Artists Collection / Blues & Boogie Vol. 8
Artists Collection 8 Spielzeit: 57:34
Medium: CD
Label: Stormy Monday Records, 2015
Stil: Blues

Review vom 00.11.2015


Joachim 'Joe' Brookes
Zur Blues & Boogie Night 2015 in Ludwigsburg gibt es wieder einen Sampler des Labels Stormy Monday Records. Stattfinden wird das Event im Scala-Theater. Die "Artists Collection Vol. 8" ist so vielfältig wie ein sehr gutes Kochbuch, denn bekanntlich wird die Liebe zum Blues auch irgendwo im Körper gespeichert.
Bei beiden Buchstützen bilden zwei Nummern der Crazy Hambones von ihrem Album 45 Live. "Moon" führt uns flott-groovend auf die Piste des Hörgenusses und "Have A Good Time" bringt mit steigender Dynamik gleich mehrere Einflüsse zusammen.
Achtung, Hochspannung! Klaus Marquardt's Violin Experience knöpft sich Joe Bonamassas "Man Of Many Words" vor. Gesungen von B.J. Huguet ist diese Nummer eine der heißen Kandidaten für den Funk-Preis der Platte. Ein verzaubernd-psychedelischer Violinenklang macht einen wuschelig im Kopf und B.J. Huguet überzeugt auf Anhieb. Ein Joe Bonamassa mal anders und höchst interessant. Klaus Marquardt spielte unter anderem auch bei Ray Wilson.
Im Booklet wird Soundsville als »funky hammond blues« angekündigt. Na denn, »funky violin blues« hatten wir ja gerade. Steely Dans "Pretzel Logic" steht auf dem Plan und man dachte, schon alle Tiefer- beziehungsweise Höherlegungs-Interpretationen gehört zu haben. Soundsville beindruckt durch verdammt viel Eigenständigkeit und macht den Steely Dan-Track der ersten Stunde zu einem Highlight. Tja, da fällt es schon schwer herauszubekommen, wer bei den letzten beiden erwähnten Songs die Nase vorne hat.
Von Klaus Marquardt's Violin Experience-Psychedelic geht es zu den Spezialisten anderer Art. The Dynamite Daze zeichnen ein predigend-psychedelisches "A Picture Of Downtown Kingston" in schillernden Farben, die vor einem dunklen Hintergrund so richtig zum Tragen kommen. Dynamite Daze und eine Kostprobe aus Tango With The Devil.
Die Boogie Boys aus Polen haben sich mit Haut und Haaren dem Boogie Woogie/Rock'n'Roll verschrieben. Aus ihrem Album "Live At Satyr Blues Festival" stammen "Where'd You Stay Last Night" sowie "Fortepian i Ja". Piano und Orgel von Frontmann Bartec Szopinski treiben den Blues an und auch in Landessprache ist die dynamische Boogie Boys-Musik weit ab vom Nichtgefallen.
Der Blues von Back On The Road ist aus einem anderen Holz geschnitzt. In "You're Stealing My Time" steht Olaf Nöll mit seiner Harp prominent im Vordergrund. Aber was zählt, ist das Zusammenspiel mit den anderen Bandmitgliedern und da ist es Gitarrist Heiko Schmidt, der mit seinem Solo eine tiefe Kerbe im harten Blues-Holz hinterlässt. Klasse Song!
Sprachliche Exoten in der Runde ist Phrase Pig, die »SchwobaBlues«-Band. Gekonnt groovender Blues mit eingebautem Fußwippen-Motivator kommt einem in "Heit Morga" entgegen. Toller Mannschaftseindruck.
Vertreter der härteren Fraktion ist definitiv Fast Eddy's Blue Band. Aus seiner Schaffens-Schau Blues & Songs Best Of 25 Years gibt es mit "Slow Down" ein ordentliches Pfund auf die Lauscher und "Too Much Time To Think" zieht seine Faszination aus der rauen Stimme des Protagonisten und der melodiösen Eingängigkeit.
Jan Hirte's Blue Ribbon schlingt sein buntes Latin-Band um "Sweet Sixteen". Herrlich gesungen von Elen Wendt, die eine eindringliche Stimme hat und überzeugt hier natürlich genauso, wie auf
Let It Roll, in dessen Tracklist "Sweet Sixteen" enthalten ist.
Richtig schön, etwas von Mick Pini zu hören. "Jumping Blues" stammt von "Happy With The Blues" und der Hörer kann auch hier fröhlich sein. Jump&Brass machen die Runde. Verzaubert wird der Stil durch klasse Mick Pini-Gitarre und feinsten Pianoläufen.
Nico Brina wird im Heftchen mit (Zitat) speed boogie /// vorgestellt. Okay, nach einem kurzen, sehr kurzen Warm-up ist "Charlie's Boogie" eine der nachhaltigen Boogie Woogie-Achterbahnfahrten von Nico Brina, That's My Way 30 Years The Jubilee Sessions. Zu Risiken oder Nebenwirkungen inspizieren sie ihren CD-Player. Keine Macken, alles echt bei Nico Brina.
Vorher steckt Steve 'Big Man' Clayton mit seinem "I'm In Love With You Baby" in ruhigeren Fahrwassern und dem Blues. Klasse, der Mann am Klavier mit einer Stimme wie modelliert für den 12-Takter.
Keine Stormy Monday Records-Compilation ohne Little Willie Littlefield. "Roomin' House Blues" mag man, weil neben dem Piano in lockerer Boogie Woogie-Auslage, einem genüsslichen linke-Hand-Roll und Ben 'King' Perkoff mit seinem Saxofon von sich reden macht.
Der Sampler verdeutlicht die Vielschichtigkeit der auf dem Label vertretenen Künstler/Bands.
Line-up:
Tracklist
01:Crazy Hambones Moon (3:47)
02:Fast Eddy's Blue Band Slow Down (3:26)
03:Boogie Boys - Where'd You Stay Last Night (6:04)
04:Jan Hirte's Blue Ribbon Sweet Sixteen (3:58)
05:Steve 'Big Man' Clayton I'm In Love With You Baby (5:06)
06:Nico Brina Charlie's Boogie (3:05)
07:Mick Pini Jumping Blues (3:47)
08:Fast Eddy's Blue Band Too Much Time To Think (3:51)
09:Little Willie Littlefield - Roomin' House Blues (3:21)
10:Klaus Marquardt's Violin Experience Man Of Many Words (3:18)
11:Dynamite Daze A Picture Of Downtown Kingston (3:46)
12:Phrase Pig Heit Morga (3:53)
13:Back On The Road You're Stealing My Time (2:40)
14:Boogie Boys Fortepain I Ja (6:00)
15:Soundville Pretzel Logic (5:19)
16:Crazy Hambones Have A Good Time (7:41)
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