Richard Bargel & Klaus 'Major' Heuser
'Men In Blues'-Tour: 14.10.2011, Viller Mühle, Goch
Rocktimes Konzertbericht
Richard Bargel & Klaus 'Major' Heuser
Viller Mühle, Goch
14. Oktober 2011
Konzertbericht
Stil: Blues



Artikel vom 21.10.2011


Joachim 'Joe' Brookes
Bargel/Heuser Zirka dreihundert Personen waren beim Gastspiel von Richard Bargel & Klaus 'Major' Heuser im Sacklager der Viller Mühle anwesend und nach knapp drei Stunden Blues waren alle Anwesenden voll auf ihre Kosten gekommen. Was Bargel und Heuser sowie ihre sehr versiert begleitenden Musiker Sascha Delbrouck (Bass) und Markus Rieck (Schlagzeug) dem Publikum boten, war bester 12-Takter in vielen Facetten sowie Finessen. Ende 2011 wird das erste Studio-Album mit dem Titel "Men In Blues" erscheinen. Das Duo hatte alle zehn Songs der Platte auf der Setlist, sodass man bereits vor dem Erscheinen einen Eindruck von den Kompositionen bekommen konnte und der war verdammt gut.
Bargel/Heuser Das Publikum von achtundzwanzig bis Ü-60 war von einem klaren, sehr gut ausgeloteten Sound begeistert. Wie immer, bekam die jüngste Person unter den Zuschauern eine CD geschenkt. Randbemerkung: Es waren noch Jüngere als der Achtundzwanzigjährige anwesend. Mit ihrem Blues nahm uns das Duo auch auf eine Reise in die Windy City mit. Schwer stampfte ihre Version des Chicago Blues in "Double Dirty Mother" durch das Gebälk des Sacklagers und dann brachte die Combo auch noch den 12-Takter im Reggae-Rhythmus unter die Leute. Dabei klang Bargels akustische Yamaha ganz überraschend nach Keyboards.
Bargel/Heuser Immer wieder beeindruckten die beiden Protagonisten durch ihre meisterliche Gitarrenarbeit. Bargel faszinierte ein ums andere Mal durch sein Slide-Spiel auf der Dobro oder der akustischen Gitarre. Einerseits verfügte Heuser über eine nicht enden wollende Quelle der Rock-Phrasierungen, anderseits begeisterte er durch viele einfühlsame, leise Momente. Unisono oder jeder für sich schraubten sie die Temperatur in Richtung Siedepunkt und in einem langen Solo hielt es Heuser dann auch nicht mehr auf seinem Hocker. Emotionen pur, nicht nur in diesem Moment!
Bargel/Heuser Manche Nummern hatten zu Beginn die Kraft der Ruhe und mit zunehmender Spielzeit entwickelten sie eine ungeahnte Dynamik. Je nach Song-Stimmung wechselte Delbrouck vom futuristisch aussehenden Kontrabass zum elektrischen Tieftöner. In "Poisoned" lieferte er ein mit Effekten gespicktes Solo und Rieck glänzte während des gesamten Gigs durch akzentuiert-melodisches Drummimg. Nach ganz wenigen Stücken war der berühmte Funke der Begeisterung auf das Publikum übergesprungen und die Combo hatte viele energetische Lieder auf Lager. Im Gegenzug sparten die Zuschauer nicht mit lautem Beifall und Pfiffen der Freude.
Bargel und Heuser hatten in vielen Spielarten des Blues eine feste Bleibe. Herrliches Country-Flair zog durch die Halle und wenn man dem Genre in der rockigen Version freien Lauf ließ, gab es kein Halten mehr.
Bargel/Heuser Zwei Urgesteine der deutschen Musik-Szene waren an diesem Abend auf Augenhöhe. Jeder spielte auf seine ganz individuelle Art und Weise mit sehr viele Seele und Feeling. Das Konzerte lebte von der losgelösten, flammenden Dynamik sowie intim-introvertierten Elementen und in der Blues-Ballade "Anytime You Want" waren alle vier Musiker trotz gewisser räumlicher Trennung ungemein nahe beieinander. Umso intensiver war das Stück auch. Highlight! Einer der Väter des Blues wäre 2011 einhundert Jahre alt geworden. Vor Robert Johnson zog das Duo seinen Hut (nein, nein, der 'Major' behielt ihn dort, wo er hingehört) mit "Me And The Devil Blues". Die Bargel & Heuser-Lesung eines der Klassiker des Blues gehörte ins Kabinett der Besonderheiten. Oh Mann, die Band steckte den Track in ein völlig neues Gewand. In ihrer Version war man sprichwörtlich auf der Flucht vor dem Teufel. Das Quartett gab dem Track ein Gesicht, das man so noch nie bewundern konnte. Es war quasi die ultimativ beschleunigte Fassung der Nummer und die Textzeile »and I said hello Satan I think it's time to go« hatte man wohl sehr wörtlich genommen. Bei "Start From Zero" stand als Notiz auf meinem Zettel J.J. Cale und ein dickes Lob musste man den beiden Frontmännern auch bezüglich ihres Kontakts zum Publikum machen. Einerseits waren die Hintergrund-Informationen zu den einzelnen Stücken sehr interessant und zum Teil lustig, andererseits war sozusagen Situations-Komik angesagt.
Der Auftritt in der Viller Mühle belegte unumstößlich: Die Zusammenarbeit von Richard Bargel und Klaus 'Major' Heuser ist ein echter Glücksgriff für den Blues aus unseren Breitengraden.
Wir danken Barbara Teko vom KulturBüro NiederRhein für die Akkreditierung.
Line-up:
Richard Bargel (vocals, Dobro, acoustic guitar)
Klaus 'Major' Heuser (electric guitars)
Sascha Delbrouck (upright bass, electric bass)
Markus Rieck (drums, percussion)

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