Richie Arndt & The Bluenatics / Rorymania Tour 2008,
26.04.2008 Bluesgarage, Isernhagen
Bluesgarage
Richie Arndt & The Bluenatics / Rorymania Tour 2008,
Bluesgarage, Isernhagen
26. April 2008
Stil: Blues Rock



Artikel vom 01.05.2008


Jürgen Bauerochse
Wir schreiben den 14. Juni 1995:
Richie ArndtEin ganz trauriger Tag für die Fangemeinde der Rockmusik.
Heute hat sich der Lebenskreis eines der besten und sympatischten Künstler geschlossen, der je das Licht der Welt erblickte. Im Alter von nur 46 Jahren starb der irische Gitarrist/Sänger Rory Gallagher an Komplikationen nach einer Lebertransplantation in einem Londoner Krankenhaus.
Gallagher schrieb anfänglich mit der Band Taste, später unter seinem eigenen Namen Musikgeschichte mit bodenständigem Blues Rock. Dabei legte er vor allem auf der Bühne eine unglaubliche Energie an den Tag, die jedes Konzert zu einem unvergesslichen Erlebnis machten. Die komplette Rock-Szene hat einen schweren Verlust erlitten.

Zwölf Jahre später:
Richie ArndtDer deutsche Gitarrist Richie Arndt, bekannt geworden durch mehr als 1.000 Konzerte mit seiner Gruppe Richie Arndt & The Bluenatics, stellt eine Band auf, die sich ganz auf die Musik von Rory Gallagher konzentriert und nimmt eine CD mit seinen Lieblingssongs des verstorbenen Iren auf. Der Titel lautet Rorymania und mit Gregor Hilden,
Henrik Freischlader und Alex Conti (Ex-Atlantis, Ex-Hamburg Blues Band, Lake) sind drei der besten Gitarristen mit dabei, die Deutschland je hervorgebracht hat. Das Album bekommt sehr gute Kritiken und wird von den Fans begeistert aufgenommen. Die nachfolgende Tour ist ebenfalls sehr erfolgreich.

