Devon Allman's Honeytribe / 17.10.2010, TECnet-Zentrum Küps-Burkersdorf
Rocktimes Konzertbericht
Devon Allman's Honeytribe
TECnet-Zentrum, Küps-Burkersdorf
am 17. Oktober 2010
Konzertbericht
Stil: Rock, Blues Rock

Artikel vom 22.10.2010


Norbert Neugebauer
Devon Allman's HoneytribeKlar macht es einen Unterschied, vor ein paar Tausend Leuten mit Sicherheitsabstand und Sperrgitter oder praktisch auf Tuchfühlung mit 50 (es waren aber schon mehr) zu spielen, wie Herr Allman mehrfach feststellte. Aber dass ihm dieses fast schon intime (»cozy«) Clubkonzert in der oberfränkischen Provinz sehr behagte, war offensichtlich. Von wegen »scary« - die drei Typen aus St. Louis waren ausgesprochen entspannt und nach dem Zweistunden-Gig auch noch gern bereit, die neue CD zu signieren und mit den Musikfans zu quatschen. »Ein schönes Dorf habt ihr, nur der Pizza-Service ist extrem langsam ...«
Devon Allman's HoneytribeNun, die großen Hallen spielt der Gregg Allman-Sproß in Europa sicher nicht, tags zuvor im 'Heiratsmarkt' in Reitwein wird's ähnlich überschaubar zugegangen sein. Der Vorteil ist natürlich, dass es kein großes Equipment braucht, zumal, wenn wie im TECnet-Club die hauseigene Beschallungsanlage vom Feinsten ist und ein hervorragender Mischer an den Reglern steht. Ein paar kleine Marshalls, die Instrumente, Mikrophone und ein Sixpack Bullensaft - das reicht für einen ordentlichen Auftritt im ausverkauften Laden, der dann auch Lautstärke-mäßig nicht auseinanderfliegt. Gewöhnungsbedürftig und vor allem für Fotografen schwierig, ist allerdings das gegenüber herkömmlichen Schweinwerfern neue LED-Strahlerlicht, das weit weniger Helligkeit aufweist.
Devon Allman's HoneytribeAllman hatte nur eine einzige Gitarre auf der Bühne und bestritt den ganzen Gig mit seiner Les Paul und ein paar Effektgeräten, wobei er das Wah-Wah reichlich traktierte. Seit seiner letzten Tour vor drei Jahren hat sich das Band-Line-up verändert, der Keyboarder ist nun nicht mehr dabei und am Schlagzeug sitzt Gabriel Strange, der die jüngste CD mit einspielte. Allman erschien im neuen Look - mit kurzen Haaren, und auch der Drummer hatte sich seit dem letzten Fotoshooting rasiert. Nur George Potsos mit seinem alten Fender-Bass blieb bei seinem bisherigen Erscheinungsbild.
Devon Allman's HoneytribeWas die Fans erwarten durften, war klar, auch wenn das neue Album "Space Age Blues" erst diese Woche veröffentlicht wird: Southern Blues Rock - 'with an ABB accent'. Warum sollte der Bandleader auch seine Abstammung leugnen? Mit "Midnight Rider", "Melissa" und "One Way Out", allesamt vom Album
Eat A Peach, als Verbeugung vor den berühmten Altvorderen bediente er die Erwartungen in genau der richtigen Menge. Ansonsten bestand das Repertoire aus Songs des Erstwerks Torch und des Nachfolgers.
Devon Allman's HoneytribeBei einer Dreierformation im Blues Rock-/Jam-Bereich sind die Entfaltungsmöglichkeiten längst ausgelotet, Honeytribe blieb hier in ganz konservativem Terrain - Devon Allman immer vornweg, mit Bass und Schlagzeug als sicherem Fundament. Die Rhythmussektion spielte solide und beschränkte sich, bis auf die obligatorischen (hier erfreulich kurzen) Soloauftritte, darauf, dem Frontman ordentlich die Grundstrukturen für die Songs zu untermauern. Nach den ersten schnellen Nummern schaltete die Band ein paar Gänge runter und der Bandleader zeigte, dass seine Stimme ausgesprochen 'Balladen'-tauglich ist. Mit "When I Call Home" hielt er sich noch etwas zurück, bei den späteren "Salvation" und "Warm In Wintertime", aber vor allem bei "Melissa" sang er mit viel Inbrunst die etwas süßlichen Songs, was entsprechend vom Publikum honoriert wurde. Ansonsten war er als Shouter, ebenso wie als Gitarrist, eher auf der gediegenen Seite, in beiden Sparten zählt er sicher nicht zu den Top-Akteuren.
Devon Allman's HoneytribeDas Spektrum der restlichen Songs reichte von inspiriert-verspielt bis heavy, wobei diverse Vorbilder oder Einflüsse durchaus nicht kaschiert wurden. Ein Highlight war der neue Titeltrack "Space Age Blues", der mit plötzlichen 'Stimmen aus dem Off' witzig eingeleitet wurde. Hier zeigte sich die Band von einer ganz anderen, filigranen Seite, was ihr auch nicht schlecht steht. Aber ansonsten wurde ordentlich Druck gemacht, "Could Get Dangerous", "Heaven Has No Mercy" oder "I'm Ready" krachten ordentlich. Bei der lautstark geforderten Zugabe (mit 'Standing Ovations' von den vier bestuhlten Sitzreihen) machte sich das Trio zunächst den Spaß, Songfragmente der wohl eigenen 'favourites' aus dem 'Golden Age of R'n'R' anzuspielen. Mit Stairway To Heaven, das in "One Way Out" mündete, ließen die Southern Men dann ihren Auftritt im gemütlichen TECnet-Club ausklingen.
Devon Allman's HoneytribeDevon Allman's Honeytribe lohnt sicher den Besuch, wenn man auf gängigen Blues Rock steht. Den 'authentischen ABB Bonus' nimmt man gern mit; ansonsten schwimmt die Band im großen Strom ähnlicher Formationen, die aber teilweise, vor allem im spieltechnischen Bereich, mehr zu bieten haben.
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