Ich glaube, dass es gar kein Genre gibt, zu dem man unsere Musik packen kann
Rocktimes Interview Sie riffen, grooven, singen, singen und growlen. Im Hause Amaranthe gönnt man sich drei Leute fürs Mikro - das hat sich auch auf dem dritten Album der Band, "Massive Addictive", nicht geändert. Ein Posten wurde allerdings neu besetzt. Über den neuen Mann mit der heftigen Stimme, darüber, was die Band da eigentlich für Musik macht und was da noch kommen kann, haben wir mit Gitarrist Olof Mörck gesprochen.

Interview vom 06.12.2014


Boris Theobald
RockTimes: Erst einmal Glückwunsch - mal wieder ein kraftvolles und sehr charakteristisches Amaranthe-Album! Wie würdest du denn selbst den Stil der Band nennen? Eure deutschen Promoter haben mal 'Hybrid-Metal mit Electro-Einflüssen' dazu gesagt ...
Olof Mörck: Danke! Normalerweise bin ich dagegen, Schildchen an die Musik zu machen und zu versuchen, alles in Schubladen zu stecken - ich glaube auch, dass es gar kein Genre gibt, zu dem man unsere Musik packen kann. Aber ich mag den Ausdruck 'Hybrid Metal' tatsächlich ziemlich gern, weil es keine Grenze für mögliche Einflüsse setzt und auch bislang selten genug benutzt worden ist, damit es sich noch einzigartig anfühlt. Also nur zu, benutz diesen Ausdruck ruhig für unsere Musik, haha.
RockTimes: Wie fügt sich denn der Neue, Henrik Englund Wilhelmsson, bislang so ein?
Olof: Der passt wie ein Handschuh! Er ist ein klasse Typ, ein fantastischer Growler und auf der Bühne wirklich ein König! Seine Begeisterung für die neuen Songs in ihrem frühen Stadium war absolut ansteckend, und das hat uns wirklich dabei geholfen, sie so großartig wie möglich werden zu lassen.
RockTimes: Er ist ja der Shouter, Elize und Jake 'singen' eher ... bereiten die sich denn vor den Shows unterschiedlich vor? Macht Elize vielleicht eher Gesangsübungen und Henrik trinkt Bier und versucht sich, mit Horrorfilmen wütend zu machen?
Olof: Haha, das ist gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt! Allgemein machen die Sänger keine ausgedehnten Aufwärmübungen mehr. Ich glaube, sie spüren, dass das ihre Stimmbänder mehr anstrengt als wenn sie versuchen, ein bisschen ruhig zu bleiben. Ich weiß nicht, ob das funktioniert, weil ich kein Sänger bin. Aber für sie klappt das, wie es aussieht, prima.
RockTimes: Um ehrlich zu sein, ich glaube nicht, dass das neue Album Massive Addictive irgendwie 'besser' ist als die beiden zuvor. Trotzdem konnte ich beim Schreiben des Reviews auch nichts Enttäuschendes feststellen. Es fühlt sich einfach 'nur' wie eine Fortsetzung seiner Vorgänger an, und zwar auf dem gleichen hochklassigen Level. Oder würdest du sagen, dass es in irgendeiner Weise eine Entwicklung gegeben hätte?
Olof: Das ist ein Jammer, dass du das denkst. Aber jedermanns Meinung ist anders, und ich bin froh, dass Du glaubst, dass die Qualität der Musik stetig gleich geblieben ist. Wir selbst glauben, dass wir wirklich alles übertroffen haben, was wir in der Vergangenheit gemacht haben und uns liegt sehr viel an diesem Album. Das ist natürlich das, was die meisten Künstler sagen, klar. Aber was die Reaktionen der Fans, die Plays und Streams und die Verkaufszahlen betrifft, da ist "Massive Addictive" viel stärker als jedes der vorherigen.
RockTimes: Ihr seid sechs Leute in der Band - und bei diesem Schmelztiegel namens Amaranthe muss es bei euch so viele unterschiedliche musikalische Vorlieben geben ... aus welchen Genres kommt ihr sechs denn?
Olof: Das sind tonnenweise verschiedenster Genres, und nicht jeder kommt aus einer bestimmten Richtung. Um nur ein Beispiel zu nehmen: Elize hat eine Ausbildung in Musicals und Stage Performance, aber sie hört viel Pop- und Indie-Singer/Songwriter-Musik. Trotzdem war ihr Bruder ein Screamer in der Band, und ihr Vater ist begeisterter Metalfan. Sie ist also auch viel mit dieser Musik groß geworden. Das Ergebnis ist ein sehr vielfältiger Musikgeschmack; und das trifft glaube ich auf jeden in der Band ziemlich genau so zu.
RockTimes: Da kämpft ihr bestimmt ganz schön darum, was im Tourbus aus der Anlage kommt!
