Joan Armatrading / 19.10.2007, Kulturfabrik, Krefeld
Kulturfabrik Joan Armatrading
Kulturfabrik, Krefeld
19. Oktober 2007
Stil: Singer/Songwriter



Artikel vom 22.10.2007


Joachim 'Joe' Brookes
Joan ArmatradingKalt und windig war es an diesem Abend vor der Kulturfabrik.
Keine Gnade: Das Eingangtor wurde um 20:05 Uhr geöffnet und man konnte eine wohltemperierte Location betreten.
Keine Gnade: An dessen Pforte klebte ein großes Plakat mit dem Hinweis, dass Foto- und Videoaufnahmen untersagt waren. Wohl dem, der eine Akkreditierung nebst Fotopass hatte. Ein nette Herr der Security sagte: »Zwei Songs, ohne Blitz.« Die Betonung lag auf dem Wort 'ohne'. Ok, dachte sich der Berichterstatter und sicherte sich einen Platz unmittelbar vor der Bühne.
Während der Zeit bis zum Beginn des Konzerts war von einigen Besuchern zu hören: »Die Armatrading habe ich zuletzt Neunzehnhundert… gesehen.«, »Das letzte Album, welches ich von ihr habe, ist…« oder »Hoffentlich spielt sie… « Klang Alles irgendwie nach Retro.
Joan ArmatradingDer Gitarren-Techniker wurde bereits mit Applaus empfangen, als er die Bühne betrat.
Mit einem Blick zurück war die Kulturfabrik zu Beginn des Konzerts um 21:05 Uhr sehr gut gefüllt, aber nicht ausverkauft.
Überschwänglicher Applaus erfüllte die Halle, als Joan Armatrading in einem seidenen Outfit die Bühne betrat und mit dem Song "Heaven" loslegte. Welch eine Stimme! Die sorgte alleine schon für Gänsehaut. Der Gitarreneinsatz im Opener war eher zurückhaltend. Auffällig war auch, dass der Schlagzeuger barfuß spielte.
"The Devil In Me" wurde dann mit jazzigen und funkigen Gitarrenlicks versehen.
Armatradings erstes Solo war klasse und wurde mit viel Verzerrung gespielt. Dann trat sie an Mikro, begrüßte die Zuschauer und plauderte unter anderem darüber, dass sie seit Februar auf Tour sei.
Joan ArmatradingMit den ersten beiden Songs hatte die Protagonistin das Publikum bereits fest im Griff und dann folgte mit "A Woman In Love" der erste Song ihrer aktuellen CD "Into The Blues", die nach Erscheinen in den Staaten auf Platz 1 der Billboard Blues-Charts durchstartete. Auf dem Album groovt das Stück bereits wie verrückt. Live wurde es zu einem echten Kracher. Für diese Nummer wechselte der Bassist, kein Geringerer als John Giblin, zum, vom Styling her auf das Nötigste reduzierten, elektrischen Kontrabass.
Während des Konzerts spielte die Armatrading verschiedene Gitarren, die auf Hochglanz poliert waren und irgendwie auch nagelneu aussahen.
Kaum waren rund zwei Minuten des rockig präsentierten vierten Songs, "Show Some Emotion", vergangen, tippte mir jemand auf die Schulter.
Keine Gnade: Mit strengem Blick hörte ich von einem Mann nur »Kamera wegpacken und bei der Security abgeben!« Nö, konnte doch jetzt nicht sein! Nach kurzer Diskussion einigten wir uns darauf, dass ich meine Kamera während des Konzerts nicht mehr anrühren würde. Das Thema Fotos hatte sich somit erstaunlich schnell erledigt!
Joan ArmatradingZurück zum Konzert: Mit "Something's Gotta Blow", "Play The Blues" und "Into The Blues" folgten drei weitere Auszüge aus Joans letztem Album. Abgrundtiefer Giblin-Bass begleitete eine mit viel Echo versehene Armatrading-Stimme. Der Keyboarder spielte einige jazzige Versatzstücke bis die Britin mit einem packenden spacigen Wah Wah-getriebenen Gitarrensound die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zog. Kräftig bearbeitete der Drummer die Felle seines Instruments.
Die drei Begleitmusiker, insbesondere der Keyboarder, waren hervorragende Backing-Sänger und konnten auch in den Knabenchor-Tonlagen überzeugen.
Insgesamt entpuppten sich die Songs ihres "Into The Blues"-Albums als tolle Live-Nummern.
Joan ArmatradingEs folgten zwei Songs von ihrer "Joan Armatrading"-Platte. Das balladeske "Tall In The Saddle" wurde mit einem effektvollen Keyboard-Teppich versehen und nach einem Break wurde der Track echt funkig. Auf diesen und den folgenden Song, "Love And Affection", mit akustischer Gitarre gespielt, hatte das Publikum gewartet, denn es sparte wahrlich nicht mit Beifall, den man schon als frenetisch bezeichnen konnte. Der Drummer ließ die Sticks ruhen und bereitete sich auf seinen Saxofon-Einsatz vor. Herrlich, wie er ein verträumtes Solo ablieferte. Dafür gab es Ansätze von Szenenapplaus. Auf der Bühne reagierte man nicht. Schade, für solche spontanen Reaktionen gab es im Konzert-Arrangement keine Zeit. Die 1976 geschriebenen Songs wirkten immer noch sehr frisch.
Auch "All Way From America" stand unter der Prämisse 'das wollen wir hören'.
Armatrading ließ die Gitarre beiseite, schnappte das Mikro und zeigte sich nun als Frontfrau, die auch mal den Platz auf der Bühne nutzte. Nur die Keyboards klangen etwas zu süßlich. Das Publikum sang Textzeilen alleine oder mit der Sängerin und man feierte.
Joan ArmatradingFür "My Baby's Gone" streifte die Gitarristin das Bottleneck über den kleinen Finger und beeindruckte alle auch in dieser Spielart.
Armatrading schien diesen verzerrten Gitarren-Sound zu mögen, denn auch die Ballade "Empty Highway" war klanglich entsprechend ausgelegt. Für "Cool Blue" waren die drei Männer auf der Bühne gesanglich wieder für Höheres geweiht und Joan bewegte sich auch mal mit Instrument mehr als zwei Schritte vom Mikro weg.
"You Rope You Tie Me" hatte einen klasse Rhythmuswechsel, der das Publikum dazu aktivierte, mitzuklatschen. Musste man da nicht seitens der Band reagieren und diesen Part ausdehnen? Leider war dem nicht so. Schade.
Jetzt wurde das Haus gerockt, denn "Call Me Names" stand auf dem Programm. Mit dem stets frisch klingenden "Me Myself I" verabschiedete sich das Quartett um nach heftigen Zugabe-Rufen wieder die Bühne zu betreten.
Joan ArmatradingKeine Gnade: Da der Gitarrentechniker vorher bereits alle Gitarren von der Bühne geholt hatte, wurde leider klar, das wir von der Protagonisten keinen Ton mehr aus ihrem Instrument hören sollte.
"Willow" wurde zu großem, perfekt dargebotenen Gänsehaut-Entertainment und das abschließende "Drop The Pilot" war abermals so richtig nach dem Gusto des Publikums.
Alle, die an diesem Abend den Weg in die Krefelder Kulturfabrik gefunden hatten, waren Zeuge eines tollen Konzerts einer Künstlerin (und Band), die perfekt unterhalten konnte. Ein wenig Spontanität wären in den 105 Konzertminuten nicht schlecht gewesen, Frau Armatrading.
Wir danken Irene von Hypertension Music für die problemlose Akkreditierung.
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