack das Abends, den Praying Mantis eröffnen durften. Ich hatte die Jungs schon beim M&G erlebt. Sie sind einfach die pure Lust und Freude. Alles läuft nicht rund bei diesem Auftritt mit neuem Sänger und Schlagwerker. Allerdings werden kleinere Pannen professionell kaschiert. Trotzdem war es vom Opener "Children Of The Earth" bis zu "Turn The Tables" ein gelungener Gig.
Metal ChurchDer krönende Abschluss des Festivals war Metal Church. Allein die Ankündigung, sie würden das komplette erste Album spielen, löste bei mir Gänsehaut aus: Die Heroen aus meiner Sturm-und Drangzeit livehaftig und das erste Album im Gepäck. Gestartet wird mit dem zweiten Album, "Tons Of Bricks" und "Start The Fire". Nach "Watch The Children Pray" ging es dann los mit dem ersten Werk. Die Zeit verflog im Nu. Trotz aufziehender Kälte und Feuchtigkeit wurde einem warm ums Herz.
Es war ein tolles Festival, bei dem alles stimmte. Vom Billing bis hin zu den Verpflegungsständen, Merch, Metal-Market und den Leuten. Hier gab es Kuttenträger, Metal-Intellektuelle, Musikfreunde, Bierfreunde, ... in fröhlicher Runde beisammen. Erwähnt sei noch, dass man die Verpflegungsmeile ohne Ticket besuchen durfte. Eine tolle Sache, konnte ich doch am Samstag dort kurz ein paar Freunde treffen.
Danke an die Organisation, ich komme nächstes Jahr wieder. Ob ich es allerdings mit Bobby Blitz halten kann? »Keep this thing secret ...«
HOA 13   Praying Mantis   HOA 13
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