Olof: Haha, du musst irgendwann mal vorbeischauen und selbst kucken. Du wärst wahrscheinlich überrascht.
RockTimes: Eine sehr wichtige Sache für den Stil von Amaranthe ist ja die Vermischung düsterer, aggressiver Sachen mit sehr melodischem und atmosphärischem Stoff. Erklärst du mich jetzt für verrückt, wenn ich sage, dass ich im Chorus mancher Songs - im positivsten Sinne - einiges an ABBA raushöre? So eine Arté Power Metal-ABBA, zum Beispiel in "Digital World", "Danger Zone" und "Skyline" - und in "Electroheart" auf The Nexus?
Olof: Ich glaube, die Musik von ABBA ist wahrscheinlich in unserem DNA-Code. Und obwohl ich die nie großartig gehört habe, habe ich den größten Respekt für ihre Melodien, Akkordfolgen und Gesangsharmonien. Ich kann den Vergleich zwischen unserer Musik und ihrer definitiv nachvollziehen, aber ich glaube, der Einfluss ist eher indirekt, weil wir uns nie bewusst hingesetzt und gedacht habené lass uns das wie ABBA klingen lassen'. Also: Du bist wahrscheinlich nicht verrückt.
RockTimes: Die Band hat ja so viele verschiedene atmosphärische Möglichkeiten mit all den Stilrichtungen und den verschiedenartigen Stimmen, die sich miteinander mischen - habt ihr schon mal darüber nachgedacht, epischere, längere Songs zu schreiben? Bis jetzt ist da der meiste Stoff zwischen drei und vier Minuten lang ...
Olof: Wir haben darüber nachgedacht, ja, aber es ist einfach noch nicht geschehen bis jetzt. Die Musik von Amaranthe soll sehr direkt und energiegeladen sein, und es ist sehr schwer, irgendeine Form von Energie sieben oder zehn Minuten lang aufrecht zu erhalten. Aber es ist definitiv nicht unmöglich, und ich sage normalerweise niemals nie zu irgendwas. Ich habe schon 14-Minuten-Songs für Dragonland geschrieben, also ist mir das nicht so ganz fremd.
RockTimes: Und als ihr so im Studio wart und geschrieben habt, habt ihr auch schon mal vor der Entscheidung gestanden, einen Song für nur einer der drei Stimmen zu haben?
Olof: Das ist auch so ein Ding, das wir uns für die Zukunft vorstellen können, die aber einfach noch nicht passiert sind. Es wäre wahrscheinlich eine coole Sache, einen Sänger durch einen kompletten Song hindurch scheinen zu lassen und den anderen eine Pause zu gönnen. Es war aber wohl zu früh auf den ersten drei Alben, das zu tun. Aber lass uns mal schauen, was die Zukunft bringt.
RockTimes: Ich bin neugierig ... wie steht ihr zu Leuten im Publikum, die während der Show Fotos machen und filmen? Ich schätze mal, das kann einem heutzutage ein bisschen zu viel werden. Floor Jansen beispielsweise sagt den Leuten schon mal - ich hab das bei einer Show von Revamp erlebt - dass sie endlich ihre Handys ausmachen und den Moment genießen sollen. Sie sagt, es ist nicht schön, alles, was du auf der Bühne gemacht hast, am nächsten Tag auf Youtube zu sehen.
Olof: Natürlich ist es nicht cool, wenn die Leute einiges von der Atmsophäre nicht mitkriegen, wenn sie nur auf ihre Telefone starren - abgesehen davon kümmert mich das aber nicht wirklich. Es kann in der Tat auch ziemlich interessant sein, deine Show ein paar Tage später noch mal 'von außen' zu sehen. Da kannst du einiges von lernen. Ich respektiere es aber, dass manche Künstler das nicht mögen.
RockTimes: Apropos aufnehmen ... in diesen 'ungeduldigen' Zeiten im Musikbusiness, können wir da in naher Zukunft mal eine Liveaufnahme von euch erwarten? In Ton oder sogar Bild?
Olof: Absolut. Wir haben noch keine konkreten Pläne dafür gemacht, aber das wird passieren, ganz klar!
RockTimes: Und sonst, was wünschst du dir noch für die Zukunft von Amaranthe?
Olof: Dass wir weiter das machen können, was wir lieben, und die Botschaft von den Amaranthes in die ganze Welt tragen können! Und natürlich auch, bald in Deutschland spielen zu können!
RockTimes: Vielen Dank, dass du dir die Zeit für RockTimes genommen hast!
Olof: Und ich danke dir für das Interview!
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RockTimes: Congratulations for one more powerful and very characteristic Amaranthe album. What would you call the band's style? Your promoter for Germany once called it 'electro-influenced hybrid metal' ...
