In Europa ist alles viel professioneller aufgebaut!
Im Gespräch In Chile sind sie eine richtig große Nummer, in Deutschland sieht das anders aus. Wie sie es auch in Good old Germany schaffen wollen, große Hallen bzw. Stadien zu füllen, darüber unterhielten wir uns mit Anton Reisenegger, Gitarrist und Shouter von Criminal


Interview vom 17.03.2009


Jens Groh
»Hola y Buenos dias«; oder doch lieber »Hello and a nice Day«; oder vielleicht »Moin und einen Schönen Tag«, jaja so hab ich auch meine Rezi zu euren neuen CD begonnen, ich weiß, aber es war doch zu verführerisch dies nicht auch als Einleitung für mein Interview zu benutzenů- ok, legen wir los:
RockTimes: Es ist ja schon nicht gerade gewöhnlich, ein solches Zusammenspiel dreier Nationen bewundern zu dürfen (nach meinen Recherchen stammst Du, Anton, aus Deutschland, der Rest aus Chile und England). Wie kam es dazu bzw. was hat dich ans andere Ende der Welt verschlagen? Bzw. jetzt nach England?
Anton: Da muss ich dich gleich mal korrigieren. Ich stamme nicht aus Deutschland, sondern wurde in Chile geboren und bin dort auch aufgewachsen. Meine Familie stammt zwar aus Deutschland, ich selbst habe aber erst dort gewohnt, als ich über 30 war.
Einfacher ist es natürlich zu verstehen, wenn man sich erstmal die Bandbio durchliest, aber es ist so, dass die Band erstmal ca. 10 Jahre in Chile existiert hat, bevor Leadgitarrist Rodrigo und ich nach England gezogen sind, wo wir dann mit britischen Musikern weiter gemacht haben. Obwohl ich selbst später nach Deutschland und jetzt nach Spanien gezogen bin, funktioniert die Band weiterhin in UK.
RockTimes: Wie waren die bisherigen Erfahrungen in Chile?
Anton: Criminal ist in Chile eine richtig große Nummer, aber nach fast zehn Jahren sind wir dort dann auch halt an unsere Grenzen gestoßen. Außerdem hatten wir Probleme mit unserer damaligen Plattenfirma, also habe wir irgendwann beschlossen, unsere Sachen zu packen und abzuhauen.
RockTimes: Was ist denn der größte Unterschied zwischen Südamerika und Europa in punkto Metal?
Anton: In Europa ist alles viel professioneller aufgebaut, was die Labels, Agenturen, Festivals und so weiter angeht, aber gerade deshalb fehlt auch irgendwo die Aufregung. Die Fans sind schon fast verwöhnt, würde ich sagen. In Südamerika sind die Leute so richtig verrückt nach Metal.
RockTimes: Habt ihr schon konkrete Tourpläne, als Headliner, zum neuen Album, oder nehmt ihr alles mit was geht, sprich Festivals und alle Tourangebote, die sich ergeben?
Anton: Uns bleibt nichts anderes, als alles zu nehmen, was sich ergibt. Wir sind einfach nicht 'groß' genug für eine Headlinertour. Also an alle Agenten, Veranstalter, Bands: Bucht uns!!!
RockTimes: In Chile seid ihr also eine große Nummer. Hier in Deutschland doch eher noch Geheimtipp. Wie geht ihr damit um, hier nicht von jedem erkannt zu werden? Oder ist es doch mal ganz angenehm, nicht von jedem als der große Metal-Hero behandelt zu werden?
Anton: Wir wären natürlich auch in Deutschland gerne erfolgreicher, aber es stimmt schon, dass es auch Nachteile hat, bekannt zu sein. Ich hatte zum Beispiel in Chile einen CD-Laden, mit dem ich mein tägliches Brot verdiente, da kamen aber oft nur Fans hin, die mal eben ein Foto machen oder einfach nur mit mir labern wollten, das war auf Dauer ganz schön nervig.
RockTimes: In eurer letzten Heimat (Chile) habt ihr vor Tausenden Metalheads in Stadien gespielt, hier allerdings nur in kleinen Clubs. Was macht mehr Laune, vor der gesichtslosen Masse oder doch den Fans Auge in Auge gegenüberstehen?
Anton: Beides hat seine Reize. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn richtig viele Leute auf deinen Sound abgehen, aber das Feeling im kleinen, verschwitzten Club ist auch unbezahlbar.
