Delta Moon / 19.05.2010, Manege, Ratingen
Rocktimes Konzertbericht
Delta Moon
Manege, Ratingen
19. Mai 2010
Konzertbericht
Stil: Blues, Swamp

Artikel vom 29.05.2010


Volker Fröhmer
Delta Moon ist eine amerikanische Legierung, eine künstlerische Legierung, eine musikalische Fünfstofflegierung, diese Stoffe sind Blues, Southern Rock, Swamp Rock, Roots Rock und Americana.
Eine Musiklegierung die unheimlich viel Spaß macht und aufbereitet, gute Laune und Töne verströmt und unweigerlich das Auditorium des Jugendzentrums in der Manege in Ratingen Lintorf in allen Teilen maximiert.
Maximalisiert sind die Bewegungen tänzerischer Art und der Sorte mit-Kopf-und-Fuß-und-Knie-und-auch-anderer-Körperteile der im Hörsaal Versammelten, maximalisiert ist der daraufhin hinterherlaufende Getränkekonsum und maximal ist die Spielfreude der vier auf der Bühne Spielenden.
Haben die einen Spaß und wir erst!
Die Erfinder der Legierung sind folgende Protagonisten:
Tom Gray ist der Meister des heiserraspelnden Gesangsvortrags, er singt alle vorgetragenen Lieder lead und slidet den Lap Style mit der Lapsteelgitarre virtuos und während des kompletten Auftritts. Es überwiegen die Eigenkompositionen, die Lieder anderer Musiker in ihrem Repertoire sind teilweise umarrangiert, allein durch manche Tempowechsel erhalten Klassiker neuen Drive.
Es gibt nur eine Gitarrenausnahme, da spielt Tom die Fender von Mark. Mark Johnson singt ab und zu ein bisschen mit und ist der Bottleneckmeister konventioneller Art, mal mit Gibson, mal mit Fender; Slide und Slide gesellt sich gern.
Eine Band mit zwei Gitarrenbespielern und das ausschließlich in der Slidetechnik, selten in der Welt der Saiten. Mark und Tom gründeten Delta Moon Anfang des 21. Jahrhunderts. Franher Joseph ist der Bassist seit 2007, refraint ab und zu mit und relaxt mit haitianischem Gefühl die Basssaiten. Darren Stanley verschlägt sich nicht und schlägt die ganze Legierung nach vorne und gibt ihr die endgültige Form, seit 2007 und heute Abend.
Der "Midnight Train" fährt pünktlich um 20 Uhr 30 auf der Bühne der Manege ab und es beginnt eine ca. 150-minütige Fahrt durch sämtliche Landschaften der USA. Der Train rollt unaufhaltsam los und weiter und die verursachten Geräusche machen unglaublichen Spaß, auf und vor der Bühne. Man merkt, die vier auf der Bühne sind begeistert von den Zuhörerreaktionen, die sind nämlich unausnähmlich enthusiastisch.
Der "Midnight Train" ist ein mittelschneller Southernrocker und er bewegt uns alle vorwärts. Weiter beschleunigt werden wir mit "Tiltawhirl" oder "Tilt A Whirl", das ist ein Kirmesgerät der sich drehenden Art, ist ein Titel auch im mittelschnellen Bereich mit feinem Lapsteelsoli.
"Shake 'em On Down" ist ein Klassiker des Mississippi Fred McDowell, der folgt dem Dreher, der Refrain »Bust out, Shake 'em on down« wird von manchen Hörern beseelt mitgesungen, das Lied ist dem Original temporär angepasst und passt scho arg, eine Verneigung vor einem derjenigen welchen im Blues des Deltas, slidig und gesanglich.
Die Slidesoli schwirren zwischen Mark und Tom hin und her, Franher und Darren halten die Struktur des Songs und der anderen Songs und der Band zusammen, der Rahmen stimmt stimmig. "Nightclubbing" ist eine Komposition von Iggy Pop und David Bowie und ist in der Version von Delta Moon irgendwie viel schwitziger als das Original und die Stimme von Tom heiserer und die Slideeinsprengsel tun das Übrige, es gibt dieses Lied übrigens auch noch von Grace Jones.
Tom sagt als nächstes "You Got To Move" an, der stammt von ihrer in diesem Jahr veröffentlichten CD "You'll Never Get To Heaven On A Hellbound Train", noch ein Lied aus der Feder und der Gitarre des Mississippi Fred McDowell. Dieser Blues ist Robert Johnsons Song "Come On In My Kitchen" in Bezug auf die Melodie gleichgestellt, die Fahrenheitzahl in der Manege ist mittlerweile beachtlich am Rande des dreistelligen Bereichs und die Zwiegespräche slidiger Art von Mark und Tom sind schon ganz schön sechssaitige Schmankerl.
Das Quartett durchbluest weiter die Deltaklassikerabteilung. Beim nächsten Song "Goin' Down South", der wohl nicht geographisch gemeint ist, heißt der Komponist Robert Lee Burnside, der leider im Jahre 2005 verstarb und bekannt war für seinen sehr rauen - so oder so - Blues. Das Lied dehnen Darren, Franher, Mark und Tom mit fettem und saitenweisem Zwiegespräch, es kriechen dem Song noch den letzten Schliff gebende Rattlesnakegeräusche aus dem Drumkit, jeder soliert noch kurz fürs Auditorium und wird begeistert bejubelt.