Olof Mörck: Thanks! Usually I am quite against trying to put labels on music and trying to put everything in different folders, and I think there are no existing genres where you can put our music into. But actually I quite like the term 'Hybrid Metal', because it doesn't limit the potential influences, and it has been used little enough to feel unique. So feel free to use that term for our music, haha.
RockTimes: How is the new guy, Henrik Englund Wilhelmsson, fitting in so far?
Olof: Like a glove! He is a great guy, a fantastic growler and a true king on the stage! His enthusiasm for the new songs in their early state was very infectious and really helped while striving to make them as great as possible.
RockTimes: He is the shouter, Elize and Jake are rather 'singers'... do they all prepare in a different way before the shows ... like Elize doing vocal exercises an Henrik drinking beer and try to get angry with horror movies?
Olof: Haha, it is not far from the truth! Generally the vocalists no longer do extensive warm up exercises, I think they feel it put more strain on their vocal chords than if they rather try to stay quiet a bit. I don't know it works, since I am not a singer, but obviously it works great for them.
RockTimes: To be honest, I don't think that the new album, Massive Addictive is somehow 'better' than the two before. Yet writing a review I wasn't able to say there is anything disappointing - it 'just' feels like a sequel on an equally high-class level as its predecessors. Or would you say there has been a development in some way?
Olof: It is a shame that you think that, but everyone's opinion is different, and I am happy you think the quality of the music is consistent. Ourselves, we really think we have exceeded anything we have done in the past, and we feel very strongly about this album. Of course, this is what most artists say, but judging from the fan reactions, plays and streams and album sales, "Massive Addictive" is a way stronger album than any of the previous.
RockTimes: You are a band of six members and I guess for this melting pot called Amaranthe there must be so many different predilections for different kinds of music ... what is the genres the six of you come from?
Olof: It is a ton of different genres, and not everyone comes from one specific genre, and just to take an example: Elize has an education in musicals and stage performance, but she listens to a lot of pop and indie singer songwriter music - however, her brother was a screamer in a band, and her dad is an avid metal fan, so she grew up with a lot of that music as well. The result is a very eclectic taste in music, and I think everyone in the band is pretty much the same.
RockTimes: So there must have been fights going on over what's on the stereo in the tour bus!
Olof: Haha, you should come and check it out yourself one day, you would probably be surprised.
RockTimes: An all important issue about Amaranthe style is the blending of dark aggressiveness and very melodic, atmospheric stuff. Would you say I am crazy when I'm telling you I am hearing - in the most positive sense - quite some ABBA in several chorusses, say, some 'Power Metal ABBA' e.g. in "Digital World", "Danger Zone" and "Skyline" - and in "Electroheart" on The Nexus?
Olof: I think the music of ABBA is probably coded into our Swedish DNA, and although I have never actually listened a ton to them, I have the hugest respect for their melodies, chord progessions and vocal harmonies. I can definitely see the comparison between our music and theirs, but I guess the influence is more indirect, since we have never consciously sat down and thought 'let's make this sound like ABBA'. Bottom line: you're probably not crazy.
RockTimes: The band has so many atmospheric potential with all the genres and the three voices involved and interfused - have you ever thought about writing some more epic and longer songs? So far most of the stuff ist between three and four minutes ...
Olof: We have thought about it, yes, but it just hasn't happened so far. Amaranthe music is supposed to be very direct and energetic, and it is very difficult to keep any form of energy for seven to ten minutes. But it is definitely not impossible, and I usually never say never to anything. I have written 14 minute songs for Dragonland in the past, so it is not at all unfamiliar to me.
RockTimes: And while writing or in the studio have you faced the decision of having a song with only one of the three lead singers involved?
Olof: It is also one of those things that we could see ourselves do in the future, but hasn't happened yet. It would probably be a cool thing to let a singer shine through an entire song, and let the other guys take a break. But it was probably too early to do that on the first three albums. However, let's see what the future brings.
RockTimes: I am curious ... what is your attitude towards people in the audience taking pictures and filming during your show? I guess it can be 'too much' nowadays. Floor Jansen for example likes to tell people - I was there during a Revamp show - to finally shut down their mobile phones and enjoy the moment, and says it's not nice to see everything you did on stage on Youtube the next day ...
Olof: Of course it is not cool if they are missing some of the atmosphere if they are just staring into their phones, but apart from that I don't really care about it. Actually, it can be quite interesting to see your show from outside a couple of days after, and there are many things you can learn from it. But I do respect that some artists don't like it.
RockTimes: Speaking of recording stuff ... in these 'impatient' times in music industry, can we expect a live recording in audio or even video in the near future?
Olof: Absolutely. We haven't made specific plans for it yet, but it will happen in the future, for sure.
RockTimes: And besides that are your wishes for the future of Amaranthe?
Olof: To keep on doing what we love, and spread the gospel of Amaranthe's music to the entire world! And to play in Germany soon, of course!
RockTimes: Thanks so much for taking the time for RockTimes!
Olof: And thank you for the interview!
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