RockTimes: In einem anderen Interview meintest du, dass "Mobrule" gegen Neonazis sei, habt ihr damit wirkliche Probleme in Chile, oder ist das allgemein Global gehalten?
Anton: Es gibt zwar in Chile mittlerweile auch neonazistische Gruppierung, was ich nun gar nicht nachvollziehen kann, aber im Song "Mobrule" geht es nicht um ein bestimmtes Land, sondern um das Phänomen an sich, dass sich irgendwelche Wirrköpfe für so einen Scheiß einspannen lassen, weil sie sich in einer Gruppe stark fühlen und auf den Kleineren und Schwächeren ihren eigenen Frust auslassen können.
RockTimes: "White Hell" weckt Assoziationen zu einem gewissen weißen Pulver, das ganz gerne aus Südamerika importiert wird, liege ich da richtig? Oder klang es einfach nur gut?
Anton: Wir haben den Titel ganz bewusst gewählt, weil er auf verschiedene Arten interpretiert werden kann. Eine davon ist natürlich Kokain, was schon in anderen Songs von uns thematisiert worden ist, aber Rassismus passt auch, oder einfach nur Kälte und Trostlosigkeit.
RockTimes: Ihr habt selbst produziert und aufgenommen (obwohl die Platte sich nicht hinter einer anderen neuen Produktion verstecken muss). War jetzt die Zeit reif selbst das Zepter zu übernehmen, oder lag's einfach am Geld?
Anton: Es lag eher am Geld. Ursprünglich wollten wir eigentlich wieder zum Andy Classen ins Stage One gehen, aber unser neuer Basser hat ein sehr gutes Heimstudio. Da haben wir uns das Geld lieber gespart und die Aufnahmen selbst übernommen. Zum Mischen haben wir dann einen gewissen Neak hinzugezogen, der dann auch eine Schlüsselfigur im ganzen Prozess war. Er hat mir auch geholfen, die Vocals richtig gut hinzubekommen, und der Mix ist ja der Hammer und braucht sich, wie du schon bemerktest, hinter keiner großen und teuren Produktion zu verstecken.
RockTimes: Nenne unseren Lesern doch mal ein paar weitere Bands aus Chile, die du für erwähnenswert hältst. Mir sind außer euch nur Mar de Grieses und Corpofago bekannt.
Anton: Darkemist machen Melodic Death und sind richtig gut, Electro Zombies machen so Doom-Grind und sind auch ganz cool, Thornafire ist was für die Diehard Death Metal-Heads, und es gibt sicher noch viele andere, die ich gar nicht kenne...
RockTimes: So nun fast zum Schluss, welche Bands haben euch dazu bewegt selbst Musik zu machen bzw. haben euch beeinflusst?
Anton: Ganz klar: Metallica und Slayer!
RockTimes: Und als allerletztes noch ein paar Quickies:
Deutsches oder Chilenisches Bier?
Anton: Ganz klar deutsches Bier! Das chilenische ist echt schlecht, dafür gibt es aber in Peru und Bolivien sehr gutes Bier.
RockTimes: Meeresfrüchte oder Rippchen mit Sauerkraut?
Anton: Meeresfrüchte!!! Ist nicht jedermanns Sache, ich könnte dafür aber killen.
RockTimes: Alpen oder Anden?
Anton: Egal... zum Angucken ist beides schön, ein Bergsteigertyp war ich aber nie.
RockTimes: Slayer oder Machine Head?
Anton: Machine Head sind zwar eine sehr coole Band, haben in ihrer Karriere aber auch schon mal Mist gebaut (auch musikalisch). Und Slayer ist eben Slayer, also ganz klar... SSSSLLLLLLLAAAAAAAAYYYYYYYYYYYYEEEEEEEEEEEEERRRRRRRRRRRRR!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
RockTimes: So die letzten Worte gehören dir:
Anton: Checkt unser neues Album an! Die meisten Leute, die es bisher gehört haben, finden es geil, also müssen wir diesmal irgendwas richtig gemacht haben!!! Und wenn ihr es cool findet, dann kauft es auch, damit wir mal wieder in Deutschland touren können. Kommt übrigens mit einer Bonus-DVD mit über 90 Minuten Criminal!
RockTimes: Dann danke ich dir im Namen von RockTimes fürs Rede und Antwort stehen.
Anton: Nö - danke dir!
Wir danken Tom Hack von Massacre Records, der uns das Gespräch mit Anton ermöglicht hat.
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