Black Country Communion / 05.07.2011, Zitadelle, Berlin-Spandau
Zitadelle Berlin Black Country Communion
Zitadelle, Berlin-Spandau
05. Juli 2011
Konzertbericht
Stil: Hard Rock
©Fotos: Conny Kempf


Artikel vom 12.07.2011


Mike Kempf
Black Country CommunionAm 5. Juli erfüllte sich für mich ein langgehegter Wunsch, endlich mal Schlagzeuggranate Jason Bonham live zu erleben. Dass er dabei mit dem amerikanischen Gitarrenvirtuosen
Joe Bonamassa, dem Bassisten und Sänger Glenn Hughes und Tastenspezi Derek Sherinian um exakt 19.30 Uhr die Bühne der Spandauer Zitadelle betritt, hängt damit zusammen, dass die 'Hauptbewohner' der ehrfürchtigen Festung, die in den Jahren zwischen 1559 und 1594 erbaut wurde, die Fledermäuse, spätestens ab 22:00 Uhr auf die Jagd nach potenziellen Blutopfern ungestört durch die Lüfte segeln dürfen (sollen). Außerdem gibt es in der unmittelbaren Nachbarschaft Anwohner, die mit der Stoppuhr jede Überminute registrieren und bei 'schwerem Vergehen' unverzüglich eine Anzeige erstatten! So wird es dem Spandauer Kunst- und Kulturamt nicht leicht gemacht, diese tolle Wirkungsstätte, wie bisher, mit absoluten Hochkarätern zu bestücken, um den Berliner Randbezirk auch über die Grenzen hinaus bekannter zu machen.
Black Country CommunionNachdem ein Roadie, der wie der Schauspieler vom Musikfilmklassiker "School Of Rock" aussah, die zahlreichen E-Gitarren gestimmt hat, begann der Gig der Vier, die bekanntermaßen als Black Country Communion durchs Land ziehen und als eine Art 'neue Supergroup' gelten, zu einer für mich ungewöhnlich frühen Anspielzeit.Black Country CommunionWährend Bonamassa in megasauberen Turnschuhen seinen maßgeschneiderten Nadelstreifenanzug zur Schau stellte, Derek ebenfalls ziemlich seriös erschien, kamen Hughes und Bonham als wahre Rocker aufs Podest und ließen von Anfang an erkennen, so wie es Hughes am Abend mehrmals erwähnte: »Hello Berlin, we are BCC and we are playing Rock 'n' Roll!«, dass sich die Fans auf keinem Operettenball befanden!
Black Country CommunionEs war vor allem Glenn, der wie ein brodelnder Vulkan seine Gesangsvorträge ins Mikro feuerte, in den textfreien Passagen ständig über die Bühne flitzte, dabei stets den Kontakt zu den Fans suchend, sich dabei oftmals am äußersten Rand des kleinen Mittelstegs platzierte und gierige Blicke in die Meute warf. Wow! Solch ein Energiebündel hatte ich nicht erwartet, steht der 'Star' doch bereits kurz vor seinem 60. Geburtstag (21. August)! Auch sein Saitengezupfe an seinem abgenutzt wirkenden Fender-Bass verdiente nur Bestnoten, zumal er oftmals den Hals seines Spielgeräts senkrecht in die Höhe schnellte, um mit der linken Hand den Laufsteg entlang zu schreddern.Black Country Communion Klasse Vorstellung! Jason Bonham, der sich zahlreicher geerbter Gene seines berühmten Vaters John Bonham erfreuen darf, platzierte seine Sticks, angetrieben von extrem guten Bizepsmuckis, immer zielgerecht und schlagstark auf den Fellen. Auch er ließ keinerlei Dynamik vermissen und trug einen großen Anteil zum Gelingen des Abends bei!
Black Country CommunionDagegen wirkte Extremklampfer Bonamassa schon fast zurückhaltend und wußte nicht so recht, was er machen soll, als Hughes sich genau vor ihn stellte und auf Grund seiner Begeisterung für den dargebotenen Gitarrenzauber, dem guten Joe einen Mundkuss anbot! Hätte dieser ihm seine Zuckerschnute entgegengehalten, es hätte unweigerlich 'gefunkt'. Stattdessen konzentrierte sich der Ausnahmegitarrist auf sein spielerisches Vermögen und setzte neben diesem noch weitere, zahlreiche Highlights! Für mich gibt's keinen Zweifel, Bonamassa gehört zu den Besten seiner Zunft! Dagegen fast unauffällig, doch mit nicht minderer Qualität agierend, Tastenspezi Sherinian, der mit einem astreinen Solo "Song Of Yesterday" einläutete, den die Kapelle anschließend perfekt in Szene setzte, wobei es Joe vorbehalten war, den Song mit einem weiteren Solo der Extraklasse nach Hause zu fahren.
Black Country CommunionSelbstverständlich wurden die Songs der bisher erschienen Alben, "Black Country" und 2 gespielt, so z. B. vom aktuellen Tonträger "The Outsider", "The Battle For Hadrian's Wall", bei dem Joe eine doppelhalsige Klampfe einsetzte, "Smokestack Woman", "I Can See Your Spirit" oder "Cold" - alles Songs, die live unter die Haut gingen.Black Country CommunionEs war nicht anders zu erwarten: Vier Musiker der absoluten Spitzenklasse ergeben im Endresultat eine Superband! Wobei Hughes, allein schon durch seine Bühnenpräsenz, die Fans und seine musikalischen Mitstreiter unermüdlich vorantreibend, noch etwas herausragte. Ach ja, zahlreiche Kameras fingen das Konzert ein und Issy, die bei fast jedem Deutschland-Gig Bonamassas dabei ist, verriet mir: »Es wird von den Gigs aus München und Berlin eine DVD zusammengestellt!« Tja, meine Agentin versorgte mich wieder mit allen wichtigen Infos!
Die Spandauer Fledermäuse reckten schon ihre Flügel, um sich so langsam auf die Suche nach roter, flüssiger Nahrung zu begeben und weil auch kein weiterer Anklage-Brief irgendeiner Privatperson vom Veranstalter erwünscht war, wurden nach einer Zugabe von zwei Liedern um 21.30 Uhr die Verstärker abgeschaltet. Letztlich wurde meine Erwartung zur vollsten Zufriedenheit erfüllt und so schlenderten wir, Black Country CommunionConny, die diesmal die Fotos schoss, und ich gutgelaunt nach Hause.
RockTimes bedankt sich bei Mark Dehler von Netinfect Multimedia für die problemlose Akkreditierung!


Line-up:
Glenn Hughes (vocals, bass)
Joe Bonamassa (vocals, guitar)
Jason Bonham (drums)
Derek Sherinian (keyboards)
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