Jimmy Bowskill / 22.11.2009, Quasimodo, Berlin
Quasimodo
Jimmy Bowskill
Quasimodo, Berlin
22. November 2009
Stil: Blues Rock


Artikel vom 29.11.2009


Mike Kempf
Jimmy BowskillEs waren noch keine vierundzwanzig Stunden vergangen, als ich immer noch wie paralysiert durch die Gegend schlenderte, um den Richie Kotzen-Gig aus der Kulturbastion Torgau zu verarbeiten. Das Konzert hatte gesessen und nun wartete mit Jimmy Bowskill ein weiteres Highlight, der sich einen Abend später fürs Berliner Quasimodo angesagt hatte. Also schnell noch die Beine mit 'Pferdemark' eingerieben, ein paar Tassen Erfrischungstee geschlürft, Kamera wieder voll geladen und auf Klausi gewartet, der diesmal die Ehre hatte, mich zum Blues- und Jazzclub zu chauffieren. Ich war gespannt, wie viel Blues Rock-Fans den kanadischen Jungspund an diesem Sonntag erleben wollten. Und ich muss sagen, der Club war recht gut gefüllt, wobei die vor der Bühne platzierten Stühle und Tische eher hinderlich waren. Zum einem bekommt man auf Dauer müdes Sitzfleisch und zum anderen dient die Bestuhlung eher als Spaßbremse. Zumal hier nun wirklich kein Klassikkonzert zu erwarten war.
Jimmy BowskillJimmy beorderte seinen Roadie ans Mikro, um ihn und seine Band persönlich anzukündigen. Dieser musste sich sputen, um rechtzeitig in Deckung zu gehen, denn nach einer kurzen, knackigen Begrüßung, pumpte sich das Energiebündel kurz auf, begutachtete seine Gibson und fetzte los wie die Feuerwehr! Wie bei seinem erst kürzlich veröffentlichen Live-Album eröffnete er den Gig mit "Far From Reality" und brachte seinen Sechssaiter gleich zum 'glühen'! Bowskill ließ von Anfang an keine Zweifel aufkommen und präsentierte den Fans reinen Blues Rock. Zum Teil, wie z.B. bei "Karadag" flitzte er über die Bühne, schleuderte seine Gehirnzellen kräftig durcheinander und beendete nach ein paar tollen Soli den Song mit einem Schlusssprung der Marke Angus Young! Bei diesem Teil bewies Dan Neill, dass er sich an seiner Muckibude prächtig in Szene setzen kann und gab ein beeindruckendes Solo zum Besten! Auch Tieftonspezi Wayne Deadder ließ sein Können ab und zu aufblitzen, konzentrierte sich aber eher darauf, fehlerfrei seinem Chef den Weg zu ebnen.
Jimmy BowskillSpätestens nach "Rattlesnake" waren meine müden Gliedmaßen wieder voll aktiv. Ich hatte den Eindruck, dass Jimmy kam, seine Dynamik offenlegte, einige spektakuläre Soli bot, kräftig sang und die Grundmauern des Quasimodo ins Wanken bringen wollte! Mag sein, dass es an seiner jugendlichen Unbekümmertheit lag, aber Jimmy ließ keine Extras aus. So wurde "Broke Down Engine" in allerbester Slide-Manier vorgetragen und sein Röhrchen schredderte über die Saiten, dass so mancher Ton noch bis ins Knochenmark zu spüren war! Mit geschlossenen Augen präsentierte Bowskill "Drifting Haze" und man meinte, er spielte sich gerade in kosmische Sphären, als er seine Gibson nach allen Regeln der Klampferei ausspielte! Ein weiterer Höhepunkt wurde mit "Link Into Your Chain" geboten, einem Teil, das so richtig anturnt und bei dem der Frontmann wieder die ganze Bühne benötigte, um sein Temperament voll auszukosten! Nach schnell vorgetragenen Soloattacken nahm er noch mal kurz Anlauf, um auch diesen Track im Stile von Angus abzuspringen. Klasse Nummer!
Jimmy BowskillMit seiner lautstarken Frage »Are you Ready?« schnallte sich der 18-jährige Gitarrist eine doppelarmige Gibson um den Hals und pfefferte den Fans ein mir noch unbekanntes Stück um die Ohren. Dabei beackerte er mal das obere, mal das untere Griffbrett mit äußerster Filigranarbeit und setzte zum wiederholten Male ein Ausrufezeichen! Zwischenzeitlich demonstrierte er seine Fähigkeiten im Southern Rock. Wen wundert's, hat er doch auch schon mit Dickey Betts zusammen gespielt. In der von den Fans frenetisch geforderten Nachspielzeit wollte er wissen: »Do You Like B.B. King Aber sicher! Und so warf er "Three O' Clock In The Morning" in die Menge. Allerdings in einer von ihm abgewandten Version von über zehn Minuten, bei der er seiner Stromklampfe alles abverlangte. Jimmy, auch hier ein riesiges Kompliment!
Jimmy BowskillAls nach guten zwei Stunden das Konzert sein Ende fand, sah ich weit und breit nur zufriedene Gesichter. Absolut sympathisch, wie das Trio den Dialog mit den Fans suchte, alle Autogrammwünsche erfüllt, fachsimpelt und reichlich Tonträger an dem Mann bringt. Dabei verriet Bowskill nicht die Spur von Müdigkeit, als ich ihn anschließend im Backstage aufsuchte und ihn bat für unsere Leserschaft eine Überraschung parat zu halten! Immer noch klampfend gab er mir eine Zusage! Also, es lohnt sich, auch im Dezember in unser Magazin reinzuschauen!
Freudig teilte Jimmy mir mit, dass er im Februar 2010 wieder in Berlin gastiert, an der Seite von Wishbone Ash, die anlässlich des 40-jährigen Bestehens auch wieder durch Deutschland touren.
Zum Schluss möchte ich mich bei Jimmy für die problemlose Akkreditierung bedanken!
Line-up:
Jimmy Bowskill (vocals, guitar)
Wayne Deadder (bass)
Dan Neill (drums)
Bilder vom Konzert
Jimmy Bowskill        Jimmy Bowskill        Jimmy Bowskill
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