Der "Hard Time Killing Floor Blues" von Nehemiah Curtis 'Skip' James wird ohne Schlagbegleitung vorgetragen - unglaublich intensiv, das Publikum gebannt lauschend, man hört nur ein, zwei Tropfen Bier vom Glas auf die Bierdeckel auftreffen und versickern, der Refrain »Hmhm, hmhmhmhm« hallt ins Geviert. Das ist wie autogenes Training, sehr entspannend spannend, schreiberisch ist das leider nicht darzustellen.
»You Know Bo Diddley« ist die rein rhetorisch gemeinte Frage von Tom an die Mithörenden, es knallt uns "Who Do You Love" entgegen, die Slidegespräche sind mal wieder boah. Ich weiß, es wiederholt sich im Text, aber es nun mal so und nicht anders, das ist der Stoff fürs Volk, für Volker.
In der Pause ist Zeit, die neue CD zu erwerben, mit Autogrammen der Vier und das Lob für die famose Musikchose erfreut die Jungs ungemein. Ich wiederhol mich auch hier gerne, sie sind immer wieder begeistert über die Publikumsreaktionen auf ihre Musik, wie sie in einem kurzen Gespräch anmerken. Übrigens ist der CD Verkauf ein erbauender Moment für die Männer, sie setzen ganz schön ab, verdientermaßen.
"Room 429" wird am Anfang des zweiten Sets geöffnet. Die Nummer stammt auch von ihrer letzten Veröffentlichung und die Stimmung im Publikum ist sofort wieder auf 180. Es lässt nicht nach, das Gefühl, hier und heute abend was ganz besonderes mitzuerleben. Ich habe bisher selten bei meinen in die zighunderte zählenden Konzertbesuchen soviel Spaß gehabt, natürlich auch bedingt durch den Sound, der ist auf Freude eingestellt, der dafür Zuständige schiebt und dreht in die richtige Richtung, auch wie immer in diesem Hort der Bluesmusik in der Nähe von Düsseldorf.
"Lonely" rockt im mittelschnellen Bereich die Bude, die Tänzeranzahl vor der Bühne erhöht sich stetig, es wogt hin und her, fein.
Die vor Slim Harpo Verbeugung des Quartetts geschieht mit seinem Alltimeklassiker "Shake Your Hips" oder auch "Hip Shake", alle shaken und moven mit, auch die wie immer sehr aufmerksamen Mitarbeiter der Manege hinter dem Getränketresen, wie immer alles klasse in Ratingen Lintorf in der Jahnstrasse 28.
Im Verlauf des Songs rocken und shaken die Jungs immer mehr, Mark und Tom lapsteelen auch mal gemeinsam und hin und her, call and response, ein Gitarrenzwiegespräch unter Freunden inmitten von ca. 100 Freunden. Wah wah von Mark gibts mit Fußhilfe von Franher, weil Mark im Publikum stehend anschließend die Gitarrenhips glühend shakt, und Darren gerbt die Felle.
"Clear Blue Flame" räuchert uns danach ein - der Titelsong der 2007 erschienenen CD. Tom spielt dieses eine Mal mit der Fender von Mark, das Ganze in Noten und Tönen zusammengefügt ist ein Gänsehauterzeuger mit Onkel Jack, der im Text zitiert wird. Wir werden weiterhin glänzend unterhalten mit einer Hommage an die großartige Jessie Mae Hemphill, die bis zu ihrem Tod im Juli 2006 mit Gitarre und Tamburine den Mississippi Blues unters Volk brachte. Die Komposition von Mark und Tom heißt "Jessie Mae" und beschreibt ihr Leben und Wirken kurz und prägnant im JukeJointstyle Mississippischer Art.
Tom Gray fotografiert anschließend das Publikum, er dreht den Digitalspieß also mal um.
In den Endspurt.
Als absolut eigenständige Version in der Delta Moon-Ausführung gibts das hier noch: Es wird gewangdangdoodlet "All Night Long", eines der Willie Dixon'schen Hörerlebnisse aller Zeiten, mit einer Prozession der Musiker, jeder mit einem Becken und Stick oder einem anderen Rhythmusschlagmittel ausgerüstet, kreuz und quer durch die ehrwürdige Manege. »We gonna pitch a wang dang doodle all night long« und der Chorgesang der Zuhörer - »All Night Long« - der Beifall nach dieser Darbietung und sowieso ist hochdezibelisch.
Mein Dank an die Band, ich kann wieder nur mit dem Kopf schütteln ob der musikalischen Qualität ihrer außergewöhnlichen Musik und den Spaß, den sie bereiten, ich sah sie an gleicher Stelle im letzten Jahr, es hat sich nix geändert.
Dank natürlich auch an die Leute, die die Band nach Deutschland holten und betreuten.
Dank auch an die Macher der Manege, die uns diesen fantastischen Musikabend bescherten, für 12 €!!!!
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