Rebekka Bakken, 29.04.2012
Kulturwelten Helmbrechts, Bürgersaal, Helmbrechts
Rocktimes Konzertbericht
Rebekka Bakken
Kulturwelten Helmbrechts, Bürgersaal, Helmbrechts
29. April 2012
Konzertbericht
Stil: Singer/Songwriter, Pop-Jazz


Artikel vom 23.05.2012


Norbert Neugebauer
Rebekka BakkenZu den Highlights des Kulturwelten-Programms Helmbrechts gehört in diesem Jahr zweifelsohne die aus Norwegen stammende Singer/Songwriterin und Musikerin Rebekka Bakken. In ihrer Spur folgten mittlerweile eine ganze Reihe von Sängerinnen, die mehr oder weniger im Jazz verhaftet und international bekannt sind. Allerdings kann keine auf einen derartigen Erfolg verweisen, wie die bereits als junge Frau nach New York übergesiedelte Bakken, die später in Österreich und in Schweden lebte und zuletzt wieder im 'Big Apple' wohnte. "September" (2011) war ihr letztes Album, das ähnlich gute Kritiken erhielt, wie der Vorgänger Morning Hours bei uns. Stilistisch lässt sich die 41-Jährige nicht leicht einordnen. Der Großteil ihrer Songs stammt aus eigener Feder, auf "September" fanden sich auch die Covers "The Wrestler" von Bruce Springsteen und "Forever Young" von Alphaville. Irgendwo zwischen Jazz, Folk und Country liegt das, was sie üblicherweise mit ihrer sehr sinnlichen Stimme singt.Rebekka Bakken Auf ihrer aktuellen Deutschland-Tour wird sie von Lars Danielsson (bass), Rune Arnesen (drums), Börge Petersen-Överleier (guitar) und Mathias Leber (keyboards) begleitet. Das Konzert im Rahmen des "kleinen Kulturfrühlings" am 29.04.2012 war zwar seit Wochen ausverkauft, allerdings ist bereits ein zweiter Termin im Herbst vereinbart, wie "Kulturwelten"-Chef Heinz König wissen ließ: Rebekka Bakken kommt am 16. September zu einem zweiten Auftritt in die Textilstadt im Frankenwald. Für die Fans anspruchsvoller Singer/Songwriter-Musik war RockTimes beim ersten Konzert und bekam dafür sogar den Stuhl vom 'Chef', der dann das Konzert von der Treppe zum Technikstand verfolgte.
Rebekka Bakken            Rebekka Bakken
Rebekka BakkenSanfte Sphärenklänge vom Band zur gedimmten blau-roten Beleuchtung als Intro - aber zwei, drei Minuten tut sich sonst gar nichts. Im Publikum entsteht leichte Unruhe, dann kommen die Mit-Musiker auf die Bühne. Es ist das letzte Konzert auf der Frühjahrs-Tour, vielleicht ist da schon etwas die Luft raus, jedenfalls lässt sich die Norwegerin noch etwas mehr Zeit, bis sie dann lächelnd vor die Zuhörer tritt. Jeans, Glitzer-T-Shirt und hochhackige Pumps (die sie später abstreift) - auch das zeigt, dass sie's locker nimmt. Trotz des großen Erfolgs gibt es keine Star-Allüren, Frau Bakken bleibt den ganzen Abend über sympathisch, natürlich und plaudert des Öfteren in gutem Deutsch über alles Mögliche. Auch über ihre Haarspülung, die ihr wohl immer einer ihrer Mitspieler aufträgt, was wohl ganz entscheidend für das persönliche Feeling ist Sie sieht sich nicht als Jazz-Sängerin, ist in einem Interview nachzulesen.Rebekka Bakken Das würde der nicht vorinformierte Zuhörer in Helmbrechts sicher auch unterschreiben, was immer da aus diesem schönen Mund kommt, ist alles andere, nur kein Jazz im gängigen Sinn. Zunächst sanfter Pop, ein Slow Blues, vom Arrangement etwas dick aufgetragen, Singer/Songwriter-Sachen, die auch nicht besonders spektakulär rüberkommen und bei denen sie sich auch schon mal verhaspelt. Es dauert seine Zeit, bis die Sängerin richtig bei der Sache ist, anfängliche Unkonzentriertheiten sind offenkundig und ihre Stimme klingt zunächst harsch. Erst ihre Version von "Forever Young", als Lieblingssong angekündigt, bringt ihr dann die Sicherheit und von da ab steigert sie sich zunehmend. Ohne Übergang wechselt sie in ein norwegisch gesungenes Lied, wohl etwas Traditionelles, und damit entführt sie ekstatisch in die Mythologie ihrer Heimat am Polarkreis. Rebekka BakkenSie wechselt von der Bühnenmitte mit dem Stand-Mikrophon mehrfach zum Flügel und jammt dann auch schon mal ein Stück weit mit ihrer tough aufspielenden Band. Das Programm besteht hauptsächlich aus den "September"- und anderen, neueren Titeln. Stilistisch geht es recht bunt zu, auf country-eskes folgt ein krachender Bluesrocker, der richtig abgeht und bei dem sie überzeugend die 'Bitch' markiert. Danach wieder lupenreiner Pop mit Mädchenstimme, etwas Sperrigeres, diesmal sogar mit leichter Jazz-Phrasierung, hintendran, gefolgt von einem Stück mit fast sakralem Charakter ("Mina's Dream"), bei dem sie ihre längst geschmeidigen Vocals doppelt. Nach gut anderthalb Stunden ist erstmal Schluss.
Rebekka BakkenSicher kein Konzert der Extra-Klasse einer Ausnahme-Sängerin und -Songschreiberin, aber ein schöner Abend mit einer wohl schon etwas ausgepowerten Künstlerin von Format. Irgendwo fehlte im Programm der rote Faden und der Sound im Bürgersaal war diesmal auch nicht ganz so transparent und ausgewogen, dafür zeichnete die Crew der Sängerin verantwortlich. Trotzdem sollte man sich als Fan schöner, ausdrucksstarker Frauen-Stimmen Rebekka Bakken keinesfalls entgehen lassen, sollte sie in der Nähe auftreten. Nach einem Riesenapplaus kam sie auch schnell zurück und sang als weiteres 'Lieblingslied' "Draußen schmilzt der Schnee" des unlängst verstorbenen Kollegen Ludwig Hirsch. Nach weiteren Ovationen gab's dann noch eine lange Version von "Ghost In This House" und sofort danach eine sehr lockere Rebekka Bakken am CD-Stand.
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