The Cannons / 21.01.2013, Folkclub Isaar, Töpen
Live The Cannons
Folkclub Isaar, Töpen
21.01.2013
Stil: Irish Folk
Konzertbericht


Artikel vom 28.01.2013


Norbert Neugebauer
Volltreffer zum Saison-Start im Folkclub Isaar
The Cannons im Folkclub Isaar. Ein Irish Folk-Konzert, wie es viel typischer nicht sein kann. Seán Cannon mit The Cannons seinen Söhnen James und Robert spielen Klassiker des Genres in einem alten Wirtshaussaal im verschneiten Frankenwald. Und doch in verschiedener Hinsicht ungewöhnlich und bemerkenswert.
Zum einen ist an einem Montagabend (sonst finden die Auftritte im hier beheimateten Folkclub Isaar meist am Samstag statt) der Saal rammelvoll, was dem strahlenden Gastgeber schon mal einen kräftigen Schub für das neue Konzertjahr gibt. Und das, wo fast ganz Deutschland unter Blitzeis und Schneeverwehungen nahezu paralysiert ist. Doch der Frankenwald erweist sich ausnahmsweise als zwar typisch saukalte, aber verkehrstechnisch problemlose Insel der Glückseligen, die in das kleine Dorf strömen.
Farewell Dubliners, welcome Cannons
Denn, und das zum zweiten, Seán Cannon ist nicht irgendein irischer Folkie, der auf seiner jährlichen Tour auch mal The Cannons wieder hier aufschlägt. Er war die letzten drei Jahrzehnte Mitglied der legendären Dubliners, der wohl weltweit berühmtesten Truppe der heimischen Pub-Musik, die ganz offiziell zum Jahresende 2012 ihre Karriere beendet hat. Farewell boys and thank you for more than 50 years of Irish's best! Doch von ihnen ist mit keiner Silbe die Rede, obwohl die Cannons reichlich Songs aus dem großen Folk-Fundus der britischen Inseln vortragen, aus dem auch die Dubliners ihr Repertoire speisten.
Mixed Emotions von der Bühne
Und irgendwie kommt auch gar nicht das Gefühl auf, dass da einen Meter entfernt ein Weltstar sitzt, der sonst vor tausend oder The Cannons zehntausend Zuhörern spielt. Seán Cannon, inzwischen 72 und bereits mehrfach hier zu Gast, begrüßt die gut hundert Fans in Isaar herzlich und auf Deutsch. Links und rechts die beiden Söhne, mit dem älteren, James, ist er schon länger auf Tour, Robert vervollständigt das Familientrio erst in jüngerer Zeit. Die beiden fungieren nicht nur als kompetente Begleiter ihres 'alten Herrn', noch immer mit beeindruckender Tenorstimme gesegnet, an Saiteninstrumenten und Chorgesang, sie solieren auch mit eigenen Coversongs. So gesellen sich zu den Dubliners-Gassenhauern wie "The Black Velvet Band", "Dirty Old Town", "The Spanish Lady", "Whiskey In The Jar" oder "Leaving Of Liverpool" und weiteren Folk-Klassikern dann auch Songs aus Übersee, von alten Blues-Nummern über Hank Williams-Klassikern (auch wenn "Jambalaya" nicht von ihm stammt ) bis hin zu frühen Hits The Cannons von
Johnny Cash, aber auch ein altes spanisches Volkslied. Das hat der Seán noch aus seiner Jugendzeit im Ohr, als er als Straßenmusiker viel in Europa herumkam.
Während er als typischer Vertreter des Pub-Entertainers für Stimmung sorgt, geben sich die Söhne mit rauchigen Stimmen dann doch eher introvertiert bei ihren gefühlvollen Interpretationen. Auch wenn das vom Repertoire her nicht ganz so zusammenpasst, gefallen tut's doch wohl jedem. Im Saal genauso, wie auf der Bühne. »Wir haben heut' viel Spaß hier in Isaar« - das ist mehr als nur die freundliche Floskel vom Cannons-Chef, zu der die gesundheitlich leicht angeschlagenen Söhne auch sofort die Daumen The Cannons hoch halten. Nach zweieinhalb Stunden offiziellen Programms gibt's erst den "Wild Rover" zum erneuten Mitsingen und Mitklatschen und dann ein ergreifendes, a capella intoniertes "Molly Malone", in das die drei Barden ihr ganzes irisches Herzblut legen.
»Bis bald, Ladies and Gentlemen!«- ja, Seán, bleib gesund und komm bald wieder!
Nachsatz: Schon ein besonderes Déjà-vu-Erlebnis, nach rund 40 Jahren einen der quasi Original-Protagonisten die Songs singen zu hören, die die eigene Folkmusik-Begeisterung mit ausgelöst haben.
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