26. April 2008:
Richie ArndtRichie Arndt ist mit dieser Gruppe live in der Bluesgarage zu Gast. Pflichttermin für RockTimes, Abteilung Südniedersachsen, in Gestalt des Dreamteams Bauerochse, Berking, beide große Fans von Conti, Freischlader und natürlich Rory Gallagher. Seine unsterbliche Musik und dieses Line-up machten diesen Konzertbesuch unbedingt erforderlich, denn die zehntägige Extra-Tour könnte durchaus das letzte Mal sein, dass die Jungs in dieser Konstellation zusammenspielten. Richies Idee, diese 'Supergroup aus deutschen Landen' ins Leben zu rufen, war schon großartig, mit der Besetzung noch einmal auf Tour zu gehen, war noch viel besser!
Richie ArndtWir freuten uns wirklich riesig auf diese Show, denn was Alex Conti und Henrik Freischlader zu leisten in der Lage sind, hatten wir schon öfter miterlebt. Gespannt war ich persönlich auf Gregor Hilden, der mir bisher, genau wie die Bluenatics, nur von Tonkonserven bekannt war. Natürlich spielte auch die "Rorymania"-CD eine große Rolle, die auf mich einen saustarken Eindruck machte. Da auch hier die Gitarristen immer einzeln auf den Songs zu hören waren, deutete alles auf einen ständigen Wechsel auf der Bühne hin, was die Spannung auf die Show nur noch weiter steigerte.
Richie ArndtUnd genau so war der Gig dann auch aufgebaut. Richie Arndt & The Bluenatics eröffneten das Konzert in ihrer Trio-Besetzung und legten gleich mal mit "Laundromat" so richtig los. Dabei fiel sofort der enorme Drive der Rhythmus-Sektion auf, mit der die Herren Handreka und Boestfleisch ans Werk gingen. Staubtrockene Drums und ein herrlich intensiv pumpender Bass lieferten den idealen Hintergrund für die jeweiligen Gitarristen. Da bahnte sich richtig schweißtreibende Arbeit für die Zwei an, denn Rorys Songs sind ja nicht gerade Kleinigkeiten für die Power-Abteilungen.
Richie ArndtRichie Arndt selbst, der so ein wenig die Moderation des Abends übernahm, war auch für den größten Teil der Vocals sowie die Slide-Einlagen zuständig. Natürlich gab er auch noch den zweiten Gitarristen bei fast allen Songs. Ich muss schon sagen, Hut ab Herr Arndt. Ganz starker Auftritt. Es war deutlich zu spüren, wie diesem Mann die Musik Gallaghers am Herzen liegt. Diese Tour war ihm anscheinend ein besonderes Bedürfnis und das zeigte er auch. Klasse, mit welcher Begeisterung er an die Sache heranging. So würde ich mir alle Musiker wünschen.
Richie ArndtAls erster Gast war die 'Gitarrensensation' Henrik Freischlader auf der Bühne. Es gab einige Leute im Publikum, die ihn zum ersten Mal live erlebten, und denen klappte dann erstmal die Kinnlade vor Erstaunen herunter. In seiner typischen Art mit nach vorn gebeugten Kopf und intensiv verzerrter Mimik, fiedelte er sich durch die Soli. Mehr als einmal nahm er das Tempo aus dem Set und gab etliche Kostproben seiner ruhigen Spielkunst zum Besten, bevor er wieder so richtig Fahrt aufnahm. Als einziger Song aus seiner eigenen Feder gab es "She Ain't Got The Blues" von seinem ersten Album. Keine Frage, auch das war natürlich ein totaler Hörgenuss.
Richie ArndtGregor Hilden folgte und hatte ebenfalls absolut keine Probleme, Rorys Musik zu interpretieren. Dabei zeigte er sich bei den jazzig angehauchten Songs am Stärksten, die ja auch seiner eigenen Musik am Nächsten kommen. Gerade bei seinem Auftritt konnte man feststellen, wie vielseitig doch die Musik von Rory Gallagher eigentlich ist. Überhaupt gab es nicht etwa nur die bekanntesten Sachen des irischen Gitarristen zu hören, sondern jeder Interpret suchte sich seine ganz persönlichen Favoriten aus, die er dann dem Publikum vorstellte. Dadurch wurden auch etliche weniger bekannte Titel gespielt, und das war auch gut so. Ganz klar, dass solche Perlen wie "Calling Card" und "The Loop" dabei waren, wobei man aber jeweils die persönliche Bearbeitung der Saitenzauberer deutlich heraushörte. Mehr als einmal dauerte es geraume Zeit, bis der Song identifiziert werden konnte. Bloßes Nachspielen war also nicht angesagt. Gut so!
Richie ArndtAlex Conti kam als letzter Gast auf die Bühne, und das vollkommen zu Recht. Sichtlich gut gelaunt entlockte er seiner Gitarre sehr ausgedehnte Soloeinlagen zum "Pistol Slapper Blues", "Continental Op" sowie "Big Gun". Je länger die Songs wurden, desto intensiver wurde er bejubelt. Dieser Mann ist wirklich ein genialer Musiker, der in jeder Spielart des Rock und Blues zuhause ist. An diesem Abend war er in absoluter Hochform. Auch stimmlich voll auf der Höhe, konnte er mit seinem "Rambo Blues" voll punkten. Das ging sogar so weit, dass ein Fan versuchte die Bühne zu entern, um ihn hautnah persönlich abzufeiern. Doch dieser Zwischenfall hatte sich zum Glück sehr schnell wieder erledigt und die Show konnte ungestört weitergehen.
Richie ArndtDoch der Höhepunkt des Abends stand uns noch bevor. Zum Abschluss kam es zu der erwarteten und erhofften Jam-Session mit allen Beteiligten, und die übertraf dann bei Weitem meine Erwartungen. Angesagt war "Too Much Alcohol", ein Song, der zwar nicht von Rory Gallagher geschrieben wurde, aber doch zum festen Programm in seinen Konzerten gehörte. Und dieser vom Text her für sein Leben so zutreffende Titel hatte alles, was man sich nur wünschen konnte. Drumsolo, Basssolo und vier Lead-Gitarren, die allesamt nacheinander den Führungspart übernahmen. Mehr geht einfach nicht, und so war es nicht verwunderlich, dass am Songende schlappe zwanzig Minuten Spiellänge zu Buche standen.
Richie ArndtDas war nun wirklich das absolute Highlight dieses Konzertes. Der Saal brodelte und die Stimmung war nicht mehr zu überbieten. Trotzdem kam es noch zu einem sehr stimmungsvollen Abschluss. Der Tribute-Song "Dear Rory", geschrieben von Richie Arndt und als letzter Titel auf der "Rorymania"-CD vertreten, wurde ebenfalls als Jam in voller Besetzung zelebriert. Spätstens jetzt wurde dem Publikum klar, wie lange Rory Gallagher inzwischen schon nicht mehr unter uns weilt. Und er fehlt uns auch heute noch!
Richie ArndtAls Zugabe gab es schließlich den allseits bekannten "Bullfrog Blues" mit dem obligatorischen Mitsing-Refrain. Doch nun war die Luft endgültig raus, was auch wirklich niemanden erstaunte, denn inzwischen waren knapp drei Stunden vergangen. Diese Show ist mit Sicherheit ein heißer Kandidat für das 'Konzert des Jahres 2008', obwohl ich noch gar nicht weiß, was mich noch alles erwartet. Diesen Gig habe ich jedenfalls im Kasten und das ist auch gut so, denn sonst hätte ich mit Sicherheit etwas verpasst!
Line-up:
Richie Arndt (guitar, vocals)
Jens-Ulrich Handreka (bass)
Frank Boestfleisch (drums)

Gastmusiker:
Henrik Freischlader (guitar, vocals)
Gregor Hilden (guitar)
Alex Conti (guitar, vocals)
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