Alpcologne / CD-Präsentation, 27.10.2010, KulturKirche, Köln
KulturKirche Alpcologne
KulturKirche, Köln
27. Oktober 2010
Konzertericht
Stil: Alternative Music


Artikel vom 02.11.2010


Joachim 'Joe' Brookes
Das Album Alpsolut von Alpcologne ist dermaßen interessant, dass es schon eine kurze Reise nach Köln wert war, um bei der CD-Präsentation in der KulturKirche dabei zu sein.
AlpcologneVor dem Beginn der Feierlichkeiten zur zweiten Platte des Alphornquartetts konnte man den einen oder anderen Blick auf die Instrumente werfen. Dabei gab es durchaus verschiedene Möglichkeiten, einem Alphorn auf der Bühne eine gewisse Beweglichkeit zu verschaffen. Es existierten ganz unterschiedliche Ergebnisse. Norbert Schmeißer vertraute da auf die Erfindung des Rades und Mitch Höhler outete sich mit einer Handwerkerlösung (siehe Bild). Aber die Variante war erprobt und hielt den Belastungen Stand. Waren die Hörner von Schmeißer sowie ebasa Pallada aus dem ursprünglichen Material Holz, konnte Höhler mit einer Carbon-Ausgabe aufwarten. In der KulturKirche bildeten Historisches und die Moderne eine Einheit.
AlpcologneGenauso war es auch mit der Gruppe Alpcologne, die gleich richtig folkig loslegte. Wow, diese Alphörner machen Gänsehaut. Victoria Riccios Stimme aber nicht minder. Wie sie sagte, inspirierte sie bei einer Bootsfahrt die holländische Landschaft zu dem "Make A Wish"-Text. Riccios Gesang war sehr ausdrucksstark und dazu setzte sie die Texte durch Mimik, Gestik und tänzerische Einlagen auch noch gekonnt in Szene. Bei den ausschließlich vom Album "Alpsolut" gebotenen Songs konnte man sich davon überzeugen, dass Alpcologne die Bühnentauglichkeit der Kompositionen mehr als bestanden hat. Da waren sich auch die Besucher in der vollbesetzten Kirche einig, denn es wurde ordentlich applaudiert.
AlpcologneMit solchen Langhölzern konnten die Spieler nun nicht über die Bretter hüpfen wie Gitarristen. Unter diesem Aspekt, dass sich Alphörner als untauglich für großartige Bühnenshows erwiesen, musste die Musik den Weg zu einem gelungenen Konzert bereiten. Alpcologne war genau dafür ein Garant und brillierte durch Melodie und Rhythmus. Sowohl raumgreifende Balladen, die bei der Kirchenatmosphäre besonders gut ankamen, konnte der Vierer auch durch Songs beeindrucken, die ordentlich Beat in der Röhre hatten. Der Einsatz von Effekten, die den Alphornsound verfremdeten, war eine Meisterleistung von Höhler.
Und eines durfte man bei Alpcologne nie außer Acht lassen ... die Alphörner konnten mächtig gut grooven und ordentlich laut waren sie auch. Das breit angelegte Spektrum der Musik war ein herrlicher Genuss aus Gesang und Gebläse. Man musste den drei Männern innerlich Respekt zollen, denn es entstand der Eindruck, als wenn das Erzeugen von Tönen nicht gerade eine leichte Körperertüchtigung war. "Albert In The Now" war super und "Oye Como Va" war eine perfekte Inszenierung in Sachen Coverversion. Die Lesung war so eigenständig, dass Santana wirklich nur in der Anmoderation Erwähnung fand.
AlpcologneIn der Schweiz hatten Alpcologne den Brauch kennengelernt, bei einer CD-Präsentation die Scheibe auch zu taufen. Mitch Höhler hatte dafür extra Rheinwasser in eine Weinflasche abgefüllt und so wurde die Platte offiziell "Alpsolut" benannt.
Genau wie bei der Eröffnung der ersten Setrunde, blies Höhler dreimal in ein Kuduhorn um die zweite Session zu starten. Höhler alleine im Spotlight! Wo waren denn die anderen abgeblieben? Hatte sie noch mit Autogrammen zu tun? Plötzlich kamen Klänge aus allen möglichen Ecken der Kirche (so ein Gebäude hat viele Ecken). Es war Vuvuzela-Time! Die anderen drei Bandmitglieder marschierten durch das Kirchenschiff und sie trafen sich alle auf der Bühne. Bei dem Stück "Vuvuzela Kuduzela" flogen einem förmlich die Knöpfe vom Latz der Krachledernen um die Ohren. Oh Mann, welch eine Betriebsamkeit!
AlpcologneVon "Architeuthis" toll gesungener Geschichte konnte das klangliche Szenario durch großartige Feinarbeit und Unisonosounds überzeugen. Ein Lied wie dieses durfte ruhig Musical-Charakter aufweisen. Die männlichen Protagonisten traten zwischendurch aus dem Hintergrund der Bühne auch nach vorne ans Mikrofon. Pallada gab ein Gedicht, das mit Dichte(n) zu tun hatte zum Besten. Schmeißer informierte sehr unterhaltsam über die Geschichte des Alphorns mit einem wohl nicht ganz ernst gemeinten Verweis auf die Neandertaler. Erwähnung fand auch das Musizieren auf Knochen. Eine ganz große Vorstellung war "Marla's March". Was ich vorher nicht wusste: Im Kölner Zoo gab es ein Elefantenbaby und das ging wie Knut und andere vor längerer Zeit durch die Presse. Mit seinen Querverweisen zum "Dschungelbuch" trompetete eine ganze Herde Rüsseltier durch die Kirche.
AlpcologneBei dem doppeldeutigen "Kaffee und Satz" ging mir auch bei der Live-Darbietung ein Lächeln durchs Gesicht und "Dance Of The Nightingale" verzaubert zunächst mit anfänglicher Andacht und darauf folgte orientalische Dynamik. Zum Schluss gab es dann das Sahnehäubchen: Traffics "Feelin' Alright". Diese Version war nicht zu toppen. Als Zugabe wurde das bestens dafür geeignete "Adiau" intoniert.
Alpcologne ist eine Band mit ganz viel Zukunft. Das musikalische Konzept passt und lässt sich in dieser Form woanders momentan wohl kaum nicht finden. Außer es gibt Musiker, die die Band kopieren.
Line-up:
Victoria Riccio (vocals)
Mitch Höhler (alphorn)
ebasa Pallada (alphorn)
Norbert Schmeißer (alphorn)
Bilder vom Konzert
Alpcologne     Alpcologne
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