Singing Through The Hard Times
A Tribute To Utah Phillips
Singing Through The Hard Times - A Tribute To Utah Phillips Spielzeit: 67:32 (CD 1), 64:33 (CD 2)
Medium: Do-CD
Label: Righteous Babe, 2009
Stil: Folk

Review vom 03.05.2009


Wolfgang Giese
Ein Tributalbum an einen Herrn, den einige vielleicht gar nicht kennenů

Es mag also von Vorteil sein, wenn man sich in der Geschichte der amerikanischen Folkmusik etwas auskennt.
Der 1935 geborene und 2008 verstorbene Folkie hat sich Zeit seines Lebens den politischen Umständen, besonders in seiner Heimat USA , gewidmet, und dieses in seinen Texten ausgedrückt. So entstanden Songs über die Probleme der Arbeiterklasse, über die Gewerkschaftsbewegung und über das Leben generell.
Phillips soll sich selbst einmal als Anarchist bezeichnet haben.
Mit kräftig-prägnanter und druckvoll-pathetischer Stimme hat er stets seine Songs, in der Regel nur mit akustischer Gitarre begleitet, vorgetragen. Ich bin auf den Musiker etwa 1975 aufmerksam geworden, als ich ein Stück hörte, das mich faszinierte - es war "All Used Up". Hier die ersten Textzeilen:
»I spent my whole life making somebody rich
I busted my ass for that son of a bitch
He left me to die like a dog in a ditch
And told me I'm all used up.«

Die gleichnamige LP, "All Used Up: A Scrapbook", war bald mein.
Auf einem Sampler des Smithsonian Instituts, "Classic Labor Songs From Smithsonian Folkways", aus dem Jahre 2006, ist er selbstredend verewigt worden: Mit dem Titel "The Preacher And The Slave", zusammen mit solchen Musikern wie Peggy und Pete Seeger, Woody Guthrie und anderen.
Drei Monate vor seinem Tod im Mai 2008 hatten drei Musiker die Idee, eine musikalische Widmung an Phillips zu initiieren: Dan Schatz, Jacqui und Kendall Morse, und nach und nach gesellten sich weitere hinzu, was letztlich zu den Aufnahmen der 39 Titel auf dieser Doppel-CD führte.
Aufgrund der Menge verschiedener Interpreten/innen ist es schon eine recht unterschiedliche Ausprägung der Songs geworden - mit unterschiedlichen Ergebnissen.
Atmen einige so gut wie unverfälscht die Stimmung des Originals, z.B. "All Used Up" von John McCutcheon, "She'll Never Be Mine" von Harry Tuft And Jack Sanesco, so sind andere Titel wieder sehr geprägt vom persönlichen Ausdruck des Vortragenden. So ganz besonders auf der sehr interessanten irisch/amerikanischen Zusammenarbeit zwischen Mary Black und Emmylou Harris ("Green Rolling Hills Of West Virginia") oder Tom Paxton mit "I Remember Loving You".
Gleich der erste Titel, in einer Kollaboration verschiedener Künstler entstanden, wird dem Titel ("Singing The Hard Times") durch die druckvolle Interpretation durchaus gerecht und ist m.E. mit einer der stärksten Songs der Sammlung. Schön ist, dass sich hier auch die Band um Utahs Sohn Brendan, Fast Rattler mit einer schönen Interpretation von "Paddy Welcome Back" eingebracht hat.
Ebenfalls zu begrüßen ist sicherlich der Beitrag des alten Gefährten Pete Seeger auf "Or Else", an dem jedoch auch bereits der Zahn der Zeit hörbar nagt.
Insgesamt selbst für Folkies eine Ansammlung vieler unbekannter Namen und man ist schon froh, solche Leute wie Emmylou Harris, Mary Black, Pete Seeger, Tom Paxton oder Ani DiFranco (auf dessen Label Phillips zuletzt auch veröffentlichte) zu entdecken.
Nicht durchgehend ist dieses so ein qualitativ hochwertiges Album geworden, auch einige Schwächen gibt es aus meiner Sicht, z. B. die mich nicht so überzeugenden Vorträge von Magpie mit "Michael", Taylor Whiteside mit "Rock Salt And Nails", einem Stück, von dem ich schon wesentliche bessere Interpretationen hörte, oder Rosalie Sorrels, mit deren Stimme ich mich so gar nicht anfreunden kann.
Von den mir Unbekannten haben mich andererseits der kraftvoll-emotionale Vortrag von Mick Lane ("Hallelujah I'm A Bum") positiv überrascht; wie auch die schöne Stimme von Kat Logan ("The Fades Roses Of December").
Etwas Gutes kann man durch den Kauf der Doppel-CD auch tun, denn die Erlöse unterstützen die Familie des Verstorbenen - unter anderem auch zur Begleichung noch offener Arztrechnungen.
Alles in Allem ein schönes und gelungenes Tributalbum, dass trotz einiger Schwächen ein würdiges Denkmal für einen großen Streiter darstellt. Nicht nur mit Arbeiter- und Kampfliedern, sondern auch Kinder- und Liebeslieder finden wir auf der Kollektion. Letztlich eben das alles, was die von Phillips besungene Arbeiterklasse an Themen beschäftigte.
Tracklist
CD 1:
01:Singing Through The Hard Times - Magpie, Dan Schatz, Emma's Revolution, Cathy Fink, Marcy Marxer And Friends
02:Going Away - Will Brown, Cindy Kallet And Grey Larsen
03:Great Rolling Hills Of West Virginia - Emmylou Harris And Mary Black
04:Dump The Bosses Off Your Back - Si Kahn
05:All Used Up - John McCutcheon
06:Starlight On The Rails - Saul Brody
07:All About Preachers - Lisa Null
08:She'll Never Be Mine - Harry Tuft And Jack Sanesco
09:The Popular Wobbly - Larry Penn
10:Room For The Poor - Cathy Fink And Marcy Marxer
11:Reuben's Train - Sparjy And Rhonda Rucker
12:Paddy Welcome Back - Fast Rattler
13:Michael - Magpie
14:The Telling Me Home - Ed Trickett
15:Phoebe Snow - Kendall Morse
16:If I Could Be The Rain - Faith Petric
17:Queen Of The Rails - Dan Schatz
18:Kid's Liberation - Judy Cook
19:Or Else (One-A These Days) - Pete Seeger
CD 2:
01:Goodnight Loving Trail - Gordon Bok
02:The Soldier's Return - Rosalie Sorrels
03:I Remember Loving You - Tom Paxton
04:Jesse's Corrido - Elizabeth LaPrelle
05:Hood River Roll On - Bruce Brackney
06:Old Buddy, Goodnight - Pop And Bodie Wagner And Dakota Dave
07:Hallelujah I'm A Bum - Mick Lane
08:The Internationale (instrumental) - Ani DiFranco
09:The Faded Roses Of December - Kat Logan
10:Daddy, What's A Train? - Jay Peterson
11:Bill McCarran - Ray Bieri
12:He Comes Like Rain - Finest Kind
13:Look For Me In Butte - Mark Ross
14:The Miner's Lullaby - Jacqui Morse
15:Larimer Street - Rik Palieri
16:Old George's Square - Jean Ritchie
17:Rock Salt And Nails - Taylor Whiteside
18:The Hobo's Last Ride - Art Thieme
19:Singing In The Country - Caroline Paton
20:Hymn Song - Emma's Revolution
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